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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 245

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Eine Legende vom Menschen
Date
1926-08-01
Page
245 (sequence 2)
Language
German
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Max Dienemann: Eine Legende vom Menschen er, dem Engel, der über die Seelen gesetzt ist, und sagt ihm1: „Bringe mir diese und diese Seele aus dem Garten Eden, so und so heißt sie, so und so sieht sie aus" — denn alle Seelen, die einst auf die Welt kommen sollen, sind von Anfang an erschaffen, vom Tage, da die Welt entstand, bis an ihr Ende sind sie vorbestimmt für die Menschen. — Sofort geht der Engel und holt die Seele und bringt sie vor den Heiligen, gelobt sei er, und sie verneigt sich und bückt sich vor dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei er. In dieser Stunde sagt der Heilige, gelobt sei er, zu der Seele: „Geh ein. in jenen Keim"; öffnet die Seele ihren Mund und spricht: „Herr der Welt, mir genügt die Welt, in der ich weilie seit dem Tage, da du mich erschaffen hast, warum willst du mich eingehen lassen in jenen unsauberen Keim, da ich doch rein und heilig bin und ein Stück deiner Herrlichkeit?" Da antwortet ihr der Heilige, gelobt sei er«: „Die Welt, in die ich dich einführe, wird dir bald schöner sein, als die, in der du bisher geweilt, und von Anfang an habe ich dich erschaffen, um mit jenem Keim vereinigt zu werden." Und schon vereinigt sie Gott mit ihm. Darnach nimmt sie der Engel und tut sie ein in den Mutterleib; man bestellt ihr zwei Wächter die aufpassen, daß sie nicht herausfällt und ein Licht wird hinein getan, das ihr zu Häupten brennt, denn so heißt es: „0, wäre ich noch wie in den ersten Monden, als Gott mich behütete, als sein Licht mir zu Häupten leuchtete"; mit Hilfe dieses Lichtes schaut sie von Anfang der Welt bis zinn Ende. Dann nimmt sie der Engel von dort und führt sie nach dem Garten Eden und zeigt ihr dort die Frommen, wie sie in Herrlichkeit thronen, Kronen auf ihren Häuptern, und er fragt sie: „Weißt du, wer diese sind? Sagt die Seele: „Nein, mein Herr",, und der Engel erklärt ihr: „Die du hier siehst, sind einst wie du in einem Mutterleib gebildet worden, traten ans Licht der Welt und haben die Thora und die Gebote gehalten, deshalb sind sie solchen Glückes gewürdigt worden, und wenn du einst Gottes Thora halten wirst, wirst du gleicher Herrlichkeit teilhaftig werden". Am Abend führt er sie nach Gehenna und zeigt ihr dort die Schlechten, wie die Engel des Verderbens sie mit feurigen Ruten schlagen, sie schreien: wehe, wehe, aber jene haben kein Erbarmen mit ihnen. Und der Engel fragt aufs neue: „Weißt du, wer diese sind?", sagt die Seele: „Nein, mein Herr". Und der Engel erklärt: „diese in Glut Getauchten sind einstens geschaffen worden wie du, traten ans licht der Welt und haben die Thora und die Gebote nicht gehalten, deshalb sind sie in solche Schande gekommen, auch du wirst in die 245 16

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