Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 10)
- Language
- German
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Jakolb Guttmann. 259 Judentum anwendbar sei, war Guttmanns feste Überzeugung. An einer Stelle, an welcher er keine Parteianschauung, sondern eine allen Richtungen gemeinsame Überzeugung wiederzugeben suchte, hat er den Satz ausgesprochen: ,,So wenig wie das Naturleben, duldet das Geschichtsleben den Fortbestand inneilich erstarrter und erstorbener Gebilde, die keiner Befruchtung und Fortentwicklung mehr fähig sind“x). Von hier aus ergab sich zugleich auch seine Stellung־־ nähme zu den schwebenden Fragen der Zeit. Auch hier knüpfte er an Frankel an, als dessen Hauptverdienst er bezeichnet ,,die Versöhnung des Judentums mit dem Leben auf dem Boden der jüdischen Wissenschaft und in engstem Zusammenhang mit der ganzen vorangegangenen geschiehtliehen Entwicklung des Judentums"* 2). Die geschichtliche Entwicklung, die er in der Vergangenheit bemerkte, galt es weiterzuführen; er gab Mendelssohn Unrecht, dem der Gedanke einer geschichtlichen Entwicklung fremd geblieben sei3), nicht minder aber ,,jenen himmelstürmenden Neuerem, die, unbekümmert um die geschichtliche Entwicklung des Judentums, auf dessen Trümmern einen neuen, der eigenen Phantasie entstammenden Bau aufführen wollten4)". Allein bei aller Deutlichkeit der eigenen Stellungnahme konnte er *) Die mehrfach erwähnte Rede über die Bedeutung des Judentums in der Gegenwart, in welcher sich die angeführten Worte finden (Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1903, 95), war im allgemeinen deutschen Rahbinerverbande gehalten. Einleitend erklärte es der Redner für notwendig, gegenüber den unsere Daseins» berechtigung bestreitenden Strömungen ,,den uns allen gemeinsamen Standpunkt mit Entschiedenheit zum Ausdruck zu bringen“ (S. 92). 2) Rahmers Predigtmagazin I, 268 (daselbst vom Verfasser gesperrt). 3) MS 1917, 26 ff., namentlich 29: ,,Wie den Vertretern der Aufklärung überhaupt, Mendelssohn inbegriffen, der von Leibniz so stark betonte Gedanke einer geschichtlichen Entwicklung innerlieh fremd geblieben war, so fehlte auch ihnen der historische Sinn“; vgl. auch den sofort anzuführenden Nachruf auf L. Philippson. 4) Rede auf den Landrabbiner Dr. Meyer, S. 12. 17*