Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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19 genügen, ihren Inhalt zu verzeichnen. I. Band: Von Max örunwald, 1־. Fünfundzwanzig Jahre jüdischer Volkskunde, 2. Aus Hausapotheke und Hexenküche IV, 3. Luxusverbot der Dreigemeinden (Hamburg, ALtona, Wandsbeck) a. d. Jahre 1715, 4. Aus meiner Liedersammlung, 5. Jüdische Mystik, 6. ]Berufe der Juden, 7. Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals und verwandter Kultformen, 8. Ergänzungen zu diesem Jahrbuch und den ״Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde*‘. — Von M. L. Bamberger: Aus meiner Minhagimsammelmappe. — Von Jakob Bronner: Puppenmodelle in der Festtracht polnisch-jüdischer Bürgers־ trauen aus dem 17.—19. Jahrh. — Von M. Landau: Sprichwörter und Redensarten. Von S. M.: Jüdische Sprichwörter und Redensarten. II. Band: Von Max Grunwald: 1. Zur Geschichte der Marranen, 2. Das ״Lernen“, 3. Rasse, Volk, Nation, 4. Der Dichter J. L. Pei’ez, 5. Mattersdorf, 6. Ergänzungen zum Jahrbuch 1925. Von S. Goldschmidt: Zeöna ureöna (Gen. von Kap. 37 an). — Von Maximilian Paul Schiff: Teilnahme der öster.-ung. Juden am Weltkrieg. ־— Von Manfred Papo: Die sexuelle Ethik im Qoran. Von Heinrich Flesch: 1. Der Pinax von Austerlitz, 2. Die Kanitzer Synagoge. Ans Grunwalds neuestem Bande liegt mir bloß ein Sonderabdruck vor: Der böse Blick. Nach jüdischen Quellen von Dr. Adolf Löwinger (Mitteilungen der jüdischen Volkskunde XXIX. Wien 1926, 551—569). Der böse Blick heißt ״ עץ הרעהdas böse Auge/' Doch in der Heiligen Schrift bezeichnet dieser Ausdruck immer Neid, Geiz, Mißgunst1. In der Septuaginta wird er Dtn 28, 54, 56 und Prov 23G mit ßaazavsü übersetzt —, ץvas schon auf den gefährlichen Zauberblick hin weist. Die Mischnah, zuweilen auch die Aggada nimmt den Ausdruck im biblischen Sinne von ״Mißgunst." Im talmudischen Schrifttum jedoch richtet der böse Blick schon schauerliche Verheerungen an. Ihm fallen zum Opfer die Bundestafeln, weil der Glanz der Offenbarung Aufsehen erregte, Jerusalem, als ״Wonne der ganzen Erde" gepriesen, Chananja, Mischael, Azarja. Ihm zu entgehen kehrt Isaak nächtlicherweise von der Akeda heim, ziehen die Söhne Jakobs durch mehrere Tore in Aegypten ein. Gegen den bösen Blick gefeit erscheint Joseph, Benjamin, Jirmijah. Um mit dem bösen Blick Unheil zu stiften, muß man ״auf einer hohen Stufe der Bosheit oder der Weisheit stehen." Die Aggada stattet mit dieser Gabe sowohl den ihr verhaßten Kain, Laban, Og, Bileam aus, wie auch ihre Günstlinge: Sara, Saul, David, Esther, Simon ben Jochai und seinen Sohn Eleazar, R. Jochanan. Anstatt der Abschnitte 1) Aggada, 2) Bösäugige Personen (welche ineinander greifen), würde sich folgende Gliederung des Stoffes empfehlen: 1. Das böse Auge in der Heiligen Schrift, 2. Das ״böse Auge" als Mißgunst in Evangelien, Mischnah und Aggada. 3. Das ״böse Auge" als verderblicher Zauber in der Aggada. Wenn Sarah ihren Gästen Kuchen aus minderem Mehl vorlegt, wenn Elimelech, um den Armen in Bethlehem zu entgehen, nach Moab zieht, wenn Nebukadnezar seine Schätze vor Cyrus versenkt, wenn ״das kleine Horn", nach der Aggada: das römische Reich seinen Fürsten das 1 Als einzige Bibelstelle, die auf den Zauberblick gedeutet werden kann, wäre anzuführen: Hohes Lied ״du hast mir das Herz geraubt mit einem deiner Augen.“ — Ob מונן und מעונן aus עין abzuleiten, bespricht Löwinger S. 552. 0*