Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob Guttmann. 25 7 Judentum, die nur auf dem Wunderglauben und nicht ebenso sehr auf der Einsicht in die inneren Werte des jüdischen Glaubens beruhte, nur ein ,,Lächeln“1). Und wenn derselbe Bendavid meinte, man könne es dem Juden nicht verwehren, wenn er glaube, mit der Durchführung der Emanzipation sei die messianische Zeit gekommen, so bedeutete das für Guttmann, ,,die Erstgeburt um ein Linsengericht verkaufen“; so fest stand ihm eine uhiversalistische Deutung der Messiasidee2).; und es ist begreiflich, daß er dem Zionismus, der gleichfalls den messianischen Gedanken wesentlich national auf faßt (wenn auch stolzer als Bendavid), durchaus ablehnend gegenüberstand. Während sich nun Jakob Guttmann in der systematischen Betrachtung des Judentums ganz offenbar mit Hermann Cohen berührte, namentlich seit dieser nicht mehr, wie Guttmann einst bemängelt hat3), der ״Religion nur eine dekorative Bedeutung zusprach“, unterschieden sich die beiden Männer völlig in der Betrachtung der jüdischen Vergangenheit, überhaupt aber des Judentums als konkretergeschichtlicher Gemeinschaft. Niemand konnte den Sabbath begeisterter denn Cohen rühmen als den Künder sozialer Gesinnung; Jakob Guttmann pries ג) Es ist auch nicht leicht zu sagen, ob Saadia wirklich, wie Guttmann, Saadia 21, mit Berufung auf Emunoth III, 68 annehmen möchte, an die Göttlichkeit der jüdischen Religionslehren ״weit mehr“ wegen ihres inneren Wahrheitsgehalts als wegen ihrer Beglaubigung durch Wunder geglaubt hat. 2) Vgl. auch über die Auserwähltheit Israels Jahrbuch für jüdische Geschichte 1903, 103. s) Vgl. seine Besprechung von Cohens Einleitung zu Langes Geschichte des Materialismus, MS 1897, 89. Natürlich beruhte die Übereinstimmung auf Wesens verwand ts ch aft: Cassirers Worte über Cohen (Korr.-Blatt der Ak. für die Wiss. d. Jud. I, 3), daß in ihm ״der Drang nach Klarheit als leidenschaftlicher Affekt wirkte und jeder Affekt intellektuelle Bewußtheit forderte“, gelten auch von Guttmann. Monatsschrift, 64. Jahrgang. 17