Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Schuldennoth der Gemeinde Posen während des Rabbinates R. Isak b. Abrahams (1668-1685)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Sckuldennoth der Gemeinde Posen. 39 Gelehrsamkeit, ihre Bildungscentren und Hochschulen. Waren auch diese volkreicheren Ansiedelungen wie hochgelegene Orte beim Gewitter den Entladungsschlägen des allezeit in der Atmo־ Sphäre brütenden Judenhasses, der Verfolgung und Vertreibung mehr ausgesetzt als die kleinen Gemeinden, so vereinigten sie doch wiederum in ihrem grösseren Wohlstand und ihrer gesteigerten Leistungsfähigkeit alle Bedingungen der Cultur und des geistigen Lebens und Aufschwunges für das grosse Ganze. Die Gefahr, die eine grosse Gemeinde bedrohte, war darum eine öffentliche Angelegenheit; die allezeit wache jüdische Opferbereitschaft fühlte sich noch, ganz besonders angetrieben, wenn es die Rettung eines der grossen Vororte ihres Gemeindelebens galt. Da eilte die Liebe dem Erfindungsgeiste der ■Zeiten voran, alle Entfernungen schienen aufgehoben, Grenze und Schlagbaum verschwunden zu sein, und die Juden aller Länder verwandelten sich in Eine für einander haftende und verhaftete Gemeinschaft, von Einem Gedanken beseelt, durch dasselbe Gefühl organisch verbunden und geeint. Heute galt es die eine, morgen die andere Stadt, immer aber Jerusalem. Ob Wien oder Ofen, ob Worms oder Belgrad, das machte keinen Unterschied. Wo die Sendboten des Elends, das über eine grosse Gemeinde hereingebrochen war oder hereinzubrechen drohte, erschienen und an die Thüren der öffentlichen Mildthätigkeit pochten, ward ihnen aufgethan. Gemeinden und Einzelne, allezeit schwer genug von dem Steuerdruck in der eigenen Mitte belastet, mochten nicht zurückstehen, wo es ein grosses und dringendes Hülfswerk, und sei es auch in weitester Ferne galt. Zu den Gemeinden, die oft in die traurige Lage kamen, durch ihre Sendlinge die jüdische Barmherzigkeit nah und fern anzurufen, gehörte Posen, die zweitgrösste Gemeinde nach Krakau im Königreiche Polen, durch den Ruhm ihrer Rabbiner und Schulhäupter, zu denen lernbegierige Schüler aus allen Ländern 23ilgerten, in allen Gegenden der Diaspora genannt und gepriesen. Oeffentliche Steuern ohne Maass und Zahl hatten an dem Mark dieser Gemeinde gesogen, geheime Opfer, die für ihren Bestand gebracht werden mussten, sie entkräftet und abgezehrt, wie eine bleierne Decke erdrückte sie eine unerschwingliche Schuldenlast, deren Zinsen nicht einmal, von der Härte wucherischer Gläubiger eingetrieben, voll aufgebracht .werden konnten. Man stand vor dem letzten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts. Zu allem Unglück hatte die Gemeinde auch noch die Haftung für die Schulden der