Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 arten gaben reichlich Stoff zu ärztlichen Erwägungen, und hierzu kamen noch ־ anatomische Bestimmungen und andere Fragen. Alle diese Fragen werden von den Kommentatoren und Dezisoren bis ins Unendliche vermehrt und überaus verwickelt. Mit Abschluß des Talmuds hatte eben auch die Trephalehre als Naturwissenschaft ein jähes Ende genommen: an Stelle der Erfahrung war das Buch getreten, und anstatt genau zu untersuchen, wurde einfach erschwerend entschieden, wogegen schon R. Einspruch erhebt. (Chul. 52a.) In dieser Arbeit werden wohl alle wichtigeren nachtalmudischen Autoren berücksichtigt, zumeist aber nur R., T. und M. (Maimonides) erwähnt und auch diese nur dort, wo es zur Erklärung des Talmuds unumgänglich. 2. Besonderer Teil. Speiseröhre: besteht aus zwei Häuten, einer äußeren roten und einer inneren weißen; umgekehrt — trepha (Oesophagitis?). Bei Verletzung der Halsorgane ist die rituelle Schlachtung ungültig, als wäre sie schon einmal begonnen und unterbrochen worden; nach M. aber wäre das Tier dann schon im Leben als verendet zu betrachten; gleichwohl schreibt er aber hier: הרי הוא כאילו איכר — וטרפה (h. schech. VII, 21), obschon er nicht, wie der Talmud, נבילה und טרפה mit einander zu verwechseln pflegt. Beide müssen perforiert sein, die Mündungen aber nicht einander gegenüberliegen, da ja die Schichten verschieblich. ״Eine Haut, die sich infolge einer Verletzung gebildet hat, ist keine Haut“, weil sie infolge Zerrung nicht von Dauer (R.), oder weil Narbengewebe geradezu als Fremdkörper gilt (M. III. 21). Es ist dies einer der wichtigsten Sätze, wonach also Heilunghalachisch ausgeschlossen bezw. das Trepha nie mehr kascher werden kann; man wollte eben eine fallweise Entscheidung über endgültige Heilung weder der Masse der gläubigen Laien, noch dem jeweiligen Stande der medizinischen Wissenschaften anvertrauen (s. Chul. 43a). ,,Rabah sagt: die Speiseröhre ist nicht von außen zu untersuchen, sondern nur von innen.“ Bezug und Grund dieses Satzes werden durch eine Begebenheit erklärt, da Rabah in einem fraglichen Falle von Derussa die Speiseröhre von außen untersucht, aber, von Ab aj e an seine eigene Lehre erinnert, hinterher an der inneren Haut zwei Blutstropfen (Haemorrhagien) gefunden hatte; wodurch also erwiesen, daß man an der äußeren, weil sie rötlich, minimale Blutung, Perfor., oder Narbe übersehen kann. Die Luftröhre, wie Fleisch überhaupt, ist zwar auch rötlich, doch geht es hier eben nicht anders, so daß man immerhin auf die Widerstandskraft dieser Gebilde vertrauen kann; auch entspricht m. E. dieser Satz der ursprünglichen Meinung des R. B i b h i b. A b a j e (Chul. 53b), wonach also in Derussafällen Rötung der äußeren allein belanglos, daher deren Untersuchung zwar nicht maßgebend, aber auch gar nicht notwendig wäre; denn nur so kann der Einspruch Abajes verstanden werden (s. auch תורת חיים und ראש יוסף). Ueber Gastrophilus1 s. Moses Sofer, Resp. II, 28. Das Gehirn hat zwei Häute, eine obete (Dura) und eine untere (Pia). Nach T. ist die Pia des Menschen stärker, als die des Tieres, vermutlich deshalb, weil es da nicht auf die Größe des Besitzers, sondern auf die des Organes ankommt. Nur die Perfor. der unteren ist trepha. Das verlängerte 1 Larven einer Fliegen art im Schlunde und Kaumagen von Enten usw.