Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Manuel Joel und die Kultusfrage
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 4)
- Language
- German
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daß Gott diesen Ruf. ihm erhalten möge! Dennoch, geht es. nicht an, ihm die Schablone des ״Vermittlungstheologen‘״ aufheften zu wollen, wie. es. seine Gegner gerne taten; denn־ seine: religiöse Auffassung war o r ganiscb aus diesen subjektiven und objektiven Momenten der historischen Einstellung herausgewachsen und: nicht etwa aus dem Bestreben, es allen recht machen zu wollen. Eines freilich scheute er aufs stärkste : ein Schisma im Judentum. Davor warnte er stets; mit aller Gewalt dadurch eine Trennung herbei- Zufuhren, daß man gerade das als nicht obligat hinstelle, was von der anderen Seite als einer der obligatesten Teile des Kultus erachtet werde׳, lehnte er ab1 und־ er bekämpfte deshalb auch sehr energisch das Laskersche Austrittsgesetz als schismatisehe Gefahrenquelle2; Seinen religiösen und. wissenschaftlichen Anschauungen:, nach stand er natürlich dieser Richtung, die unter dem; Schutze der Easkerschen Errungenschaft tatsächlich die befürchtete Absonderung herbeiführte, völlig fern. Geringer, aber doch fühlbar genug war die Spannweite zwischen seiner und Abraham Geig e r s Anschauungsweise. Für diesen gab es keine subjektiven, und objektiven historischen Bindungen, wie sie Joel besaß* und darum auch keine Hemmungen für eine radikal umgestaltende Stellungnahme dem Kultus gegenüber. Joel hatte freilich bei Antritt des Breslauer Rabbinats den von diesem seinem Vorgänger geschaffenen Gottesdienst einfach übernommen, ohne den Versuch einer Abänderung in seinem Sinne zu wagen. Aber wiederum waren es die äußeren Verhältnisse, die von selber eingriffen■ und zu einer entscheidenden Stellungnahme zwangen. Der Bau der neuen Gemeindesynagoge, der gleich in das erste Jahrzehnt der Amtszeit Joels fiel, legte an und für sich schon die Frage nahe, ob die Geigersche Gottesdienstordnung aus der alten Synagoge mit in die neue hinübergenommen werden sollte, und־ da Joels andersgeartete Einstellung zu den religiösem Fragen bekannt war und er im Uebrigen auch in. seinen Predigten vor. der Gemeinde sie vertrat und gar nicht anders konnte, so war eine wissenschaftliche• und persönliche Auseinandersetzung mit Geiger und seinen Anhängern wohl nicht zu vermeiden. Die Gelegenheit dazu bot sich sehr bald und ungesucht und erwies sich als von besonderer Bedeutung für die Stellung Joels zu den Kultusfr;agen, nämlich di e Rabbinerv ers a m m l u n g znCa s s e 1 im Jahre 1868, Die Anregung dazu ging von dem rührigen Ludwig' P h i 1 i p p s o h aus, der freilich sofort scharf die Grenzlinien zwischen ihr und den früheren Rabbinerversammlungen von־ Bfauilschweig, Frankfurt und Breslau 1844—46 zog3. Joel selbst hat später eine noch viel schärfere Charakteristik derselben gegeben4. Philippson 1 Das. S. 150 bei den Verhandlungen über die Abschaffung der Verlesung von 0'זכור. ( 2 Laskers Resolution, den, Aus tritt aus, der Synag.ogengemeinde: betreffend, Breslau 1875. 3 Das Folgende nach Philippsons Leitartikeln in der A. Z. d. J., 1868: Der öffentliche Gottesdienst (Nr. 21—26) und die Rabbinerversammlüng (Nr. 27—37). 4 Siehe am Schluß dieser Abhandlung.