Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Michael Sachs. 391 Anhänger bewunderten, deren Lauterkeit und sittliche Hoheit selbst die ihnen Fernstehenden, ja ihre Gegner anerkennen mußten. Wir brauchen nur auf Erscheinungen, wie Rabbr Akiba Eg er und Rabbi Moses Sofer hinzuweisen. Aber Führer und Leiter des heranwachsenden Geschlechtes konnten sie nicht sein. Fremd und fern stand dieses ihnen ge״ genüber, und auch sie fanden das Wort nicht, das ihm zu Herzen sprach und einen Weg in die Zukunft wies. Doch auch für dieses Dunkel sollten allmählich die Pfade sich lichten und die Führer sich finden. Das Juden״ tum sollte auch in der neuen Zeit seine Unzerstörbarkeit bekunden, seine Kraft der Empfänglichkeit für neue geistige Strömungen und zugleich der Beharrlichkeit in seinem Wesen und in dem stetigen Gange seiner Entwickelung. Die Festigkeit und die Schwungkraft seines Geistes, die es einst der griechischen, römischen, arabischen Kultur gegenüber betätigt, sollte es auch den neuen Bildungsformen und der modernen europäischen Kultur gegenüber zur Überraschung seiner Freunde und seiner Gegner offenbaren. Es ist das Geschlecht, das nach dem Tode Mendelssohns geboren wurde, das Geschlecht, das mit den neunziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts beginnt und dasjenige, das in den beiden folgenden Jahrzehnten sich ihm anschloß, in dem der Widerstreit der verschiedenen Bildungselemente sich zu lösen und eine Neubildung sich zu entwickeln begann, die beide Elemente in sich aufnahm, beide verarbeitete, beide in ihrem besondern Werte und in ihrer verschiedenartigen Bedeutung zu würdigen und für einen neuen Bau zu verwenden wußte. Die ersten Vertreter dieses neuen Geschlechtes, Leopold Zunz, 1794, und Zacharias Frankel, 1800 ge״ boren, haben in diesem Sinne die verschiedenen Gebiete der Wissenschaft vom jüdischen Altertum in Angriff genommen. Ihnen können wir die von gleichem Streben geleiteten, wenngleich anderen Bildungsverhältnissen entstam-