Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Galuth
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Galuth Judesein zu ihrem Besten auswirken lassen sollen, die Stätte, die von uns verlangen kann, daß unsere Seele ihr voll zugewandt sei Darum empört es uns immer von neuem, wenn wir, nicht nur von Antisemiten, auf das Verhältnis von Juden zu irgend einem Volke die Begriffe „Gastvolk" und „Wirtsvolk" angewandt finden. Wir fühlen uns nicht als Gastvolk, wo immer wir beheimatet sind, sondern als Mitlebende und Mitwirkende an dem gesamten Schicksal unserer Heimat Damit ist diese Frage auch grundsätzlich hinausgehoben über den Streit um die Abgrenzung der Begriffe: Staat, Volk, Nation, Nationalität Es wird nachher noch gesagt werden, zu welcher Auffassung vom Judentum wir uns bekennen, aber welche Stellung man immer auch einnimmt, selbst wenn man dem Judesein und dem Judentum nationalen Inhalt zuspricht, selbst wenn man, gestützt von modernen Entwicklungsstufen des Minderheitenrechtes, sich dazu versteigen könnte, ein solches in Anspruch zu nehmen, die Forderung, die wir an uns stellen, wird immer die gleiche bleiben müssen: um der eigenen seelischen Ungebrochenheit willen die jüdische Daseinsform außerhalb von Erez Israel, sofern die in ihr lebenden Menschen getragen sind von dem Willen zu jüdischer Religiosität zu bejahen, die fest ins Erdreich getriebenen Wurzeln nicht entwurzeln zu lassen. Um es nochmals zu sagen: unsere Stellung zu dem Galuthproblem entspringt unserem inneren Bedürfen, ist geschöpft aus unserer Auffassung vom Judentum und geleitet, im Anschluß an jene oben zitierten Haggadästellen, von dem Willen, im Dienste des Judentums an seiner Erfüllung zu arbeiten. Das muß ganz deutlich gesagt werden, denn nur ein solcher Standpunkt ist sittlich berechtigt; abzulehnen ist eine Haltung aus Sorge um eine mögliche Rückwirkung auf die politische Stellung der Juden irgendwo auf der Welt oder entstanden aus der Rücksicht darauf, was irgend jemand dazu sagen könnte Nicht die bürgerliche Stellung der Juden oder irgendein Urteil von außen her darf letzte Sorge des Juden sein, sondern nur das, was er zu tun und zu sagen hat um der Verwirklichung der jüdischen Idee willen, um die Forderung seines religiösen Gewissens zu erfüllen. Wenn irgend etwas, was er um derentwillen zu tun hat, seiner bürgerlichen Stellung schädlich sein würde, er müßte es doch tun, sonst würde er ja sein Judentum unterstellen dem Wandel der Zeitströmungen und den wechselnden politischen Anschauungen über Staatsmoral und Bürgeriecht, würde also die bewegende Macht seiner Seele, die einzig bewegende Macht, in eine zweite Reihe stellen. Jüdische Fragen dürfen nur beantwortet werden aus der Erwägung: Was 23 33t