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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 24

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
Zur vergleichenden Märchenkunde
Date
1932-01-01
Page
Seite 24 (sequence 9)
Language
German
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24 Max Grunwald schwindet sie.“ Die Lösung lautet: ״Die jungen Leute denken den ganzen Tag nichts anderes als auf die schönen Jungfrauen. Also sehen sie bei der Nacht im Traum, als vor ihnen wäre eine schöne Jungfrau. Aber sie sieht nichts auf ihren Augen, derweil sie sich in der finsteren Nacht erzeigt im Traum. Sie geht zumorgens hinweg, wenn der Mensch aufwacht, und bleibt außen den ganzen Tag, bis auf die Nacht weiß sie sich wieder mit hübscher Zierung, die nicht vorhanden, derweil er solches nur im Traum gesehen.“ Diesem Rätsel geht bei Glückei ein anderes voraus von einem Vogel, der vom Himmel herabkommt, auf einem Bäumlein nistet, es hin- und herwendet und — selbst unsichtbar — es kräftigt, bis es blüht und prangt. Das Bäumchen zieht an Kräften an sich, was es nur erreichen kann. Dabei verdorrt es aber, und der Vogel verläßt es mit bitterer Klage und Anklage gegen das Bäumchen. — Der Sinn: der Vogel ist des Menschen Seele, das Bäumchen sein Leib. Der Leib sucht in seiner Gier allen sinnliehen Genuß, geht darüber aber nicht nur selbst zugrunde, sondern schädigt überdies die Seele, die ihn klagend verläßt. — Hiermit scheint das zweite Rätsel übereinzustimmen. Der Adler ist die Menschenseele. Er nistet auf einem Baume, den er erst bildet. ״Es ist der Geist, der sich den Körper schafft.“ Sein Werk wird durch die Leidenschaften des Leibes zerstört, die miteinander ringen. 2=1 sind Leib und Seele, 1 3 ist die ״mittlere“ Säule, der ״Sohn“, der die beiden anderen, ״Vater“ und ״Mutter“, in sich schließt, oder die Seele in der Dreieinheit von Neschama, Ruach und Nefesch. Dem Mikrokosmos entspricht der Makrokosmos: der Enssof die Weltseele, der Baum der ״Ilan“ der Kabbala, die noch ungeschaffenen Wesen, die aus dem Enssof ihre Kräfte ziehen und abwechselnd auf- und niedersteigen, die Sephirot. Hiermit löst sich auch das erste Rätsel des Zohar. Die Entfaltung der Schlange (Blitz, Regenbogen) bedeutet wohl die Emanation der Sephirot. Schlange (nachscha) isopsephisch 17 nemalah (Ameise). Enssof bleibt ja auch in den Sephirot erhalten. — Das Schlußwort des Arabers: ״Jetzt sind 2 zu 3 geworden und 3 =1“ läßt sich auf Pirke Abot III 3 beziehen: ״Wenn sich zwei mit der Tora beschäftigen, gesellt sich die Schekina zu ihnen“. ״Gott belohnt aber auch den einzelnen, der dies tut“, so daß 3 =1. —- Die 17 ist auch dem Zahlenwerte nach tob, wonach hier an Exod 3319 zu denken wäre. Der Mann, der die Rätsel im Zohar aufgibt, war ein ta‘ja, also ein Araber, was dazu stimmen würde, daß die ״Wiedervereinigung“ sich auch in arabischen Quellen findet. Doch paßt der ״Araber“ nicht recht in die Erzählung des Zohar. Müller übersetzt ״Trägersmann“. (Zur Geschichte, die Glücke! 203 erzählt, vgl. bin Gorion IV 14, 274 ,,Wahre Freundschaft“.) — Zu Abderiten IV 117 siehe jetzt mein ״Flamänder“ in Zs. f. Gesch. d. Jud. i. Dschl. 1932, weitere Literatur Jahrb. f. jüd. Volkskunde II unter ״Flandern“; wie in Schlesien ״Flamender“, bedeutet im Burgenländ ״Pilger“ soviel wie ״Landstreicher“, in Niederösterreich ״Pülcher*‘; die ältesten Wiener Münzer (12. Jahr-

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