Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der erste in Deutschland promovierte Jude
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 4)
- Language
- German
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Der erste in Deutschland promovierte Jude 353 Jahre 1716, für ihn alle Kosten des Studiums und insbesondere die der Reise nach Padua zu bestreiten1. Indes scheint jener Plan nicht verwirklicht worden zu sein; denn in dem Paduaner Studentenregister der deutschen Nation, das gerade bis zum Jahre 1721 reicht, ist der Name des Prager Studiosus nicht zu ermitteln2. Nach einer Notiz in Prager Universitätsakten hat er vor 1718 zu Leiden in Holland zunächst ״die Humaniora“ studiert3. Eine medizinische Fakultät dürfte er vorerst nicht besucht haben. Nach dem altüberlieferten Brauch der jüdischen Ärzte hat er vielmehr bei seinem Vater praktische Unterweisung in der Heilkunst erhalten4, eine Methode, die sich sogar ganz vortrefflich bewährte, als sich Moses Gumpertz im Jahre 1719 vor der medizinischen Fakultät in Prag einer Prüfung unterzog, um zur Assistententätigkeit bei seinem Vater zugelassen zu werden. Es ist das erste regelrechte medizinische Hauptexamen, welches ein Jude an dieser Hochschule ablegen durfte5, und deshalb besonders bemerkenswert, weil es sich hier nicht bloß um einen Fall bestätigender Approbation für jüdische Aerzte handelte, die bereits im Ausland promoviert waren und nur die Erlaubnis zur Ausübung der Praxis in der Judenstadt erlangen wollten, wie früher Dr. Herz Wallich und später Dr. Jonas Jeitteles6. Moses Gumpertz hat das Examen glänzend bestanden, was ihm die medizinische Fakultät auch in einem ausführlichen Zeugnis in lateinischer Sprache beurkundet hat4. Ihr deutsch abgefaßter Bericht an den Rektor und akademischen Magistrat, im Wortlaut ungefähr mit dem Zeugnis übereinstimmend, — ein kulturgeschichtliches Dokument — soll wegen seiner Eigenartigkeit im Folgenden vollständig mitgeteilt werden. Die Angelegenheit erregte natürlich Aufsehen und blieb eine vereinzelte Erscheinung. 1 SoKauf mann-Pre u d enthal, S. 376 und S. 379, Anm. 1, ohne Angabe einer Quelle. 2 Kauf mann-Preudenthal, S. 379, Anm. 1. 3 Universitätsarchiv Prag, A 24. 4 Universitätsarchiv Prag, A 24, Bericht vom 1. Juli 1719, Anhang Nr. 1; Zeugnis der Prager med. Fakultät vom 28. April 1719, Archiv des Ministerium des Innern Prag, Alte Manipulation J 4/45, Bl. 12 ff. 5 Vgl. den Fakultätsbericht darüber im Anhang Nr. 1. 6 Näheres bei G. Kisch, Die Prager Universität und die Juden. Monatsschrift, 78. Jahrgang 23