Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829902-2895323--44098-2895367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
258 Jakob Guttmann, nicht nur die Sabbath- Idee, sondern auch die Einrichtung als solche und bekannte sich stets zu der Überzeugung1), daß das Judentum nur, weil es sich nicht gescheut hat, Gesetzesreligion zu sein, auf seine Anhänger eine so mächtige Wirkung hat ausüben, sie vor dem bloßen Wortbekenntnis zu hochfliegenden Idealen hat bewahren können. Cohen sucht die Systeme früherer Denker nicht sowohl wortgetreu darzustellen, als vielmehr zu deuten nach ihrem ewigen Sinn; er projizierte sie gleichsam auf die Ebene seiner Weltanschauung und entging dem Vorwurf nicht, in die Propheten so gut wie in Platon, in Philon und in Maimonides eigene Ideen hineinzulesen. Guttmann dagegen gab sich mit größter Unparteilichkeit zunächst der Erscheinung als solcher hin und suchte sie unter Zurückstellung des eigenen Urteils,, das nur gelegentlich in kurzen Bemerkungen hervortrat, zu begreifen aus Querschnitt und Längsschnitt: im Zusammenhang mit den geistigen Strömungen ihrer Zeit2) und aus der gesamten geschichtlichen Entwicklung des Judentums. Denn allerdings: daß der Entwick- 1 u n g s gedanke, wie er ihm aus philosophischer und naturwissenschaftlicher Spekulation geläufig war, auch auf das ג) Ygl. namentlich Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1903, 100. — MS 18372 ,0ל: Das Judentum, welches sich von seinem realen Boden nie entfernt hat, konnte auf den sinnlichen Ausdruck des religiösen Gedankens durch das Zeremonialgesetz nicht verzichten. Manche unter diesen Formen mögen des absoluten Werts entbehren und nicht unter allen Verhältnissen unantastbar sein; aber ein charakteristisches Merkmal des Judentums bleibt das Zeremonialgesetz, und seine Zweckmäßigkeit läßt sich nicht in Abrede stellen- 2) Wenn Guttmann auch meist mehr den Einfluß bestimmter Denker als denjenigen allgemeiner Strömungen oder politisGh-wirtschaftlicher Verhältnisse herausarbeitet, so übersieht er den letzteren keineswegs. Es genügt, auf die Darstellung ״Saadia“ S. 11 über die Hemmungen des philosophischen Denkens und die spater zu erwähnenden Ausführungen über Mendelssohn und Philippson zu verweisen.