Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 10)
- Language
- German
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R. Michel Ghasid und die Sabbatianer 379 selbst alle kabbalistischen Schriften in den Bann1. Ob der Verdacht der Heuchelei auch für R. Moses Günzburg zutrifft, ist schwer zu sagen. Die Tatsache, daß er später von Wien aus, wohin sein Vater mit der Familie übersiedelt war, den Weg ins Heilige * Land suchte und fand — er starb in Sidon —könnte darauf hinweisen, daß er die mystischen Regungen seiner Seele nicht ganz überwunden hatte2. Immerhin verdanken wir dem Briefwechsel zwischen ihm und R. Michel einen interessanten Einblick in die tiefgehenden Strömungen jener Tage und freuen uns des Zufalls, der diese unbekannten Dokumente ans Licht gebracht hat. Anschließend seien noch zwei andere Dokumente bekanntgegeben, die sich auf jene Strömungen beziehen. Die Sektiererei erhielt sich — wie G r a e t z kurz hervorhebt3 — in Prag fast bis ins 19. Jahrhundert. Zuletzt fand nämlich auch noch der große Betrüger Jakob Frank dort seine Anhänger. Ihr Unwesen rief allerdings alle Besonnenen auf den Plan. Die Behörden griffen ein, indem durch kaiserliche Edikte vom 2. November 1785 unter Josef II. und vom 7. Juni 1794 unter Franz I. die Verbreitung kabbalistischer Bücher verboten wurde4. Aber auch die jüdischen Behörden setzten sich zur Wehr. Einen ihrer schärfsten Gegner fanden die Sabbatianer und Frankisten an R. Eleasar Fleck eie s, der in Wort und Schrift ihre Irrlehren bekämpfte5. Auf seine Veranlassung wurde sogar der Bannspruch des Jahres 1 שבירת לוחות האון Bl. 49 und MGW a. a. O. 2 Ueber R. Moses Günzburg s. Wiener a. a. O., S. 205, 207; Maggid a. a. O., S. 59, 164, 225; Loewenstein a. a. O., S. 43; W a c 11 s t e i n a. a. O., S. 80, wo die Quelle für die Behauptung Loewensteins vermißt wird, daß er Rabbinatsassessor in Prag war. Vermutlich schloß dies L. aus der Unterzeichnung des Bannes. Allein dort steht der Name inmitten von Unterzeichnern, die Vorsteher und nicht Rabbiner waren, so daß daraus kein Schluß auf ein rabbinisches Amt gezogen werden ׳kann.■ Auch in der Anrede des Briefes von R. Michel an ihn wird er wohl als rabbinischer Gelehrter, aber doch als Privatperson — הקצין, bei einem Rabbiner nicht gebräuchlich — bezeichnet. — Ueber einen jüngeren Abkömmling von ihm gleichen Namens, der tatsächlich Dajan in Prag war, berichtet M a g g i d a. a. O., S. 73, 173; auf ihn bezieht sich wohl Anm. 2 bei Wachstein a. a. O. 3 A. a. O., S. 487. 4 Eleasar Fleckeies אהבת דוד, Prag 180Q, Bl. 20a. 5 Ueber ihn s. jetzt Encycl. Jud. VI, 1033 ff.