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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Galuth
Date
1928-10-01
Page
329 (sequence 5)
Language
German
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Galuth Gottes mit ihnen in die Galuth,". (Jeruschalmi Taanith 64a.) „Es sagte Raw Jehudah im Namen von Rab: „Galuth ist Sühne für drei Dinge (das heißt, sie befreit Israel von Pest, Schwert und Hunger, die es verdient hätte), Raw Jochanan sagte: „Galuth ist Sühne für alles". (Synhedrin 37b.) Was sagen diese Stimmen? Das Wichtigste, daß sich schon in allerältesten Zeiten eine Wandlung nach der Richtung hin vollzog, daß man in der Galuth die volle Möglichkeit einer mit der religiösen Idee des Judentums im Einklang stehenden Existenz sah, und daß man mit der Galuth einen zweckhaften Sinn verband, ein von Gott in seinem Weltenplan um der Menschheit willen Gewolltes, ein nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Provisoriums zu Betrachtendes. Die Feststellung ist deshalb wichtig, weil diese Gedankengänge in einer Zeit entstanden, in der man seelisch und räumlich Erez Israel näher stand, in der das religiöse Leben unmittelbarer floß und schöpferischer war als heutigen Tages, und weil man es gern als das Zeichen einer würdelosen und entarteten Selbstentäußerung eigenen Seins und kriecherischer Assimilationssucht darstellt, die erst im 19. und 20. Jahrhundert zu eigen geworden sei, einen solchen künstlichen Sinn der Galuth zum Selbstbetrug der eigenen Seele erfunden zu haben. Jene Stimme des alten jüdischen Schrifttums machen diese Behauptung zunichte, zeigen mit unwiderleglicher Deutlichkeit, daß man in Tagen, die frei waren von den auflösenden Tendenzen, denen wir aus den Zeitströmungen der Gegenwart unterworfen sind, die zu unseren Denkformen keinerlei Parallele bilden, auch in der Galuth einen Zweck und Sinn erblickte und in ihr die volle Erfüllung eines jüdischen gottverbundenen und der Heiligung fähigen Seins erblickte, und daß man in dem Willen, das Seelenleben des einzelnen und der Gesamtheit darauf gerichtet sein zu lassen, keine Entwürdigung, keinen Abfall, keine Beeinträchtigung der Zukunft sah. Aber nun ist ja diese ganze Frage nicht nach Formeln aus älteren Zeiten zu entscheiden, sie ist, auch wenn man die Geschichte zu Hilfe nehmen darf, keine historische, sie ist eine Angelegenheit der persönlichen Willensbildung und Willensentscheidung, und man ist bei ihr getragen von der Ueberzeugung, daß die Gestaltung der jüdischen Zukunft in soweit Menschenkraft und -tat in Frage kommen — das Geheimnis der göttlichen Leitung bleibt stets undurchdringlich — sich nicht nur so vollzieht, daß die Menschen von dem Vorhandenen, Überlieferten geformt und in eine bestimmte Richtung gezwungen werden, sondern daß sie auch Schöpfer und Former ihrer Zukunft sind, daß sie aus dem Selbstständigen und Irrationalen ihrer Entscheidung 329

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