Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 5)
- Language
- German
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374 Max Freudenthal Achtung der gesamten Gemeinde1. Aber die Folge aller dieser unangenehmen Vorgänge in seiner nächsten Umgebung war nunmehr sein rücksichtsloses öffentliches Auftreten gegen sämtliche Anhänger des Sabbatai Zebi, unter welchem Namen auch immer sie ihre ketzerischen Lehren in der jüdischen Welt verbreiten mochten. Er kannte sie alle teils aus persönlicher Erfahrung, teils aus Dokumenten und Briefen, die er aus ihren Händen, darunter auch von Loebele Proßnitz, besaß2, zur Genüge. Bisher war nur bekannt, daß später im Jahre 1725 wie fast überall, so auch von ihm und zwar in Frankfurt an der Oder — wohl gelegentlich einer Messe — in Anwesenheit und unter Mitwirkung der anwesenden Rabbiner, Gemeindevorsteher und angesehener Gemeindemitglieder ein öffentlicher Bann gegen alle sabbatianischen Sektierer und deren Schriften ausgesprochen wurde3. Die hier folgenden Urkunden zeigen jedoch, daß R. Michel bereits früher solche Schritte unternommen hatte. Er machte danach zuerst den Versuch, eine Reihe hervorragender Rabbiner zu einer gemeinsamen Bannerklärung zu bringen, und es ist bezeichnend für die Stimmung jener Zeit, daß dieser Versuch mißlang. So sah er sich veranlaßt, allein vorzugehen und in einem Rundschreiben an eine Anzahl von Gemeinden die Gefahren, die er ja am besten’kannte, mit den Waffen des Bannes selber zu bekämpfen. Das Rundschreiben ist vom Freitag, den 26. Tischri, datiert, die Jahreszahl aber mangels der Signaturen in der Abschrift nicht ohne weiteres aus dem abgekürzten Zitat 1. B. M. 529 zu entnehmen4. In dem vorangehenden Briefe gibt R. Michel an, er habe das Rundschreiben vor 6 bis 7 Jahren hinausgegeben; er wußte also das genaue Datum selbst nicht mehr oder konnte es nicht mehr aus dem' zitierten , Schriftvers feststellen. Der Brief, in dem er diese Angabe macht, trägt das Datum des 17. Tebeth 483 18. Dezember 1722. 1 Man vgl. das schöne Seelengebet, das der Gemeinde vorstehe r Meir Rinteln zum sabbatlichen Vortrage in der Synagoge während des Trauerjahres um ihn verfaßt hatte; Landshuth a. a. O-, S. 18 f. 2 Jakob Emden a. a. O., Bl. 42a. 3 Das. Bl. 40 a und MGW 1887, 207 ff. 4 Das Zitat läßt wohl eine Berechnung auf 476 zu, diese Zahl stimmt aber nicht mit dem genau angegebenen Wochendatum überein. Das Zitat selbst ist wohl gewählt, weil der Name ,,Zebi“ darin steckt.