Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Medizin im Sohar
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 16)
- Language
- German
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182 פזפח סרוחה ab. Nicht so der Sohar. Da wird diese ספה zum heiligen Jod י, zum Ausgangspunkt der 10 Gewebsarten, wie in der oberen Welt zu dem der 10 Sephirot. Beim Menschen ist es das feinste Verdauungsprodukt, das vom Gehirn aus durch den ganzen Körper hindurch (nicht Rückenmark!) zu den Nieren und von da zu נצח והוד geleitet wird, um, gegebenen Falles, im יסוד abgesetzt zu werden (III 296a, b). In der oberen Welt aber entspringt der himmlische Tau fertig dem höchsten Gehirn, um durch die Sephirot hindurch bis zum יסוד zu dringen. Der Segen ruht nur auf Einheiten, Ganzheiten, niemals aber auf Halbheiten. Ein Hagestolz ist nur ein halber Mensch, und man wird erst dann zu e i n e m ganzen, wenn die Gegensätze sich verbunden haben, d. h. zu Eins geworden sind (Gen 224), was dann den von oben kommenden Segen erschließt. Im Sohar wird also unter Kohabitation immer nur Zu-einer-Einheit-werden verstanden. Auch Gott wird erst dann zur vollkommenen Einheit, wenn er sich mit der Matronita, der Schechina, der כנסת ישראל, d. h. mit Israel vereinen kann, III 77 b, was gleichfalls durch den Zaddik vermittelt wird, und wodurch dann der alle Welt befruchtende Strom der Gnade in Fluß gebracht wird. All dies wird von dem sterbenden R. Simon ben Jochai* vorgetragen (III 296 b). Wer überall Erotik wittert, wird sie auch überall finden; also auch hier. Der Sohar läßt übrigens an Sittenstrenge auch noch den Talmud weit hinter sich zurück. Dieser erlaubt innerhalb der Ehe alles1, Nedarim 20b, jener aber hat für dieses '״alles“ nicht genug — Flüche. Nach dem Talmud soll man die Frau mehr lieben, als sich selbst. Der Sohar geht weiter und meint, die Gemahlin sei d i e Frau, die einzige: לזאת יקרא אשת Gen 223 nur diese sei Frau genannt, die übrigen wären ihr gegenüber nur Affen!2 (I 49 b). Je reiner das Gewissen, desto unbefangener die Erotik, und das war sie auch im Talmud. Man lese nur die Ratschläge, die R. C h i s d a seinen Töchtern gab (Sabbat 140 b) und was für Fragen sein Schwiegersohn Rabhaan seine Frau stellte (Kethub. 39b), ferner Eintagsehen (Joma 18 b) u. a. m., um so recht zu ersehen, welch gesunde Erotik damals geherrscht hat. Im Geiste des Talmuds hätte es da der Sohar, bei seiner übersprudelnden, schranken- und hemmungslosen Phantasie, noch viel ärger treiben können, und daß er es dennoch nicht getan, ist eben mit ein Beweis dafür, daß er einem viel späteren Zeitalter angehöxt. Die Behaarung wird, weil sexuell differenziert, in Verbindung mit der Zeugungslehre sehr weitläufig mystisch behandelt. Schon bei Hippokrates heißt es, daß die Barthaare sich von dem Sperma nähren, oder wie der Sohar sagt, saugen. Testiculi trahunt sperma ab istis locis ubi barba est, sagt Albertus Magnus (Hyrtl 231). Der 1 Der Talmud (Sanh. 75 a) meint eben, daß in der Diaspora das Joch der Ehe ohnehin jede Erotik gründlich ausschalte, und daß nur mehr ,,geheimes Brot wohlschmecke“, Prov 917; also hat er in seiner Weisheit innerhalb der Ehe lieber gar nichts verboten, um es nicht — süß zu machen; so auch Maimonides h. iss. biah 219. 2 Der Buchstabe p קוף Affe möchte das Sinnbild der braven Haus* frau, der oberen Mutter, das ה nachahmen, nachäffen — ist aber bloß ein auf einem, schwankendem Fuße stehendes, ausschweifendes ה, Symbol der Unzucht. Also könnte auch hierauf die monogamistische Fassung dieser Sentenz zurückgeführt werden; s. II 148 b.