Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der erste in Deutschland promovierte Jude
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 3)
- Language
- German
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352 Guido Kisch Gomperz (Emmerich) (1662—1728)1, der einem Zweig der berühmten Cleveschen Familie Gomperz im Lippeschen Lippstadt entstammte. Salman Gomperz hatte selbst an der Universität Leiden studiert und im Jahre 1684 mit einer Dissertation ״De cephalalgia", welche die Gattungen, Entstehungsursachen und Heilmethoden des Kopfschmerzes behandelte, die Würde eines Doktors der Heilkunde erworben. Nach kürzerer Tätigkeit als jüdischer Gemeindearzt in Metz, als Garnisonsarzt in Mannheim und praktischer Arzt in Wien ließ er sich in Prag nieder, wo ihm seine ärztliche Kunst und strenge Gewissenhaftigkeit bald in und außerhalb der J udenstadt großes Vertrauen und hohes Ansehen verschaffte. Kaiser Leopold I. befreite ihn im Jahre 1702 vom Tragen des Prager Judenabzeichens, einer großen Halskrause. Nachdem er nahezu drei Jahrzehnte segensreich gewirkt hatte, ist er hier am 28. Cheschwan 5489 (30. Oktober 1728) gestorben2. Die Grabschrift rühmt von ihm, daß er zur Zeit des Wütens der Pest die Gemeinde nicht verlassen und sein eigenes Leben in die Schanze geschlagen habe, um das anderer zu retten. Zu seinem Nachfolger in der Stelle eines jüdischen Gemeindearztes wurde Moses Salomon Gumpertz berufen, der bereits zu Lebzeiten seines Vaters als ,,Adjunkt" bei ihm tätig gewesen war. Salman Gomperz hatte offenbar eine Zeitlang die Absicht, den Sohn zur ärztlichen Ausbildung nach Italien zu schicken. Denn als dieser heiraten sollte, verpflichtete sich der Vater im 1 Ueber ihn bisher am ausführlichsten David Kaufmann und Max Freudenthal, Die Familie Gomperz, Frankfurt a. M. 1907, S. 370 ff.; neues Material bei G. Kisch, Die Prager Universität und die Juden; vgl. noch Tobias Jakobovits, Die Judenabzeichen in Böhmen, Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tscheehoslowakischen Republik 3 (1931), S. 162 f. — Der Name Gomperz hat in den Prager Universitätsakten die Form Gumpertz angenommen, während er in den Frankfurter Urkunden meist Gumperts geschrieben ist. 2 So ist nach Kauf mann-Freudenthal, a. a. O., S. 378, Anm. 1 und 2, das Todesdatum in der Grabschrift bei Koppelmann Lieben und SimonHock, Gal-Fd, Prag 1856, Nr. 39 zu verbessern; ebenso bei Leopold M. Popper, Die Inschriften des alten Prager Judenfriedhofes, Geigers Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 5 (1892), S. 375.