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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 397

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 397 (sequence 4)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 397 Schrift nichts, das als Parallele dazu angeführt werden könnte, da in 4, 21 ausdrücklich hervorgehoben wird, daß nach dem Tode — und sogar nach der Scheidung1) — der Mann eine andere ehelichen darf. Höchst wahrscheinlich wollte Epiphanias nur sagen, daß die Dosithäer der asketischen Lehre der Essener2) folgend — Josephus, Bell. 11,3,13 — keinen ehelichen Umgang mit ihren Frauen pflegen, nachdem sie schwanger geworden sind, weil die Ehe für sie nur, zur Erhaltung des Menschengeschlechtes gestattet sei. Wenn überhaupt irgend etwas von den Lehren der Dosithäer als sicher gelten darf, dann ist es die äußerst strenge Beobachtung der Sabbathruhe, worin sie aber nicht allein viel weiter als das talmudische Judentum, sondern auch als unsere Sekte gingen. So berichtet Abul-Fath a. a. 0., daß sie das Vieh am Sabbath weder grasen noch tränken ließen* 5 * * 8), sondern am Freitag Futter und Wasser vorbereiteten, das die Tiere sich selbst holen konnten. In unserer Schrift dagegen wird ausdrücklich — 11, 5 — in Übereinstimmung mit der Halachah — das Weiden der Tiere und natürlich erst recht das Tränken ge- *) Vgl. oben S. 26. 5) Auch Au an, Gesetzbuch S. 60 verbietet den ehelichen Umgang mit schwangeren Frauen, vgl. ausführlich darüber Geiger, Jüd. Zeitschrift VII, 167 ff., der auf Grund dieser Stelle in Anans Gesetzbuch eine Anlehnung des Karäismus an den Essenismus behauptet, worin ihm auch Harkavy z. St. — ohne ihn zu nennen! — folgt. Jedoch ist zu bemerken, daß auch im Talmud — Jebam. 12b; vgl. auch ספד חסידים, s. 282 — ein solches Verbot erwogen wird, und wenn es auch nicht durchdrang, so ist es doch viel wahrscheinlicher, daß Anan dieser Talmudstelle seine Lehre entnahm als dem Essenismus. Nicht ohne Interesse ist, daß die Kabbala die karäische Lehre sich teilweise aneignete. Übrigens ist es auch möglich, daß die Karäer nur infolge ihrer strengen Durchführung des Prinzips עובר לאו ירך אמו zu dieser Auffassung gelangten; ähnlich argumentiert R. Akiba Eger in seinen Responsen Nr. 172 gegen dieses Prinzip. s) Darunter ist wohl das Trixiken fließenden Wassers zu verstehen.

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