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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 307

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Rabbiner Dr. Manuel Joel zu seinem hundertjährigen Geburtstage
Date
1926-01-01
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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307 tigte sie mit der Geißel seines Wortes und seines treffenden spradelnden Witzes/'1 Dies war der Mann, dem Joel an seiner Bahre, zwei Jahrzehnte später, aus erschüttertem Herzen die Worte nachrlef: ,,Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und seine Reiter"2, den er als etwas ihm Seelenverwandtes empfand, von dessen Geist er einen Hauch verspürt. Könnte man die oben zitierte Charakteristik von Michael Sachs nicht ebensogut auf den späteren Joel beziehen? Nach einer kurzen Tätigkeit als Hauslehrer bei dem Onkel seiner zukünftigen Gattin in Nakel folgte er freudigen Herzens dem Ruf als Hilfslehrer am neugegründeten jüdisch-theologischen Seminar in Breslau. Michael *Sachs war es, der den. jungen Freund dem Seminardirektor Zacharias Frankel dringend empfahl. Zehn Jahre, von 1854 bis 1864, entfaltete Joel an dieser Stätte eine überaus fruchtbare Tätigkeit, die für ihn selbst zur segensreichsten wissenschaffliehen, und rednerischen Saatzeit wurde. Zunächst nur für den Unterricht in den Gymnasialfächern, alten Sprachen, Deutsch, Geschichte, Philosophie berufen, erweiterte er sein Arbeitsfeld bald durch Hinzunahme rabbinisch-theologischer Fächer und las in der Rabbinerabteilung des Seminars Homiletik und jüdische Religions- Philosophie, in der Lehrerabteilung Pentateuch mit Raschi und Nachmanides, Mahncrndes’ Jad ha-chasaka und systematische Religionslehre3. . Im täglichen Umgang mit Männern wie Frankel, Graetz und Bernays hat Joel, wie er selbst bekennt4, wertvolle geistige Anregung erfahren. Wie er zum gelehrten Schriftsteller geworden, erzählt Philipp Bloch in der ihm eigenen amüsanten Weise. Direktor Frankel redigierte, die angesehene ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" und w^ard von seinen Mitarbeitern häufig im Stich gelassen. Einstmals um Stoff verlegen, forderte er von Joel Beiträge für seine Zeitschrift. Der war ganz erstaunt über die, wie er in seiner tiefinneren Bescheidenheit und Schlichtheit meinte, sein Können überschätzende Zumutung. Frankel lehnte jeden Einwand mit dem Bemerken ab, wer so viel gelernt und seine zehn gesunden Finger habe, könne doch wohl auch etwas Druckfähiges schreiben. Joel überwand sich und schrieb die Biographie des Rabbi Meir5, Und er schrieb in den acht Jahren, bis zu seiner Berufung als Rabbiner an die Breslauer Gemeinde, zuerst, in Fortsetzung seiner ersten, fesselnde und aufschlußreiche Biographien der großen Mischnalehrer, die zur Zeit der beginnenden Welteroberung des Christentums lebten, eine Epoche der Weltgeschichte, zu der der gereifte Forscher auf dem Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am liebsten zurückkehrte; später begann er in der Monatsschrift mit der Veröffentlichung seiner bahnbrechenden religionsphiLosophischen Arbeiten 1 Graetz, Gesell, d. Juden, Band XI, Seite 572 f. 2 Rede, gehalten in der Synagoge der Berliner Gemeinde an der Bahre von Michael Sachs, abgedruckt in ,,Predigten aus dem Nachlaß“, Band II, Seite 270 und 271. 3 Brann, Gesch. d. Jüd.4heol. Seminars, Beilage III, Seite XXV. 4 Jubelschrift zum 70. Geburtstag von Graetz, Seite 172. ß Gedenkblätter zur Erinnerung an Manuel Joäl, Seite 65. 20*

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