Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. seiner Schüler zum Heil wurde, in die Vorkommnisse des Tages tätig einzugreifen, sobald er glaubte, sich seinen Freunden nützlich erweisen zu können und für ähr Wohl eine Art Vorsehung zu spielen. Als daher im Januar 1838 aus der Heimat, mit der er natürlich einen regen Brief- Wechsel unterhielt, die verspätete Kunde bei ihm eingeht, dass der Oberrabbiner Akiba Eger in Posen verstorben war, schreibt er, ohne irgend welchen Auftrag, nur weil er von der Sehnsucht seines Gönners nach einem grösseren Wirkungskreis Kenntniss hat, an den Posener Vorstand,, um die Aufmerksamkeit desselben auf Hirsch zu lenken, und er jubelt in heller Freude darüber auf, dass der Vorstand von Posen bald darauf in eine gewisse Beziehung zu Hirsch tritt; ja es hatte sich dort sogar eine Partei zu Gunsten des Oldenburger Landrabbiners gebildet, ohne indess ein greifbares Resultat zu erzielen. Dasselbe Spiel wiederholte sich, als 1840 das Wollsteiner Rabbinat sich: erledigte, nur dass Hirsch die Begeisterung seines Jüngers, für Wollstein zu dessen grossem Leidwesen nicht teilen mochte. Man sieht hieraus, dass Graetz sich niemals weltscheu in Bücher vergraben hatte; wie überall, so suchte er auch in Oldenburg Bekanntschaften anzuknüpfen, freundschaftliehen Verkehr zu pflegen, und sein heiterer Sinn gab sich mit einem gewissen Behagen der harmlosen Fröhlichkeit geselliger Freuden und Anregungen hin. Dabei vernachlässigte er weder seine Pflichten noch seine Studien. Er erlernte daselbst das Englische, und hatte, da er in der Bibliothek des Landrabbiners syrische Bücher vorfand, auch Syrisch zu studiren angefangen; das erstere scheint Hirsch gefördert zu haben, nicht aber das letztere. Hirsch begegnete seinem Jünger jederzeit mit ununterbrochen gleichmässiger Freundlichkeit und erwidert dessen enthusiastische, teilnehmende Gefühle mit väterlichem Wohlwollen. Wie ein Familienglied wurde Graetz in seinem