Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Schuldennoth der Gemeinde Posen während des Rabbinates R. Isak b. Abrahams (1668-1685)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 13)
- Language
- German
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40 Die Sckuldennoth der Gemeinde Posen, Einzelnen übernommen1 *). Vergebens hatte man den Rest der Kräfte angespannt und durch ausserordentliche Maassregela die drohende Gefahr beschwören zu können gemeint. Im Jahre 1668 war ein Mann an die Spitze der Gemeinde getreten, dem neben dem Rufe eines der grössten Talmudmeister seiner Zeit noch der eines der tiefsten Kenner der Kabbala yorangegangeil war, als er das Rabbinat von Wilna mit dem von Posen vertauschteצ). Man hatte ihn für würdig gefunden, das Amt zu bekleiden, das ein Mann wie sein hochberühmter Lehrer R. Jona b. Jesaja Teomim3 4), Rabbiner von Metz, anzunehmen sich geweigert hatte. Der neue Rabbiner ward bald die Seele des RettangsWerkes, das es an der ihrer Last erliegenden Gemeinde zu üben galt. Tomanicky hiess der Adelige, dem die Gemeinde mit der Mehrzahl ihrer Steuerträger als ihrem Haupt-• gläubiger verhaftet war. Johanni 1671 sollten die Schulden, welche er von der Gemeinde als solcher zu fordern hatte, getilgt sein 4). Wie ein gezücktes Schwert hing der Verfallstag über dem Nacken der Gemeinde. Man sann Tag und Nacht, wie man dem schier unausweichlichen Verderben begegnen könne. Drei Männer, der Rabbiner an der Spitze, traten zu einer Art von Schuldencommission zusammen. Selbst die zahlungsfähigsten Mitglieder der Gemeinde sollten gehalten sein, vier Wochen vor Ablauf ihres Schuldentermins, die Schuldsumme zu Händen dieser Commission in baarem Gelde zu erlegen. Um die Gemeindeschulden zu decken, wurde eine Art Haussteuer ausgeschrieben. Eine Commission von fünf Sachkundigen wurde zu dein Behufe eingesetzt, um jedes jüdische Haus abzuschätzen und von jedem Hundert der Schätzungssumme je einen Gulden einzuheben. Wenn auf den Häusern Forderungen jüdischer Gläubiger lasteten, so hatten diese statt der Besitzer die Steuer nach der Höhe ihrer Forderung zu leisten. Daneben sollten alle indirecten Steuereingänge wie die Abgaben von den Lebensmitteln zum Zwecke der Abtragung jener Schuld thesaurirt werden. Zehn reiche Gemeindemitglieder sollten noch obendrein 1500 polnische Gulden 0 S. Anhang 1. Alle Daten und Auszüge aus den Gemeindebückern und dem k. Archive von Posen verdanke ich der unermüdlichen Bereit- Willigkeit meines trefflichen Freundes, Bahbiner Dr. Philipp Bloch in Posen. 2) Fünn קריד־ן גא^נדז, S. 89. Ch. N. Dembitzer in אוצר הספרות ed. Gräber IY, 247 f., Perles, Geschichte der Juden in Posen, 78, n. 35. 3) Cahen in Eevue des etudes juives, VII, 222 ff., Z. Harwitz רחובות עיר p. 11—16. 4) S. Anhang 1.