Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der erste in Deutschland promovierte Jude
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 2)
- Language
- German
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Der erste in Deutschland promovierte Jude 351 Bekanntlich sind in Deutschland und Polen, in Böhmen und Österreich die Hochschulen in früheren Jahrhunderten den Juden verschlossen gewesen. Seit dem Ende des Mittelalters konnten sie mit päpstlicher Erlaubnis an italienischen Universitäten studieren und die medizinische Doktorwürde, die allein in Frage kam, erwerben. An der Universität Padua, dem großen Mittelpunkt für das Medizinstudium, sind von 1517 bis 1619 etwa 80 und von 1619 bis 1721 nicht weniger als 149 Juden zu Doktoren der Heilkunde promoviert worden. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts öffneten ihnen in dem klassischen Lande der Geistesfreiheit und religiösen Duldsamkeit, in Holland, die Hochschulen zu Leiden, Groningen und Utrecht ihre Tore. In Deutschland wurden sie erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts an einzelnen Universitäten als Studenten und seit dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts auch zu den Prüfungen und zur Promotion zugelassen. Der erste Jude, der an einer deutschen Universität zum Doktor der Medizin promoviert wurde, ist nicht, wie man bisher geglaubt hat* 1, Moses Sobernheim aus Bingen, der 1724 in Halle das Doktorat erlangte, sondern Moses SalomonGumpertz aus Metz gewesen, dessen Promotion im Jahre 1721 in Frankfurt an der Oder stattfand. Er war der Sohn des Prager jüdischen Gemeindearztes Salman mann, Die Geschichte der deutschen Universitäten II, Stuttgart 1896, S. XIV; Stephen d’Irsay, Histoire des Universitas franQaises et etrangeres des origines ä nos jours I., Paris 1933, S. 300; Wilhelm Falckenheiner, Universitätsmatrikeln, Göttingen 1928, S. 5. Außerdem: Louis Lewin, Die jüdischen Studenten an der Universität Frankfurt a. O., Jahrbuch der jüd.-literar. Gesellschaft Frankfurt a. M. 14 (1921), S. 217—238, 15 (1923), S. 59—96, 16 (1924), S. 43—85; G.Kisoh, Universitätsgeschichte und jüdische Familienforschung III: Die jüd. Doktoren der Universität Frankfurt a. O. 1 So Salomon Adler, Die Entwicklung des Schulwesens der Juden zu Frankfurt a. M. bis zur Emanzipation, Jahrbuch der jüd.־lit. Gesellschaft Frankfurt a. M. 19 (1928), S. 247 f.; ferner A d o 1 f Kober, Rheinische Judendoktoren, vornehmlich des 17. und 18. Jahrhunderts, Festschrift zum 75 jähr. Bestehen des Breslauer jüd.-theol. Seminars II., Breslau 1929, S. 218; Kober, Jüdische Studenten und Doktoranden der Universität Duisburg im 18. Jahrhundert, MGWJ. 75 (1931), S. 119.