Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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- Amoraim 1× ep/1003430
- Rashi 1× ep/1002670
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85 daß dadurch jedwede Art von Jagd gründlich verleidet wird1; ja es hat den Anschein, als wäre es eben darauf abgesehen: das dazumal so beliebte Verletzen der Hinterfüße des flüchtigen Tieres fällt unter צומת הגידין; Keulenschläge, Knüppel- und Stein würfe, Fallgruben und Lasso unter נפולה und שבירה; Jagdfalke und Gepard unter דריסה; von Stich-Schußwaffen gar nicht zu sprechen. (Ueber Jagdverbot s. J. Landau Resp. II j. d. 10.) Was bisher angeführt worden, sind durchwegs Verletzungen, zu deren Feststellung und Beurteilung es gar keiner Wissenschaft bedarf. Nun haben aber die Amoräer (als erster wohl der sprichwörtliche Großmeister der Trephalehre R. Jochanan) diese Lehre mit einigen sehr wichtigen Prinzipien und Fragen bereichert, die schon genaues Zusehen, Erfahrung und ein gewisses ärztliches Denken zur Voraussetzung haben. Zunächst die Lehre von den Eiterungen und Nekrosen, die mustergültig nach Dignität der einzelnen Organe, nach Blutzirkulation, Konsistenz und Farbe beurteilt werden. Dann das Prinzip: was voraussichtlich perforiert werden wird, ist bereits als perforiert anzusehen, d. h. ist schon trepha, da es ja schon als lebensunfähig gelten kann. Man dachte sich dies teils durch Progression des Krankheitsprozesses (aber nur bei der Derussa und auch dort nur nach Raschi, hinfort R,), sonst aber durch mechanische Einwirkung, besonders bei der Lunge. Dieses Prinzip des Trepha per anticipationem hat nur R. und T.; im Talmud selbst ist es nirgends ausdrücklich zu finden und dürfte wohl von 2ויהריה מקלא קלי ואזיל oder 3מנין או לא מנין hergenommen sein. Es wird zwar nach T. auch von רבא Perforation antizipiert (Chul. 47a), obschon er טרפה חיה lehrt (s. oben), doch wird eben nach T. auch von רבא zugegeben, daß das Trepha letzten Endes seiner Verletzung erliegt (Sanh. 78a). אטיס gilt als Defekt, also kein Widerspruch mit T. Chul. 11b ידילסא Auf diese Weise ist also aus dem einfachen Verletzungsregister der Mischna eine wahre Pathologie geworden, da ja nach besagten Prinzipien eine unabsehbare Reihe von Gewebsveränderungen gleichfalls trepha ist; aber immerhin nur so eine talmudische Pathologie, nämlich ein innigstes Gemisch halachischer und medizinischer Erkenntnis. Ferner erwog man in zahlreichen Fällen (Adhäsionen, Nadeln, Gallensteine usw.), ob nicht etwa Perforation vorausgegangen, oder wenn diese bereits geschlossen, ob die Heilung eine endgültige sei. Letzteres wurde nur dann angenommen, wenn der Verschluß von allem Anbeginne an und durch ein dazu geeignetes Gewebe bewirkt worden, also das Tier eigentlich niemals trepha gewesen war, da es sonst nie mehr hätte kascher werden können. Schließlich das Prinzip, daß Ueberflüssiges das Ganze zunichte macht, also Doppelgebilde als nicht vorhanden betrachtet werden, wohl infolge mangelhafter Ernährung und Funktion beider. Nach Nachmanides4 wird nur das Ueberflüssige als fehlend, bezw. abgeschnitten betrachtet, und der Fall darnach beurteilt. Auch die oben erwähnten 11 Trepha- 1 Ueber die geringe Neigung der Juden zur Jagd, zumal in nachbiblischer Zeit, vgl. Mainzer MGWJ. 53, 1. H. 2 Chul. 54a. 3 Chul. 46b. 4 S. 41 בית יוסף gegen Ende.