Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 20)
- Language
- German
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495 Hölle ־zugewendet. Auf die jüdischen Gedanken in der muhämmedänischen Eschatologie wird hirigewiesen. Hingegen ist es schade, daß uns K. einen Nachweis schuldig geblieben ist. Er führt die herrliche Vision des h. Ludwigs und der h. Theresia an: ein stattliches Weib schreite einher, in der einen Hand einen Krug Wasser, in der andern eine lodernde Fackel; mit dem Wasser will sie die Gluten der Hölle auslöschen, mit der Fackel das Paradies in Brand stecken. :— Köhler bemerkt, Aehnliches finde sich auch im rabbinischen Schrifttum. — Wo? Köhlers Werk bietet auf beschränktem Umfang (158 Seiten) ein überaus anschauliches Bild von den Auffassungen, der Kulturvölker über das Jenseits und von der gegenseitigen Einwirkung dieser Auffassungen bei den verschiedenen Gemeinschaften. Bei diesem Ueberblick kommt das Judentum nicht zu kurz. Alle bedeutenden Gedanken sind entweder von ihm ausgegangen oder haben doch bei ihm Eingang gefunden. Köhlers Beispiel beweist, daß es gar nicht von Uebel ist, wenn ein Theologe Folk-lore treibt. Es gereicht der Theologie nicht zum Schaden, dem Folk-lore zur Förderung. 4* Die Auferstehung. Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. (Jahrbuch für jüdische Volkskunde. Herausgegeben von Dr. Max Grunwald, 1923, 23—122.) Löwinger, der zu Grunwalds ,,Mitteilungen zur jüdischen Volkskündecf schon so manchen bemerkenswerten Aufsatz beigetragen hat, über den Traum, über den Schatten, über Rechts und Links, bietet uns jetzt in Grunwalds erstem Jahrbuch eine ausführliche (100 Seiten!), eingehende, gewissenhafte Arbeit über die Auferstehung. Allerdings ist zu bedauern, daß Löwinger nicht auch die vorhergehende Literatur über den Gegenstand befragt hat, weder Zunz, Zur Geschichte und Literatur, Berlin 1845 (Jüdische Auffassungen über das Leben nach dem Tode 371—389), noch M. Landau, Hölle und Fegefeuer, Heidelberg 1909, noch Köhler, Heaven and Hell, New York 1923. Ueber den Kampf der Reform gegen den Glauben an die Auferstehung wäre doch gewiß anzuführen, Köhler, Grundriß einer s}fstematischen Theologie des Judentums, Leipzig 1910, Kap. 45, Die göttliche Vergeltung oder die Belohnung und Bestrafung (223-232). Doch ich glaube, Löwingers Arbeit habe hierdurch trotzdem nicht viel verloren, da er mit entschlossenem Mut sich immer unmittelbar an die Quellen wendet. Befragt werden: Talmud, Midrasch/Mystik (Sohar, Midrasch hanne'elam), die Apokryphen das N. T.1 mit seinen Apokryphen, der Koran, die. muhammedanische Auffassung (nach Flügel, Goldziher, Jacob), die Philosophen, die Schrifterklärer. . ’ 1 Zu der Folgerung, daß Gott den Erzvätern das Land verspricht, daß also die Erzväter auferstehen (Löwinger 29, 30) wäre anzuführen, daß auch im Evangelium Jesus die Auferstehung damit beweisen will, weil: Gott der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs genannt wird, nun aber ist Gott ein Gott der Lebenden, kein Gott der Toten (Matth 2232, Marc 121e, Luk 2037, •38).