Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Medizin im Sohar
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 15)
- Language
- German
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181 erklären. Da nun jedes Organ seine höhere mystische Bedeutung hat (III 234 a oben R. M.), wird sich wohl niemand daran stoßen, wenn sich da der Sohar am liebsten und ausführlichsten gerade mit demjenigen Organe beschäftigt, von dem man nicht gerne spricht, und das in der hebräischen Sprache gar keinen Namen hat (deshalb heißt sie nach Maimonides ja auch die heilige). Er aber gibt ihm schon Namen der Fülle, und zwar die allerschönsten: außer dem bekannten אות בדית oder ביית, auch יסוד, das מיומא תופא, der Abschluß des Stammes, aber auch neunte, vorletzte Sephira, die Endstation des vom höchsten verschlossenen Weltenhaupte hinabgeleiteten Segens (שפע). Zumeist heißt es aber צדיק, weil צדיק יסור טלם , oder in Analogie mit יוסף הצדיק, weil eben in schwerstem Kampfe gegen Sünden1 2. Ferner קשת in Anlehnung an den Regenbogen, der ja gleichfalls ein אות ברית (aus gleichem Grunde darf man beide nicht anschauen, II 66 b); demgemäß auch Bogen, der Pfeile abschießt und durch das Pazer-Zeichen. \9 versinnbildlicht wird, nämlich זרע יורה 2כחץ לגבי כלא bzw. 3למטרה (Sam 1 2020), gegen das jerach ben jomo- Zeichen Y hin, Tik 61 a. Dann auch צבאות, weil es die besten Kräfte in sich versammelt, III 296a, אפיקי מים Tik 192 b, באר I 141b, ,4גיד לולב III 255 b und schließlich אמה. Es entspricht, gleich dem Stamme und der Luftröhre, dem heiligen Buchstaben Waw (gerade Linie) und mit dem Jod י darüber (כובע׳ עטרה לראש צדיק), Tik 80a, wird es zum T (die unteren 7 Sephirot5). Die beiden Orchis נצח והוד זיתים =, die für den Zaddik die Manna bereiten (III 26 oben); und da שמן ורע, also צדיק כתיש כתישו מאינון זיתים daher שמן בתית Num 285 (III 247 a, 272 a). Für genit. femin. hat der Sohar — wie die Araber (Hyrtl XXXIX) — den schönen Namen Garten. גן נעול אחתי בלה Cant 412, verschlossen nämlich an Wochentagen für den Frommen, Tik 138 a; aber am Sabbat, da obliegt es diesem doppeldeutigen ,,Zaddik“ — להשקות את הק Gen 210, Tik 130b. Sonst gibt er sich bezeichnenderweise mit diesem Organ nicht weiter ab; sicherlich nicht aus Mangel an Phantasie, wohl aber aus leicht begreiflichen anderen Gründen, von denen noch die Rede sein soll. Die medizinische Grundlage der Zeugungsmystik ist ein uralter Gedanke, der wohl so alt wie die denkende Menschheit selbst, daß nämlich das Sperma dem Gehirn entstamme. Der Segen kommt also auch hier von oben, und da setzt eben der Sohar mit seiner Mystik ein, indem er diese Lehre, gemäß Mikrokosmos und Makroanthropos, in streng analoger Weise auch auf die Genesis des himmlischen Segens bezieht. Der Talmud6 * fertigt es bekanntlich mit 1 Vergl. Maimonides h. iss. biah 2218. 2 Bedeutet גן s. unten. 3 Auch מטרא geschrieben; mater als Arabismus vagina, s. H v r 11, S. 263. 4 Tik 73 a heißt es גיד הנשר. דאיהו צדיק, und I 170 b, daß אסור בהנאה, weil Sitz des bösen Triebes; scheint also die Spann ade r ebenso mißverstanden zu haben, wie jener Prager Gelehrte; s. Moses Sofer Resp. II, 69. 5 והמן כורע גד;7 גד Num 117. Manna Sperma; גיד י + גד Tik 82a. Es ist der mystische Tau des Himmels, der im 1יסוד zur Manna erstarrt. 6 Aber auch im Talmud heißt es, daß Gehirnerschütterung mit Impotentia generandi einhergehe, Chul. 45 b unten.