Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
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20 Vermögen abnimmt, so bedeutet ihr ״böses Auge“ doch immer die Mißgunst und wäre von den Fällen, wo das Auge verderbend trifft, klar zu scheiden. Für den Satz: ״Allgemein ist die Frau mehr veranlagt, mit dem bösen Auge Schaden anzurichten, als der Mann“ (S. 556), ist uns Löw. die Belegstelle aus der jüd. Literatur schuldig geblieben. Anfechtbar sind auch die Thesen/ welche Löw. seinen Ausführungen vorausschickt: ״daß das alte Judentum dem Eindringen des Aberglaubens seiner Umgebung .Widerstand leistete.“ ״Einen Jettatore kennt die Tradition nicht“ (S. 551). Die zahlreichen Beispiele; weiche Löw. so schön bespricht, bestätigen vielmehr Stein־ Schneiders traurig wahre Worte: ״Am schwierigsten ist die Originalitätsfrage auf dem Gebiete des Aberglaubens und-der Afterwissen־ schäften. Die Juden haben mehr als genug davon geglaubt und geübt“ (Die hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters, Berlin 1893, I S. XXIII, XXIV). Daß der ״Judenblick“ hie und da für den ״bösen Blick galt (Löwinger S. 556 nach Güdemann), erklärt sich daraus, daß die Völker allgemein geneigt sind, den Volksfremden als Zauberer zu fürchten. Die Bibel und, ihr folgend, die jüdische Ueberlieferung bezeichnet den Aberglauben als ״Wege der Emoriter“, der Prophet klagt, Israel sei Zaubers voll wie die Philister (Jes 26) und verkündet, Israel verleugne sich selbst, wenn es Totenbeschwörer beträgt (Jes 8,9). Juden und Römer nannten die Zauberer ״Chaldäer.“ Firdausi betrachtet Inder und Juden als Zauberer. Im alttürkischen Roman von Sajjid Battäl gelten die Christen als Magier. In Europa wurden Inder und Zigeuner als solche verschrieen. Daher der Judenblick. Diese und manche andere Anregungen verdanken wir der schönen Arbeit Löwingers. Die Beispiele werden in fast erschöpfender Fülle angeführt und hell beleuchtet. Das Berufen, Beschreien, obwohl den alten jüdischen Quellen unbekannt, wird doch auch als ״ein in Worten ausgedrückter böser Blick“ besprochen. Die Belegstellen zu den Beispielen zeugen von einer außerordentlichen Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum, — aber auch Nicht jüdisches, besonders Ungarisches, wird berücksichtigt. Achtenswerte Kenntnisse, klares Denken, lichtvolle, sogar geistvolle Darstellungskunst ist mit Adolf Löwinger frühzeitig zu Grabe gegangen. 2. Rosinkess mit Mandien» Aus der Volksliteratur der Ostjuden. Schwänke, Erzählungen, Volkslieder und Rätsel. Gesammelt von Dr. Immanuel Olsvanger. Schriften zur jüdischen Volkskunde,, herausgegeben von der Schweizerischen Kommission für jüdische Volkskunde I). Basel, Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. 1920. XXXVIII u. 399. Preis 15 Schw.Fr. Mit allem Nachdruck möchten wir die Aufmerksamkeit auf Olgvangers außergewöhnlich inhaltsreiches, verdienstvolles Werk lenken1. Es liegt hier eine Sammlung vor, aus der die Seele des 1 Mich selbst hat kein Geringerer als Johannes Bolte auf ״OlSvangers treffliche Rosinkeß mit Mandien“ aufmerksam gemacht, — die er dann auch in seiner Zeitschrift des Vereins für Volkskunde (1922, S. 99, 100) anzeigte.