Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 16)
- Language
- German
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Jakob Guttmann. 265 diese Verwandtschaft auszusprechen, entsprach nicht seiner Art1). Allein es ist gewiß kein Zufall, daß er vorwiegend solche Geister zu begreifen suchte, denen er selber glich, dagegen weder dem — nicht im talmudischen Judentum wurzelnden — Hellenismus noch der Kabbala2) oder dem auf geschichtlicher Treue und gefühlsmäßigem Erleben aufgebautem System Jehuda Hallevis eindringendere Studien gewidmet hat. Aber wie in der Wahl des Arbeitsgebietes, so bekundet sich seine Eigenart auch in der Methode der Behandlung. Das zeigt deutlich der Vergleich mit einem Forscher, der fast gleichzeitig und mit kaum geringerem Verdienst sich der Erforschung des jüdischen Denkens zuwandte: mit David Kaufmann. Dieser begann seine Forscherlaufbahn mit einer begeisterten Rede auf Jehuda Halle vi und ließ ihr bald eine Geschichte des Gottes vor- Stellung der jüdischen Denker des Mittelalters folgen. Beide Arten des Arbeitens lagen Jakob Guttmann nicht. Er schrieb keine Lobreden, sondern ließ den Stoff selbst sprechen; und wenn er etwa Entwicklungslinien zeichnete3), so ge- ף Vgl. aber etwa seine Bemerkungen (Einfluß des Judentums auf die Scholastik 110) über Maimonides’ ״wenigstens in betreff der Methode auch heute noch mustergültige * ‘ Lehre von der Prophetie, ״einem der kühnsten und tiefsinnigsten Versuche, diese große geschichtliche Erscheinung zu erklären und sie durch eine vernunftgemäße und zugleich schriftgemäße Auffassung unserem Verständnis näher zu bringen“. Dagegen tadelt er bei den Alexandrinern (s. das fg.), daß ״das Judentum bei diesem ersten Versuch seine eigene Originalität zu wenig geltend gemacht, daher nicht den Einfluß gewonnen hat, den es durch seinen Eintritt in die philosophische Bewegung hätte nehmen können“ (Saadia 9). 2) Vgl. auch ,,Religionsphilosophie des Saadia“ 26: ״Daß Saadia zu jener mystischen Schrift (dem Sefer Jezira) überhaupt einen Kommentar verfaßt hat, könnte uns in Anbetracht seiner sonst so aufgeklärten Denkweise vielleicht auffallend erscheinen.“ 3) Vgl. die Einleitungen zu den Schriften über Saadia und über die Scholastik des 13. Jahrhunderts, aber auch den Aufsatz über Bendavid MS 61 (1917) 26 ff.