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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-03-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. 163 mung lodert fast schwärmerisch auf, als ihm von Hirsch das folgende liebevolle Schreiben zukommt. »Mein lieber »Graetz! Ich bin Ihnen noch herzlichen Dank für Ihre freund- > liehen Zeilen schuldig. Es freut mich, dass Sie fleissig »sind, und auch dass Sie meine Stunden so hübsch wahr- > nehmen.. Lernen Sie nur brav, denn ich werde bald alles s Lernen1) verlernt haben und ganz buchstäblich wieder »zu lernen beginnen müssen. Ich habe Sie vor »meiner Abreise noch auf etwas aufmerksam machen »wollen, was ich jetzt nachholen will. Ich habe Sie häufig »in Bayle lesen gesehen. Es ist das ein Schatz von Ge- »lehrsamkeit und viel daraus zu lernen. Aber der Mann »hat sich pikirt, besonders 2דברי עתה) hervorzuheben; der- »gleichen ist טמא und 3מטמא). Verweilen Sie bei dergleichen »nicht und lesen Sie es nicht, es nützt nichtund schadet; lesen »Sie nur das rein Wissenschaftliche. Befolgen Sie meinen »Rat u. s. w.« Solch freundschaftliche, taktvolle Form der Unterweisung, welche des Schülers Art gewähren Hess, wie Hirsch sich ihrer stets bediente, entflammte immer aufs Neue den Enthusiasmus von Graetz. Und diese enthusiastische Anhänglichkeit an den Meister erlischt keineswegs durch den täglichen und vertrauten Verkehr mit ihm, trotz der kritisch veranlagten, dabei sanguinischen Gemütsart bes Jüngers auch alsdann nicht, da er nicht mehr in Zweifel sein kann, dass es seinem Ideal an historischer Vertiefung, an wissenschaftlichem oder vielmehr philologischem Blick gebricht. Graetz hatte überhaupt für Freundschaft starken Trieb und schwungvolle Empfindung. Wie er jederzeit gerne an allen Ereignissen um ihn her lebhaften Anteil nahm, so liebte er es schon damals, was später vielen ג) »Lernen« bedeutete ebenfalls so viel, wie »Talmud studiren«, *iamit spielt der Briefschreiber witzig. 2) Bed. »erotische ,Dinge«. 3) »Unrein und verunreinigend.« 11*

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