Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur vergleichenden Märchenkunde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 8)
- Language
- German
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Zur vergleichenden Märchenkunde 23 P o 1 i v k a (Leipzig, Dieterich), die nunmehr in vier stattlichen Bänden vorliegen. Auf Schritt und Tritt stoßen wir hier auf Beziehungen zu Juden und jüdischen Gegenständen. So wird zum Märchen ,,Die drei Schlangenblätter“ (I 128) Gen. zum Vergleich herangezogen: wie Josef dem Benjamin einen Becher, läßt man dort einem, um ihn des Diebstahls zu zeihen, ein kostbares Besteck in die Tasche stecken; zu ,,Fischer un sin fru“, S. 146, eine ostgalizische jüdische Variante: ein Armer erhält vom Propheten Elia ein paar Gulden und prahlt im Wirtshaus mit seinen Zukunftsplänen1 * III. Zu den Rätselfr ageri IV141,409 sei noch aufZohar (Mantua) II94bf. hingewiesen, wo ein Mann den Gelehrten Ghijja und Josse folgende Rätsel aufgibt: 1. ״Welche Schlange fliegt durch die Luft, in ihrem Laufe sich spaltend, während es der Ameise zwischen ihren Zähnen behagt? 2. Welcher Adler nistet auf dem Baume, der nicht ist? Seine Brut wird von Geschöpfen geraubt, die nicht geschaffen sind? Wenn die einen steigen, sinken die anderen und vice versa? Und welches sind die 2, die 1 sind, und die 1, die zugleich 3 ist? 3. Welches ist die schöne Jungfrau, die keine Augen hat und ihr Leib ist verborgen? In der Früh enthüllt sich die Dirne, tagsüber verbirgt sie sich; sie trägt einen Schmuck, der nicht ist.“ Und als der Araber zu den Gelehrten tritt, sagt er: ״Jetzt sind 2 zu 3 geworden und 3 sind 1.“ Eine Lösung des letzten dieser Rätsel, die an das Hexeneinmaleins im ״Faust“ erinnern, liegt in einer Variante der ״Wiedervereinigung der Getrennten“ (vgl. bin Gorion, Born Judas I 183, 362) bei Glückei Hameln (Kaufm. 39 fg.) vor. Das etwa mit der Fassung des Zohar gleichlautende Rätsel schließt: ״Mit zugetanen Augen sieht man sie, mit offenen ver- 1 Zu S. 482: Mitt. z. jüd. Volkskde. II, 18 u. s., II 55: eine Judentochter verbirgt sich in einer Kiste; 76 (jüd.-deutsch): ein Jude verkauft die Katze, wo Mäuseplage (Chadgadja); — 155: ein Jude wird geschlagen; — 226: ״Der Arme und der Reiche“ (jüd.-deutsch); — 223: Sonne und Sterne wollen Adam ihre Not klagen; — 289: Mann wird zur Amme (Schabb. 53b); — 110: Löwe und Fuchs (hebr., 10. Jahrh.); 360 —־: Teilung des Huhns zuerst Ekha rabb. (7. Jahrh.); — 367: Fäden aus Sand (das.); — 369: Urteil des jungen Salomo (hebr., Salomo auch S. 371, 419 u. III 283); — Bolte-Pol. II 421: der im Baumspalt eingeklemmte Geist: Mitt. II 28; — 533: ,,Die klare Sonne bringt es an den Tag“ (hebr.); — III 32: ,,Fernand getrü“ (hebr., vor 1200); — 51: ״Die kunstreichen Brüder“ (hebr.); — 132: Hausgesinde (jüd.-deutsch); 191 —־: Baum für die Nachwelt pflanzen (Midrasch 7. Jahrh.); — 255: Schlaraffenland (Ginsbürg-Marek, Jüd. Volksl. Nr. 131);— 506: Der dankbare Tote (hebr.); — 511: ״Der gute Gerhard“ (um 1030, hebr.) u. v. a.