Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848904--47320-2848957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 Böcken reiten. Schließlich wird der Zusammenhang zwischen Hexen und Hexen wind erörtert. Es wäre, meine ich, nur noch zu untersuchen, wie viel von den aggadischen Schilderungen auf Rechnung einer phantastischen Exegese zu setzen ist und was davon im echten Volksglauben lebte. Endlich können wir noch einen Aufsatz von Mathias Mieses hier erwähnen: ״Die Dämonisierung fremder Feiertage/‘ Mieses geht von der religionsgeschichtlichen Tatsache aus, daß die Götter fremder Völker zu Dämonen umgewandelt werden. Daraus ergibt sich, daß fremde Feiertage zu Dämonenfesten oder zu Trauertagen werden. So begehen die Mandäer das Pessachfest als Trauertag, die Manichäer den Sonntag der Auferstehung als Fasttag, bei den Puritanern gestaltete sich Weihnachten zum Fasttag1. /b Während man mehrererseits geneigt ist, den babylonischassyrischen sappatu als Ausgangspunkt unseres Sabbaths anzunehmen, kehrt Mieses das Verhältnis um, stellt den Sabbath als prius hin und verblüfft mit der Behauptung, das assyrische sappatu sei als Gegenfest gegen den Sabbath angeordnet worden. Alles spricht gegen diese auf den Kopf gestellte These. Chronologische Bedenken, daß sich die Sabbatlivorstellung viel früher im assyrisch-babylonischen als im israelitischen Schrifttum nachweisen lasse, wird der H. Verfasser vielleicht nicht gelten lassen. Aber die innere Unwahrscheinlichkeit, Unmöglichkeit! Daß sich das Judentum vom astrologischen Glauben, der 7., 14., 19., 21. und 28. Tag des Monats sei ein Unglückstag, durch prophetische Erziehung dahin leiten und erheben läßt, den Sabbath als Ruhetag zu begehen, zu weihen, das mag man sich vorstellen. Der Rückschritt von der gesellschaftlichen Einrichtung und von der tief religiösen Anschauung des Sabbath zum astrologischen Aberglauben ist undenkbar. Und dann auch: wenn es sich um ein assyrisches Trutzfest gegen den Sabbath handelte, müßte der Gegensatz vollständiger sein: das Verbot, am Sabbath ein Vorhaben auszuführen, widerspricht keineswegs den jüdischen Satzungen2. Römische Schriftsteller wähnten, der Sabbath sei den Juden ein Fasttag. Da steckt pure Unkenntnis dahinter. Lehrreich scheinen mir die Ausführungen Mieses dort, wo er den Kampf der westlichen Kirche gegen den Sabbath schildert: Augustinus tadelt das Fasten am Sabbath nicht, Papst Innozenz I. (412—417) ordnet es an. Eine Wirkung der christlichen Umgebung erblickt Mieses darin, daß auch die Juden des Mittelalters, besonders in Frankreich, nach dem Minchagebet nichts essen, sondern schweigend bis zum Abend verharren. Auch erscheint der Sabbath, unter Einwirkung christlicher Vorstellungen, als Geistertag. Die übrigen Arbeiten in den beiden Jahrbüchern für jüd. Volkskunde fallen noch viel mehr aus dem Rahmen dieser Besprechung. Es soll daher ב• Mieses stellt auch die Walpurgisnacht als eine christliche Gegenfeier, Kampfesfeier gegen das Heidentum dar; in Wirklichkeit ist die Walpurgisnacht ein survival des Heidentums. 2 Die assyrisch-babylonischen Sabbathvorschriften sind jetzt bequem zu finden bei Hugo Greßmann, Altorientalische Texte zum A. T. 1926 2, S. 329.