Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 9)
- Language
- German
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378 Max Freudenthal liehe Gefahr, die einer Abwehr bedürfe. Mit jenen Sekten stehe es anders. Er kenne sie alle trotz ihrer Verschiedenheiten, die er nicht erst auseinandersetzen wolle, sehr genau. Alle ihre Lehren seien unzweifelhaft die schwersten Verstöße gegen die göttliche Lehre, und es sei tief bedauerlich, daß so viele reine Seelen in die Untiefen dieser ,,Schalen'4 gestürzt seien. Der wirklich Weise und Gottesfürchtige, ,,dessen Seele am Berge Sinai stehe'4, müsse sich von solchen Lehren und ihren Anhängern völlig fernhalten. Sein eigener Ruf an die Großen und Heiligen seiner Zeit, ganz Israel vor diesen Gottesverächtern zu warnen, sei erfolglos verklungen; so habe er wenigstens, um das Seine zu tun, jenen Bannbrief an eine Reihe von Orten hinausgeschickt und hoffe, daß er dazu beitragen werde, die Finsternis zu erhellen sowie den dunklen Schleier und die eiserne Scheidewand zwischen den Seelen derer, die nur angekränkelt und denen, die schon ganz verirrt und verloren seien, zu entfernen. Auf R. Moses Günzburg scheint die Antwort, die er von R. Michel erhielt, immerhin einigen Eindruck gemacht zu haben, denn sein Name findet sich mit unter den Unterzeichnern des Bannes, der am Rüsttag zum Versöhnungsfeste des Jahres 1725 in Prag gegen die Sabbatianer erging1. Unter diesem Bannspruch steht allerdings auch der Name des R. J onathan Eibeschütz, und man hat vonseiten seiner Gegner oft genug behauptet, er habe sich nur zum Scheine dem Aufruf angeschlossen, jedoch weder seine Gesinnung geändert noch den Verkehr mit den Sektierern abgebrochen2. Ganz besonders war es R. Moses C h a g i s, der in einem Schreiben an R. Michel Chasid seinem Unmut über diese Heuchelei kräftigen Ausdruck gab3 4 5. Der letztere wandte sich ״klagend wie ein Kranich4" in einem Briefe an R. Jakob P o p e r s in Frankfurt5, forderte dessen Einschreiten und tat 1 Der Bannbrief ist in תורת הקנאות Bl. 38 veröffentlicht; die deutschen Unterschriften — darunter Moses Gynt zburg — auch in MGW a. a. O., S. 214. 2 Näheres darüber bei Kahane a. a. O. I, 138 und II, 23. 3 תורת הקנאות Bl. 42 und MGW a. a. O., S. 209. Ueber Moses Ghagis s. jetzt Encycl. Jud. V, 155 ff. 4 MGW a. a. 0-, S. 208, nach Talm. Kidduschin 44 a. 5 Ueber ihn s. M. Horovitz, Frankfurter Rabbinen II, 82 ff.