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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Galuth
Date
1928-10-01
Page
328 (sequence 4)
Language
German
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Max Dienemann men, dann sei es wenigstens nach einem Orte, an dem Thora ist". (Jeruschalmi Joma 42c.) Aber ebenso voll ist der Chor derer, die zu der Tatsache der Gallith sich anders einstellen. Schon in der allerältesten Zeit, mitten in dem unmittelbaren Erleben der erstmaligen und darum schwersten Pein, prägte Jeremia die bekannte Botscnaft: „Bauet Häuser und bewohnet sie, pflanzet Gärten und genießt ihre Frucht, nehmt Euch Frauen und zeuget Sohne und Töchter, nehmt für Eure Söhne Frauen und gebt Eure Töchter an Männer, daß sie Söhne und Töchter zeugen, mehret Euch und vermindert Euch nicht. Und fördert das Wohl der Stadt, in die hin ich Euch verbannt habe", (cap. 29, v. 5 ff.) Das heißt mit andern Worten: obgleich doch für Jeremia die Hoffnung auf die baldige Rückkehr eine Selbstverständlichkeit war, forderte er von den in der Galuth Lebenden ein seelisches Verwachsen mit ihr, denn — und dafür bedarf es keinen Beweises — das, was er verlangt, kann man nur tun, wenn man seelisch mit dem Lande verwachsen ist und nicht etwa sozusagen auf Abbruch arbeitet Und nun Stimmen aus der Haggada: Sie bewegen sich nach einer doppelten Richtung. Sie wollen einmal in der Galuth einen Sinn und Zweck finden, eine planvolle Absicht der Weltenlenkung durch Gott, ein Mittel der sittlichen und religiösen Erziehung der Menschheit, und sie wollen zum anderen Gott und das Israel der Galuth in einer besonders innigen Verbundenheit zeigen. Da ist zuerst das Wort des Rabbi Oschaja: „Eine Wohltat hat der Heilige, gelobt sei er, Israel erwiesen, daß er es durch alle Völker hin verstreut hat"; denn, so wird es begründet, dadurch ist es unmöglich geworden, daß an einer Stelle ein Feind es entscheidend treffen und auslöschen kann, jegliches Unglück, mag es noch so schwer und verheerend sein, wird zum Teil-Unglück, und Lebensmöglichkeit bleibt (Pesachim 87b.) Und femer: „Rabbi Simon ben Eleasar sagte: „Der Heilige, gelobt sei er, hat Israel nur deshalb unter die Völker in die Galuth geschickt, damit sich Proselyten ihm anschließen, denn so heißt es: „ich säe es mir aus auf die Erde," (Hosea 2, 2 5) man sät ein Maß doch nur aus, um viele Maß zu ernten". (Pesachim 87b.) Rabbi Simon ben Jochai sagte: „Sieh, welch große Liebe der Heilige, gelobt sei er, zu Israel hat, wohin sie in die Galuth gingen, war die Majestät Gottes bei ihnen, sie mußten nach Aegypten und Gottes Majestät zog mit ihnen, sie mußten nach Babel und Gottes Majestät war mit ihnen. Sie zogen nach Medien, Gott mit ihnen, nach Griechenland und Rom, und immer ging die Majestät 328

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