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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
R. Michel Chasid und die Sabbatianer
Date
1932-01-01
Page
Seite 373 (sequence 4)
Language
German
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R. Michel Chasid und die Sabbatianer 373 Loebele Proßnitz, Nehemja Chajon und als dritter im edlen Bunde Chajim Malach1 beglückten aber auch Berlin mit ihrer Anwesenheit, als R. Michel noch einfaches Mitglied des Rabbinatskollegiums war und das Rabbinat selber in den Händen seines Schwagers R. Aron Benjamin Wolf lag. Sie fanden dort in den besten jüdischen Familien Aufnahme, Annahme und Glauben. Nehemja Chajon besonders die bekannte Hofjudenfamilie Liebmann für sich zu gewinnen, die ihm sogar die Mittel zum Druck seiner ketzerischen Schriften zur Verfügung stellte, so daß diese im Jahre 1713 die Berliner Presse verlassen konnten2. R. Aron Benjamin Wolf, der gleichfalls ein Mitglied dieser Familie, nämlich der Schwiegersohn von Jost Liebmann war, erwies Chajon keinen geringeren Dienst, als er ihm eine empfehlende Druckerlaubnis erteilte, freilich, wie dies meistens geschah, sich auf die Approbationen anderer rabbinischer Größen verlassend, ohne den Inhalt der Werke näher zu prüfen. Es scheint, daß nicht bloß der Sturz der Familie Liebmann, sondern auch diese Unüberlegtheit R. Aron Benjamin den Rabbinatssitz kostete; er zog sich auf den Landbezirk mit dem Sitze in FrankfurtanderOder zurück, und an seine Stelle rückte in Berlin sein Schwager R. Michel, der am 28. Mai 1714 die landesherrliche Bestätigung erhielt3 und zugleich die Zusicherung, daß beim Freiwerden des Landbezirks auch dieser wieder dem Berliner Rabbinat einverleibt würde, was in der Tat nach dem Tode von R. Aron Benjamin Wolf 1721 geschah. R. Michel hatte sich persönlich bei Antritt seines Amtes bereits völlig von dem Treiben der Sabbatianer abgewandt und in seinen Lehren wie in seinem Leben offensichtlich nur die reinen Grundsätze der chasidischen Moral und Frömmigkeit zurückbehalten, so daß auch die zahlreichen Gegner des Hauses Liebmann seiner Berufung auf den Rabbinatssitz keinen Widerstand entgegensetzten. Er genoß tatsächlich als Gelehrter wie als Mensch, vor allem ob seiner strengen Gerechtigkeit und Unparteilichkeit die 1 Graetz a. a. O., S. 477. Ueber Chajim Malach s. auch Kaliana a. a. 0. II, 175 ff. 2 Ueber die Schriften Chajons s. Lands hu th a. a. 0., S. 14 ff. und Graetz a. a. O., S. 490 ff. 3 Acta Borussica, Behördenorganisation, Bd. I, 728.

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