Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 21)
- Language
- German
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496 Der Stoff selbst wird in reicher Fülle geboten. Ans der Aggada die Religionsgespräche über die Auferstehung, die biblischen Beweise für die Auferstehung in der Reihenfolge der heiligen Bücher. Im Zusammenhang mit der Auffassung von der Zeit der Auferstehung wird auch der Anteil besprochen, den Moses, Idris, Ridvän, Jesus, Elijahu, Zerübabel1, der Erzengel Michael an der Auferstehung nehmen. Eingehend erörtert wird der Tau der Belebung und das Knöchelchen לוז, von dem die Auferstehung auszugehen hat, so wie die Frage, wie man aufersteht, nackt oder bekleidet, mit den früheren Gebrechen oder geheilt; ist die Auferstehung an das Heilige Land oder gar an Jerusalem geknüpft. Reich ist der Abschnitt über diejenigen, die an der Auferstehung teilnehmen und die, welche von ihr ausgeschlossen werden. Hier wird פ' החלק durchforscht2. Von den Philosophen wird Saadjas und Maimunis, von den Schrifterklärern־' wird Abravanels Lehre über die Auferstehung eingehend untersucht, auch der Seelenwanderung wird gedacht (96, 97). Bei Gelegenheit werden folkloristische Gebräuche erklärt: nach dem Leichenbegängnis reißt man Gras aus der Erde, wirft es hinter den Rücken und sagt: ״Die blühen auf aus der Stadt wie Gras aus der Erde“ (Ps 7216), als Hinweis auf die Auferstehung (S. 48, 1183). Zum Schluß werden die Fabeln aus der Aggada zusammengestellt, die durch den Glauben an die Auferstehung geschaffen wurden. Nun einzelne Bemerkungen. S. 38. Unter den biblischen Personen, denen die Aggada zumutet, daß sie die Auferstehung leugnen, wäre auch Kain zu nennen4. S. 47 אן יבבה (II Kön 117) wird nicht als Vergangenheit gedeutet, sondern in dem Sinne, daß Salomo eine Anhöhe bauen wollte, aber nicht baute. S. 74, Anm. 1 erklärt Löwinger die Entstehung der Vorstellung vom ״לוזKnochen aus dem Psalmvers (8421),,G0tt bewahrt alle Knochen des Gerechten, einer von ihnen wird nicht zerbrechen“. Diese Deutung ist drusch-artig und dürfte nur aus einem Midrasch angeführt werden, wo sie bis jetzt nicht gefunden wurde. S. 84 und 86 Anm. 2 erklärt Löwinger den Satz לא חיין ולא נידוני ן ,,sie werden nicht auferstehen, nicht einmal zu Gericht zugelassen“, wo doch der Nachsatz eine Milderung im Urteil bedeutet: auferstehen, des ewigen Lebens teilhaftig werden sie wohl nicht, doch der Strafe, der ewigen Verdammnis fallen sie auch nicht anheim5. Wenn Einiges auch zu berichtigen, Mehreres zu ergänzen bliebe, soll doch voll anerkannt werden, daß Löwinger schöne, nützliche, gewissenhafte Arbeit geleistet hat6. 1 Besonders gehaltvoll die Anmerkung S. 52, 53 die Vorstellungen über Menachem b. Amiel, Nehemja b. Chuschiel. Für Zerübabel wäre zu berücksichtigen Israel Ldvi in REJ LXXIV, LXXV, LXXVII. 2 Nicht verwertet wird über die dogmatische Mischna I. Guttmann, MGWJ 1898, 289—303. 3 Weiteres über Gebräuche, die aus dem Glauben an die Auferstehung stammen, s. S. 119. 4 Siehe Aptowitzer, Kain und Abel, 11, 12. 5 Löwinger selbst kommt mit seiner eigenen Erklärung S. 90, 95, 97, 98 nicht aus. 6 Dieser Anerkennung müssen wir jetzt leider die Mitteilung hinzufügen, daß Dr. Adolf Löwinger inzwischen am 12. Oktober 1926 aus dem Leben geschieden ist.