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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 353

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
Date
1926-10-01
Page
353 (sequence 6)
Language
German
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Die Erforschung des nachbiblischen Judentujms im Rahmen der Universitas Litterarum andere ist Moses Maimonides, dessen „Führer der Irrenden" entscheidend auf Albertus Magnus und Thomas von Aquino einwirkte.1) Noch stärker zeigen sich die vom Judentum ausgegangenen Anregungen im Zeitalter der Renaissance, als man anfing, im Hebräischen eine dritte klassische Sprache zu erkennen- Die einzigen Hüter dieses Schatzes waren die bis dahin verachteten Juden. Damals saßen in Italien hohe kirchliche Würdenträger und gefeierte Gelehrte zu den Füßen jüdischer Lehrer. Einer der bekanntesten unter ihnen, der aus Deutschland stammende Elia Levita, war selbst ein bedeutender Forscher auf dem Gebiete der hebräischen Sprache und wurde sogar von Luther (allerdings ohne Erfolg) für eine Professur an der Universität Wittenberg vorgeschlagen. Mit der Erkenntnis der Ursprache des Alten Testaments verbanden die Juden auch das traditionell gepflegte Verständnis des natürlichen Wortsinnes, das in der Kirche ebenso durch die Unkenntnis der Sprache wie durch die christologische Deutung verlorengegangen war. Auch Luther hielt zwar prinzipiell an dieser Deutung fest, hat aber doch durch das ständige Zurückgehen auf die „Hebraea veritas" und durch die Benutzung der jüdischen Bibelerklärer des Mittelalters, die ihm freilich nur mittelbar aus den Werken des Nikolaus von Lyra bekannt waren, den Boden für eine sinngemäße Exegese vorbereitet Noch viel weiterreichend waren die Einwirkungen des Judentums auf den Islam. Sowohl seine Grundlehre von der Einzigkeit und Bildlosigkeit Gottes als auch seine sonstige Ideenwelt trägt den Stempel jüdischen Geistes, wenn auch teilweise in vergröberter Gestalt Namentlich der Kultus verrät formell und inhaltlich noch deutlich den jüdischen Ursprung. Seit der Bonner Preisschrift von Abraham Geiger (i833) sind diese engen Beziehungen schon bis ins einzelne erforscht und dargestellt worden. Der Islam hat auch weit mehr Duldsamkeit gegen die Mutterreligion bewiesen und dadurch zugleich stärker auf dieselbe zurückgewirkt als das Christentum, das schon im Neuen Testament viel eindeutiger von Juden und Judentum abrückt als später der Koran und diese Haltung im Laufe des Mittelalters nur noch immer verschärfte. Die Verbindung arabischer und jüdischer Kultur in Spanien hat die schönsten Blüten des Geistes erstehen lassen zu einer Zeit, wo die christlichen Nationen Europas noch gar nicht zum kulturellen Selbstbewußtsein erwacht waren. *) Vgl. Jakob Guttmann, Die Scholastik des i3. Jahrhunderts in ihren Beziehungen zum Judentum und zur jüdischen Literatur. Breslau 1902. Derselbe, Der Einfluß der Maimonidischen Philosophie auf das christliche Abendland. Leipzig 1908 (S.A. aus dem Sammelwerk Moses ben Maimon. Bd. I). 24 353

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