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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 331

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
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331 Beurteilenden fällt/1״ Dieser Gedankengang ist für die Würdigung Joels selber subjektiv und o b ,j e k t i v von Bedeutung; er läßt nämlich Joels eigene Persönlichkeit in ihrem geschichtlichen Werdegang verstehen und er macht zugleich begreiflich, wie stark die Rücksicht auf geschichtliche Zusammenhänge, die Wert- Schätzung der Vergangenheit im Mittelpunkt seiner Weltanschauung steht. In seiner Stellung zu den Kultusfragen kommt dies obj ektive Moment ganz besonders deutlich zum Ausdruck; sie hängt aber auch mit• dem subjektiven Moment seiner eigenen, besonderen Verhältnisse aufs engste zusammen. Manuel Joel stammte aus einem Elternhause, in das die mittelalt erliche Vergangenheit des Judentums noch einmal ihren lichtesten Schein geworfen hatte. Sein Vater H e i m a n n (R. Chajim b. R. Joel) war noch in der damals üblichen, ausschließlich religiösen Erziehung und talniudischen Ausbildung aufgewachsen und nicht bloß Schüler des Rabbiners seiner Heimat Inowrazlaw, des R. Secharja Mendel b. R. David Tebele gewesen2, sondern auch zu fremden Autoritäten in die Jeschibah gegangen und vor allem einer der Schüler des R. A k i b a Eger geworden, von dem er die rabbinische Autorisation erhielt. Heimann Joel, der zuerst als Rabbinatsassessor in seiner Heimat, dann als Rabbiner in Birnbaum und Schwerin an der Warthe tätig war, kam freilich selbst schon allmählich über die Einseitigkeit der alten talmudischen Richtung hinweg; er wandte wissenschaftlich sein Interesse der hebräischen Sprache und Literatur und besonders eifrig der jüdischen Religions- Philosophie zu und huldigte auch praktisch bereits den Anforderungen der neuen Zeit, indem er den Gottesdienst in seinen Gemeinden würdiger zu gestalten und sogar durch Predigten und Vorträge in deutscher Sprache zu heben suchte. Aber wie er nach wie vor tagtäglich aufs eifrigste seinen talmudischen Studien oblag und ein handschriftlich gebliebenes Werk über Joreh Deah verfaßte, so leuchtete auch der Glanz der Vergangenheit, vor allem der Persönlichkeit seines Lehrers Akiba Eger weiter in sein Denken und Handeln hinein und hinterließ selbst in der kindlichen Seele seines jüngsten Sohnes Manuel unvergängliche Eindrücke. Manuel 1 Rabbi Simon ben Jochai, ein Lebensbild, in Monatsschrift für Gesell, u. Wissensch. d. Judent. 1856 und Liebermanns Volkskalender V. Jahrgang. 2 Vgl. über ihn Lewin, Gesch. d. Juden in Lissa, Pinne 1904, S. 202 ff. Die Angabe Ecksteins in Jüdische Familienforschung Jahrg. I, 1925, S. 94, er sei der Vater von Heimann Joel, ist irrig. R. Chajim b. R. Joel, wie es auf seinem Grabstein in Schwerin und im dortigen Maskirbuche heißt, starb am Sabbat 5. Nissan 12. April 1845. Im Maskirbuch wird ein R. Joel 1). R. David erwähnt, der wohl identisch mit dem Vater von Heimann Joel ist. Aber auch dieser R. David ist nicht der Inowrazlawer Rabbiner R. David Tebele, der Vater des Lehrers von Heimann Joel, sonst hätte letzterer in dem Vorwort zu seinen handschriftlichen Sammlungen, das noch erhalten ist, bei der Nennung dieser beiden Namen ganz gewiß nicht verfehlt, die nahe Verwandts,chaft mit zu bezeichnen. Der Stammbaum der beiden Rabbiner von Inowrazlaw geht allerdings, wie Simonsen a. a. O. Jahrg. II, 1926, S. 125, richtig vermerkt, auf Raschi zurück; es besteht aber zunächst keine Möglichkeit trotz der Namensgleichheit (Manuel Joel hieß ebenfalls Secharja Mendel), den Joelschen Stammbaum dort einzugliedern.

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