Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur vergleichenden Märchenkunde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 17)
- Language
- German
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32 Max Grunwald liehen, kritischen Behandlung des im Titel angekündigten: Themas, sondern vor allem durch die zutreffende Einordnung der hier in Betracht kommenden Sagenmotive und Erscheinungen des Volksglaubens in größere Zusammenhänge. Im Vordergründe steht die Vorstellung vom ,,lebenden Leichnam“/dem ,,Nachzehrer“, der Wiederkehr des Toten,, sei es, um seinen Angehörigen einen Liebesdienst zu erweisen, oder um seinen Feinden zu schaden. Um nun den Toten unschädlich zu machen, pfählte man den Leichnam oder man trieb einen großen Nagel durch seinen Schädel oder Brustkorb. Wie ich in dieser Monatsschrift 1929, S. 370, berichtet habe, hat man in Spanien derart verstümmelte Skelette gerade in alten jüdischen Gräbern vorgefunden und angenommen, daß dieser prähistorische Brauch des Schutzes vor der Wiederkehr der Toten in jüdischen Kreisen sich erhalten habe. Die dort von mir gegen diese Annahme ins Treffen geführten Momente möchte ich noch durch den Hinweis darauf ergänzen, daß von nicht jüdischen Skeletten verhältnismäßig weit weniger aus älterer Zeit sich erhalten haben. Sonst würde man, wenn auch im spanischen Volksglauben die Vorstellung vom Revenand sich bisher nicht hat entdecken lassen, wahrscheinlich doch als Opfer eines privaten Aktes diese oder jene Leiche auf die beschriebene Art ans Grab gebannt finden, während, wie ich a. a. O. ausgeführt habe, diese nicht jüdischen Skelette wahrscheinlich anläßlich einer Judenverfolgung und damit verbundenen Plünderung und Schändung jüdischer Gräber vernagelt wurden. Übrigens verfolgte ja auch das Lebendigverbrennen den Zweck, das Opfer ,,unschädlich“ zu machen. Nun hat man vor wenigen Jahren auch in Prag bei der Aushebung des Bodens für den Neubau des Chebra Kaddischa-Hauses Skelette in der geschilderten Verfassung vorgefunden, die wahrscheinlieh — ermordeten oder im Grabe fixierten — Juden angehörten. Was Waechler S. 47 ff. über solche Leichenschändungen bis in die Gegenwart hinein mitteilt, scheint meine Erklärung zu stützen. Daß der Glaube an den ,,lebenden Leichnam“, wie so mancher andere Aberglaube, auch in gewisse jüdische Schichten eingedrungen ist, beweist die noch heute z. B. von der Chebra Kaddischa in Frankfurt a. M. geübte Sitte, einem verstorbenen Mit-