Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829942-2833677--47263-2833758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
494 Anschauung des Evangeliums (Matth 1930 und P.), daß aus den Ersten die Letzten, aus den Letzten die Ersten werden, bietet auch die Aggada vom עולם הפוך, עולם ברור (Pesach. 50a). Die Lehre des Parsismus von den בינו דם/ deren gute und böse Taten einander die Wage halten1, wiederklingt in den Meinungsverschiedenheiten Hilleis und Schammais. Die Vorstellung vom Purgatorium möchte K. in der Vorstellung von Abrahams Schoß finden: für die gewöhnlichen Sünder Israels sei Gehenna nur als Purgatorium gedacht, aus welchem sie Abraham in seinen Schoß hebt, um sie ins Paradies zu geleiten (vgl. Erubin 19 a mit Luk 1622, Math 3<>) ״exactly as Jesus was believed to have descended into Hades to redeem the souls imprisoned. there“2 * * *. Sowohl die entlehnten als auch die im Judentum entwickelten, eschatologischen Anschauungen stützen sich auf Schriftverse ״rather than upon mere vision and inspiration“.■ So erschließt Josua b. Levi ד Höllennamen: שאול, אבדון, באר שחת, בור שאון, טיט היון, צלמות׳ ארץ התחתית Erubin 19a. Simon b. jochai liest statt שבע שמחות Psalm 16u שבע שמחות eine siebenfache Herrlichkeit der ewigen Seligkeit, Herrlichkeit 1. der Sonne, 2. des Mondes, 3. des Firmaments, 4. der Sterne, 5. des Blitzes, 6. der Lilien, 7. des heiligen Leuchtens (Sifre Deutr. § 10, § 47). Eingehend werden noch besprochen die eschatologischen Mahl- Zeiten, welche bereits der Parsismus kennt, bei denen in der Aggada Leviathan, Behemoth, Ziz (Ps 501ג) aufgetragen werden, Weingelage im Jenseits. Vorstellungen, denen gegenübersteht Rabs geläuterte Lehre von den Frommen, die sich am Glanz der göttlichen Herrlichkeit ergötzen (Ber. 17b), sowie die überaus vernünftige Enthaltsamkeit R. Jöchanans, der da erklärt, das Jenseits kann kein irdisch Auge sehen (Ber. 37b und Parallelen). — Besondere Aufmerksamkeit wird den eschatologischen Fahrten Josua b. Leyis durch .Himmel und 1 Ein Solcher heißt auch מעויין Levy, Neuhehr. u. Ghald. Wörterbuch III, 641. 2 Prof. Blau meint: ,,Der Ausdruck ,,im Schoße der Väter Abraham, Isaak und Jakob“ findet sich nicht in jüdischen Quellen, doch dies beweist durchaus nicht, daß hier keine Volksvorstellung obwalte. Nicht alles/was jüdisch ist, wird im Talmud enthalten sein.‘6 (Im Hebrew Union College Annual Vol. I, Cincinnati 1924, S. 231.) Allerdings, eine derartige Wendung ,,im Schoße Abrahams, Isaaks und Jakobs“ ist im jüdischen Schrifttum nicht Dachgewiesen, doch, glaube ich, dürfte sie sich, außer in der von Professor Blau angeführten Inschrift, auch in der christlichen Ueber־ lieferung kaum finden. Auch der -arme Lazarus wird von den Engeln nur in den Schoß Abrahams geführt“ (Lukas 1622)• Pie Vorstellung vom Schoße Abrahams nun ist auch der Aggada nicht unbekannt. Das Ableben Adda bar Ahabas wird derart umschrieben: היום יושב בחיקו של אברהם Kidduschin 72b ״heute sitzt er in Abrahams Schoß“. Als der jüngste der sieben Märtyrerbrüder seine Mutter befragt, ob er sich vor dem Götzenbilde bücken soll, ermahnt sie ihn: מה אתה מבקש שיהו בל אחיך נתונים בתעןו של אברהם ״ לעתיד לבאwenn deine Brüder im Schoße Abrahams ruhen“, solltest du allein von dort ausgeschlossen werden? (Pesikta Rabbati 43, ed. Friedmann 180b). Allerdings findet sich diese Vorstellung in den älteren Fassungen der Legende von den sieben Brüdern weniger klar und in der Pesikta Rabbati läßt sich auch sonst Kenntnis des Christentums nachweisen. (S. auch Strack-Billerbeclc, Kommentar zum N. T. aus Talmud und Midrasch, II, München 1924, 224—227.)