Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 354 (sequence 7)
- Language
- German
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Felix Perles Diese Beziehungen zwischen Judentum und Islam führen uns von der theologischen zur philosophischen Fakultät Hier sind es eine ganze Anzahl zum Teil weit auseinander liegender Disziplinen, die aus einer Beschäftigung mit dem späteren Judentum Gewinn ziehen können. An der Spitze steht die Philologie, die hier in fast all ihren Zweigen ein geradezu unübersehbares Material zugeführt erhält Um mit dem Nächstliegenden zu beginnen, sei bloß auf die Tatsache hingewiesen, daß die Geschichte der hebräischen Sprache, die ihr erster Darsteller Wilhelm Gesenius (i8i5) nur bis zum Abschluß des alttestamentlichen Kanons geführt hatte, durch fast zwei Jahrtausende weiter bis zur Gegenwart verfolgt werden kann. In dieser langen Zeit wurde sie ununterbrochen als Sprache des Gottesdienstes und der Schule, der Literatur und der Wissenschaft gepflegt und weiter entwickelt, bis sie im letzten Jahrhundert zuerst in Osteuropa und dann auf ihrem alten Boden in Palästina wieder zu einer lebenden Sprache auferstand. Neben dem nachbiblischen Hebräisch ist im jüdischen Schrifttum noch ein anderer wichtiger Zweig des semitischen Sprachstammes, das Aramäische, in mehreren wichtigen Dialekten vertreten. In seinem Wortschatz, in seiner Laut- und Formenlehre und vor allem in seiner Syntax ist das Jüdisch-Aramäische von der größten Bedeutung für die Sprachvergleichung. Denn wenngleich das Christlich-Aramäische, das sogenannte Syrisch, eine reichere und vielseitigere Literatur besitzt, steht es in philologischer Bedeutung dagegen zurück, denn es ist syntaktisch vollkommen vom Griechischen beeinflußt, während das Jüdisch-Aramäische den ursprünglichen semitischen Charakter treu bewahrt hat Doch darin erschöpft sich noch nicht der der Philologie aus dem. Neuhebräischen und Aramäischen winkende Ertrag. Denn das rabbinische Schrifttum in beiden Sprachen enthält, soweit es in Palästina entstanden ist, zahllose griechische und durch das Griechische gegangene lateinische Lehnwörter, während das in Babylonien entstandene Schrifttum, vor allem der babylonische Talmud, ebenso reich an babylonischen und persischen Lehnwörtern ist Dieses fremde Sprachgut gibt oft überraschende Aufschlüsse bald über Alter, Verbreitung und Bedeutungswandel der Wörter, bald über Lautform und Aussprache. So ist, um bloß je ein Beispiel aus dem Griechischen anzuführen, das nirgends in der Literatur belegte, nur aus Wörterbüchern bekannte und noch heute in Dialekten lebende yaQÖov/nt\ov] „Brot", in einem palästinensischen Midrasch des 5. Jahrhunderts belegt, und wiederum die heute in Griechenland 354