Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 7)
- Language
- German
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376 Max Freudenthal legungen, auch die des schriftlichen und mündlichen Gesetzes für wahr hält, nicht mehr gut und böse, rechts und links zu unterscheiden weiß und widerspruchslos ihnen folgen würde, selbst wenn sie ihn zum Götzendienst auf fordern wollten. Was diese Verführer treiben, ist aber in der Tat nichts anderes als Götzendienst, ist dasselbe, was einst der Mann getrieben> der die beiden goldenen Kälber aufgestellt1, und dafür müssen sie denselben, ja sogar doppelten Lohn empfangen. Der Bannspruch liegt einem Schreiben bei, welches R. Michel an einen Gelehrten in Prag R. Moses Günzburg als Antwort auf dessen Anfrage richtete, ob denn Sabbatai Zebi und seine Anhänger wirklich als Ketzer zu betrachten seien. Die Anfrage gerade aus Prag ist nicht verwunderlich; denn diese Gemeinde war ganz besonders ein Sammelplatz aller Sektierer. Die berüchtigten Führer der Sabbatianer hielten sich allesamt dort auf und fanden in diesem ,,Pfuhl2“ ihre begeisterten Anhänger. Selbst der närrische Loebel Proßnitz hatte daselbst an den Brüdern Simon und Loeb Poppers schwärmerische Verehrer gewonnen, die für ihn und für die sabbatianische Lehre Propaganda trieben und sie auch nach Wien zu übertragen suchten, wobei sie es besonders auf die angesehene. Familie des R. A s r i e 1 B r i 1 i n abgesehen hatten3. Am betrübendsten war es, daß bekanntlieh selbst so hervorragende rabbinische Führer Prags wie David Oppenheim und Naftali Kohen sich eine Zeitlang von den Schwärmern hatten betören lassen, und daß Jonathan Eibeschütz mit seinem Lehrhaus dort ganz in ihren Banden lag, wofür Jakob Emden als Zeugen sogar die ,,Erben R. Michels“ —,,Kinder“ wagt er sie offenbar wegen ihres Abfalls 1 Vielleicht eine Bezugnahme auf Talmud Jeruschalmi Moed Katan, III, 1, daß ein Saken nur in den Bann komme, wenn er wie Jerobeam und seine Genossen handle, sicherlich aber auf Aboth V, 18, daß Jerobeam selbst sündigte und die Gesamtheit zur Sünde verführte, daher auch der ,,doppelte Lohn“ für die Sabbatianer, die ebenso handeln. 2 Gr a e t z a. a. O., S. 318- 3 Jakob Emdens, שבירת לוחות העדן, Bl. 12. Die Schrift erschien unter dem Pseudonym David Avas und unter dem falschen Druckort Zolkiew, in Wirklichkeit Altona 1756; s. Rosenthal-Roest, S• 128 unter Avas. — Ueber die Familie Brilin s. Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofs ■ in Wien, Bd. II, Register s. v.