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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 332

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 332 (sequence 3)
Language
German
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332 Joel hat oft und gerne von seinem Vater mit gleicher Liebe gesprochen wie seine Brüder, von denen der ältere David ihn das Tngendvorbild nennt, dem nachzustreben sein Bemühen, das zu erreichen sein kühnster Wunsch1, Avährend der zweite, H e r in a n n, ihm in einem Nekrolog ein ergreifendes Ehrendenkmal setzte2; er hat aber auch diesem Einfluß aus der Kindheit öffentlich beredten Ausdruck gegeben3. ,,Wer in seiner Knabenzeit das Glück hatte, die edelsten Vertreter des alten Rabbinats noch zu sehen, für den ist es für immer mit einem Schimmer umgeben, den keine Zeit verwischen kann. Das alte Rabbinat hat gerade vor seinem Abschiede Männer hervorgebracht, auf die wir mit gerechtem Stolze hinweisen können. ... Ja, das alte Rabbinat ging unter, schön wie ein Sonnenuntergang, etwa wie einst das Gaonat erlosch, indem gerade die letzten Vertreter desselben, Scherira und Hai, nahezu die bedeutendsten waren.“ Und er zitiert in diesem Zusammenhang als Typus jener Besten des alten Rabbinats gerade R. Akiba Eger, dessen Persönlichkeit ihm vom Vaterhaüse her besonders vertraut war und dessen auf den! Boden ,,des starrsten Talmudismus“ erwachsene Tugenden ihm auch später noch beredter erschienen als alle Angriffe auf den Talmud4. Die Seele von solch unauslöschlichen Eindrücken voll, wurde er in seiner Lebensentwicklung vom Geschick zu anderen hervorragenden Persönlichkeiten geleitet, die, im Uebergang von der alten zur neuen Zeit viel stärker noch als sein Vater stehend, doch von derselben innigen Liebe zur Vergangenheit erfüllt waren, Michael Sachs und Zacharias Frankel, welch letzterer ihn bekanntlich noch dazu als Dozenten an sein Rabbinerseminar nach Breslau berief. Joel erwies sich, als er von da aus das Breslauer Rabbinat übernahm, nachher in der Praxis des Amtes als viel freisinniger wie diese beiden von ibm so hochverehrten Meister; aber die Grundstimmung ihrer Anschauungen, die Achtung vor der geschichtlichen Vergangenheit, teilte er voll und ganz mit ihnen und er prägte für diesen Standpunkt in lapidarer Kürze in einer seiner Festpredigten die Worte, die eigentlich alles besagen: ,;die V er ־gangenheit fortbilden, nicht f o r t s c 11 a f f e 11!“5 So stand er bald, wie er selbst erklärte6, bei denen, die ihn kannten, in dem Rufe,״ daß er weniger Neigung zum Zerstören als zum Erhalten habe, und er fügte mit seinen! köstlichen Humor, der stets so viel Ernst und Scherz zugleich umschloß, noch hinzu: er wünsche, 1 David H. Joel, dieReligionsphilosophie des SohaiyLeipzig, 1849, Vorwort. Biographisches über David, den Breslauer Seminarrabbiner, s. am besten in Branns Festschrift, Geschichte des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau, 0. J., S. 107 ff. Daselbst S. 86 ff. und S. 126 ff. auch die beste Biographie und Zusammenstellung der Schriften von Manuel Joel. 2 Allgemeine Zeitung des Judentums 1845, Nr. 33, datiert Schwerin; August 1845. Hermann starb 1881 als Rabbiner von Hirschberg. 3 Israelitische Wochenschrift 188ל, Nr. 29, erster Verbandstag deutscher Rabbiner zu Breslau, 5. und 6. Juli 1887, Eröffnungsrede Joels, S. 231. 4 Mein in Veranlassung eines Prozesses abgegebenes Gutachten über den Talmud in erweiterter Form, Breslau 187ל, S. 12. 5 Festpredigten, Breslau 1867, S. 33. 8 Verhandlungen der ersten israelitischen »Synode zu Leipzig. Berlin 1.869, S. 128.

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