Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 8)
- Language
- German
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R. Michel Ghasid und die Sabbatianer 377 nicht zu nennen — anführt1. Zu den Familien, welche den sabbatianischen Sendboten gastliche Aufnahme boten, gehörte auch die der Günzburg, an welche das Schreiben des R. Michel gerichtet ist. Ascher Anschel ben Josef Günzburg hatte Nehemja Chajon sein Haus geöffnet2, und aus der Anfrage seines Sohnes R. Moses, ob man denn wirklich Sabbatai Zebi und seine Anhänger als Ketzer bezeichnen müsse, geht gleichfalls zur Genüge hervor, daß in diesem Hause eine mildere Anschauung über das Treiben jener Männer herrschte. R. Michel bezeichnet die an ihn gerichtete Frage als nicht sehr weise, und wenn es sich nach der Meinung von R. Moses nur um Irrende handle, als überflüssig, denn R. Akiba habe sich ja auch in der Anerkennung von Barkochba geirrt. Hier gehe es aber nicht um Irrtümer, sondern um völlige Ketzereien, und er zeichnet auch in dieser seiner Antwort wieder die hinterhältige Weise des Vorgehens der Sabbatianer: erst die Bekanntgabe der Lehren des Sabbatai Zebi über das Mysterium Gottes, dann die Einführung in den Sohar nach ihrer Auslegung, hierauf die Ausdeutung der schriftlichen und mündlichen Lehre in kabbalistischem Sinne und, wenn es so weit gekommen sei, dann endlich die Offenbarung ihrer geheimsten verbrecherischen Lehre: daß eine geringe Sünde zu begehen besser sei als die Erfüllung aller Gebote und eine schwere Übertretung als ganz besonders lobenswert gelten müsse, so daß zuletzt nur noch sehr wenige feste Vorschriften zur Beobachtung übrig blieben und auch deren Verletzung durch den vollen Glauben an Sabbatai Zebi ihre Vergebung erhielte. Ganz zu schweigen sei von ihren Lehren über das göttliche Mysterium, die auszusprechen solchen Ketzern überhaupt nicht erlaubt werden könne. Wer wirklich über solche Fragen spekuliere, der werde nicht Heiliges in Unheiliges und Gutes in Böses verwandeln, sondern die Frucht genießen und die Schale wegwerfen und gewiß nicht derartige Dinge laut verkünden. Solchen Männern gegenüber bestehe keine ernst- 1 Das. Bl. 31. 2 REJ XXXVI, 274-Ueber Anschel Günzburg s. Wachstein a. a. O. II, No. 729; über die Abstammung Wiener, Daat Kedoschim, S. 203, 205; Maggid David, zur Gesch. u. Genealogie der Günzburge, Petersburg 1899, S. 26, 27, 142; Loe wen stein, Blätter f. jüd. Gesch. u. Lit. II. 43. No. 53.