Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Galuth
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gallith der in allen Schichtungen jüdischer Parteizugehörigkeit festzustellen ist, ein Mangel, der aus der über alle Grenzen der Länder hinaus vorhandenen Tatsache fließt, daß zu viele Menschen heute sich nur und ganz als Glied ihrer wirtschaftlichen Gruppe empfinden und daß noch nicht die Kraft und der Weg gefunden ist, sich über das Gruppeninteresse zu erheben und sich von seiner religiösen Idee allein leiten zu lassen. Es ist vieles in der Welt in all diesen Jahrhunderten aus den von der Minderheit der Juden in die Welt einfließenden jüdischen Ideen her gestaltet worden; andererseits aber sehen wir in den sozialen Versuchen im heutigen Erez Israel nichts, was palästinensischen und jüdischreligiösen Ursprungs ist Weil all diese Dinge so stark im politischen Kampf stehen, deshalb muß man auf Schritt und Tritt Mißdeutungen ausschließen. Das Gesagte soll und darf nicht gewertet werden etwa als Argument gegen eine Palästinabesiedlung. Sie hat mit der hier behandelten Frage nichts zu tun. Sie mag für die einen eine Frage der nationalen Politik sein, für die andern eine Frage der Philanthropie; in diesen Streit soll garnicht eingegriffen werden. Schreiber dieses ist persönlich dem Palästinawerk voll zugewandt und hält es für eine große, heilige und starke Aufgabe der Gesamtjudenheit Aber es ist ein anderes, der Besiedelung von Erez Israel als einer jüdischen Aufgabe das Wort zu reden, und ein anderes, in dem Gerichletsein auf Erez Israel das seelische Lebenszentrum, den Mittelpunkt allen jüdischen Lebens zu erblicken. Es ist ein anderes, der Arbeit in Erez Israel fördernd das Wort zu reden und ein anderes, nur in Erez Israel die Erfüllung des Judentums und die Möglichkeit der Erhaltung des Judentums zu erblicken. Für uns gibt es keinen anderen Weg als den, auch unser Sein außerhalb von Erez Israel als ein gottgewolltes und im Dienste des Judentums stehendes zu erfassen und jeder seelischen Entwurzelung unserer Jugend um ihrer inneren Ruhe und Sicherheit willen entgegenzuarbeiten. Nebenher nur sei darauf hingewiesen, daß von dieser Galüthfrage aus ein gut Teil der politischen Kämpfe stammt, die die deutschen jüdischen Gemeinden heute zerreißen. Es wäre falsch, in den mancherlei Widerständen gegen das Recht der in Deutschland lebenden Ostjuden, auf die Gestaltung der Gemeinden entscheidenden Einfluß auszuüben, irgendeine hochmütige Minderbewertung des ostjüdischen Elementes als Beweggrund anzunehmen. Soll man es erst aussprechen, daß zu ihr nicht der leiseste Grund vorhanden ist? Einen solchen Beweggrund anzunehmen, heißt den beleidigen, dem man ihn zumutet, denn er bedeutet eine Niedertracht. Ostjuden und Westjuden, wenn 23* 333