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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 308

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Rabbiner Dr. Manuel Joel zu seinem hundertjährigen Geburtstage
Date
1926-01-01
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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über Gabirol, Maimonides und Gersonides, die zum größten Teil wohl aus seinen religionsphilosophischen Vorlesungen am Seminar hervorwuchsen. Die impulsive Kraft Frankels hat aber Joel nicht nur auf die Wege wissenschaftlicher Forschung gewiesen, sondern hat in ihm auch den Redner geweckt. Man hat in späteren Jahren Joels glänzende Beredsamkeit, die scheinbar aus dem Augenblick geboren, mühelos von seinen Lippen sprudelte, bewundert und von ihm gesagt, er schüttle alles aus dem AermeL Mir hat Joel, als ich mein erstes Amt antrat, geraten: ,,Bereiten Sie sich auf jede Predigt, ja auf jede Tischrede gründlich vor; ich habe zehn Jahr lang jede Rede aufgeschrieben und auswendig gelernt. Wer es nicht tut, verflacht sich in Gedanken und Ausdruck. Man schüttelt nichts aus den Aermeln; was man aus den Aermeln schüttelt, ist Staub.“ Joel ist ein Beweis dafür, daß poeta nascitur, orator fit. In seiner, anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums, gehaltenen Rede erzählt er, ihm sei es wie einst Moses und Jeremia ergangen, die gerne geschwiegen hätten und doch reden mußten; nur langsam habe er angeborene Schüchternheit, öffentlich zu reden, überwunden, ,,das Herzklopfen hat ja zum Glück nur Gott gehört und nicht meine Zuhörer“1. Wie Frankel dazu kam, Joel auf die Kanzel zu bringen, geschah auf folgende Weise. In der Seminarsynagoge versah ursprünglich an Festtagen und besonderen Sabbaten Frankel als Seminardirektor das Predigtamt. Einmal, als Frankel predigte, brach ein Gewitter los, es donnerte und stürmte. Frankel war unfähig, mit seiner schwachen Stimme dagegen an zu predigen und verließ unmutig die Kanzel. Er bat Joel, ihn zu vertreten. So sehr Joel innerlich widerstrebte, —- wen Gott, oder der unwiderstehliche Frankel zu reden verurteilt, er versuche es zu schweigen!2 Der Erfolg der Joelschen Predigt war, daß ihm Frankel nicht nur das Predigen in der Seminar- Synagoge, sondern auch die Vorlesungen über Homiletik und die Leitung der homiletischen Uebungen von 1858 an übertrug. Die Schätzung, die diese vielseitige Tätigkeit Joels fand, äußerte sich nach zwei Richtungen. Von außen bemühte man sich, Joel als Rabbiner zu gewinnen, und von innen, vom Seminar, erkannte man immer mehr seine erstaunliche Vielseitigkeit und seine alle Schwierigkeiten meisternde Geisteskraft. Schon im Jahre 1859, als Meisel von Stettin nach Pest berufen wurde, erhielt Joel eine Einladung zu einer Gastpredigt in Stettin. Damals schrieb Frankel, ,,der es stets liebte, nur in sehr gedämpftem Tone zu loben und anzuerkennen,“ in einem Bericht an das Kuratorium: ״Die Leistungen des Dr. Joel am Seminar sind vortrefflich, und sein Abgang wäre für dasselbe ein fast unersetzlicher Verlust.“ Das Kuratorium erhöhte sein Gehalt um ein beträchtliches und Joel blieb an der ihm liebgewordenen Stätte3. Als aber Abraham Geiger Breslau verließ, um im Jahre 1863 1 Ziemlich, a. a. O., Seite VII. 2 Ziemlich, a. a. O., Seite VII und VIII. 3 Brann, Geschichte des Jüdisch-theologischen Seminars, Seite 88.

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