Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Reichsstadt Köln und die Juden in den Jahren 1685 - 1715
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 6)
- Language
- German
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417 schmuggelten. Es wurde daher die ausdrückliche Angabe der Namen der Juden, die dem Proviantgeschäft oblagen, bei der städtischen Kanzlei verlangt. Besonders aber ist für diese Zeit Emanuel Oppenheimer zu nennen, dessen Namen zwar in den Ratsprotokollen nicht auf geführt, dessen Aufenthalt in Köln aber ein noch erhaltenes kaiserliches Schreiben Karls VI. vom 21. 6. 1714 dringend fordert1 und das dazu gehörige Ratsprotokoll sodann bezeugt2. Ferner soll der erzstiftisch-kölnische ,,Liverancier“ Lazarus Levi auf Veranlassung des Generals Prinzen von Holstein Beeck im Dezember 1714 das kaiserliche Proviantwesen regulieren helfen3. Schließlich weilt noch der kaiserliche ,,Liverancierjude“ Juda Hirz im März 1715 in Köln4. Auf Veranlassung oder mit Patent des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz haben in Köln Einlaß gefunden in den Jahren 1690/92 der Vorsteher der Kleveschen Judenschaft Rüben Elias Gomperz aus Wesel5, Emanuel Behr6, der Resident Aron Beer aus Frankfurt7 und vor allem der Hof- und Kammeragent Josef Jakob von Geldern aus Düsseldorf8, Ururgroßvater Heinrich Heines. Der Kurfürst setzte es durch9, daß den Genannten am 13. Dezember 1690 das Geleit unbeschränkt wie im Jahre vorher den holländischen Juden gestattet wird. Sie erhalten statt des livrierten Boten einen Offizier zu ihrer Begleitung in der Stadt Köln, müssen sich aber die Durchsuchung des Gepäcks gefallen lassen, da die Stadt die Einführung falscher Münzsorten befürchtet10. Im Jahre 1700 findet auf Veranlassung des kurfürstlichen Residenten ein ungenannter Jude Einlaß; der bekannteste der kurpfälzi sehen Hof- und Kriegsfaktoren Lemle Moses11 wird nur einmal im Jahre 1701 in Köln erwähnt12. Vor allem haben im spanischen Erbfolgekriege, und zwar in den Jahren 1709/13, drei kurpfälzische Montur-, Proviant- und Fouragelieferanten aus Mannheim Herz Jakob13, Herz Moyses und Wolf Levi (Löw)13 immer wieder Köln auf gesucht12. Von kurbrandenburgischen bzw. preußischen Hoffaktoren — kurbrandenburgische bzw. preußische Truppen sind, an den Haupt- Operationen im Rheinland in jenen Jahren stark beteiligt und ihre 1 s. Anlage II. 2 n. 161 f. 242a vom 11. 7. 1714. 3 n. 161 f. 428a; vgl. über ihn Grunwald a. a. O. S. 184 ff. 4 Er erkrankt in Köln; seinem Weibe wird der Zutritt zu ihm gestattet, n. 162 f. 71b. 5 s. Kaufmann-Freudenthal, Die Familie Gomperz (Frankfurt a. M. 1907) S. 86 ff. 6 s. Grunwald a.. a. O. S. 75, 192, 198. 7 s. ib. S. 75, 204, 211, 317; J. Kracauer, Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. II (1927) 3. 51, 55, 68—70, 219—22; vgl. F. Priebatsch, Die Judenpolitik des fürstlichen Absolutismus im 17. u. 18. Jahrh., Dietrich Schäfer- Festschrift 1915 S. 577; D. Kaufmann, Aus Heinrich Heines Ahnensaal (1896) B. 265. 8 ib. besonders S. 47—75; im übrigen s. für die Genannten das Verzeichnis s. v. 9 s. das Schreiben des Johan Wilhelm Pfalzgrafen bei Rhein vom 7. Dez. 1690 in ,,Akten betr. Juden 1646—1794“. 10 n. 137 f. 302a, 397b. 11 s. Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz I (1895) S. 170 ff. 12 s. Verzeichnis s. v. 13 Erwähnt bei Kaufmann, Aus Heinrich Heines Ahnensaal, S. 265. Monatsschrift, 75• Jahrgang 27