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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 3 · p. Seite 87

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 3
Article
Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft
Date
1925-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 Mark wird zum Hirn gerechnet und auch noch der Teil, welcher zwischen zwei ,,bohnenförmigen Gebilden“ der Schädelmündung (dem inneren Rand der Gondylei) liegt (Decussatio pyramid.); wohl in Anlehnung an die Mischna, daß kein Rückenmark ohne Wirbelsäule (s. Chul. 45a b u. 42b T.). Das Herz: Die Frage, ob in der Mischna die große Höhle (Kammern), oder auch kleine (Vorhöfe) gemeint sei, bleibt unentschieden (R.). M. VI. 5 hat große linke und kleine rechte, Bartenura große rechte und kleine linke; beides ist natürlich falsch; die rechte scheint geräumiger zu sein, weil ihre Wand dehnbarer (Hyrtl) oder weil die linke als stärkerer Muskel durch die Totenstarre sich mehr zusammenzieht (Ellenberger und Baum ). Perfor. der Herzröhre (Aorta) ist nach Rabh trepha (um so mehr also die der Vorhöfe!); nach Samuel aber erst, wenn fast entzweigerissen. Der Streit dreht sich nicht darum, ob die Aorta Blut führe oder nicht, sondern ist ein rein halachischer, ob nämlich in dem Brustkörbe befindliche Röhren den zu ihnen gehörenden Organen gleichzusteilen seien. Uebrigens werden die Arterien überall ,,spritzende“ genannt, und ist Verblutungsgefahr an sich überhaupt kein Trephagrund. Die Aorta wird sehr treffend als ein zwischen beiden Lungenflügeln hin ziehender Fettstrang bezeichnet und dadurch für den Laien wohl am besten von der Lungenschlagader unterschieden. A m e m a r sagt, daß es (an der eben bezeichneten Stelle: zwischen beiden Lungenflügeln dicht nebeneinander) 3 Röhren gibt; eine zweigt ab zum Herzen (Aorta), eine zur Lunge (Luftröhre), eine zur Leber (Lungenschlagader)1, d.h.in die rechte Herzkammer, von wo man schon mit dem Finger in die Leber gelangen kann. Nach R. verzweigt sich die Trachea in diese 3 Röhren, was wohl der Lehre von den Gallensteinen entspricht (s. auch Gittin 69a). Samuel war über die Lehre Rabhs ziemlich ungehalten; vermutlich lehrte er, daß selbst Vorhöfe belanglos. Nach M. ist Perforation der Aorta und Vorhöfe kascher, hingegen die der Lungenschlagader, Hohlvene und der Lebergefäße (innerhalb des Organes!) trepha; s. hierzu דברי חמודות (s. Chul. 45b). Zahlreiche kleine Lücken in der Aorta wurden im Mittelalter für kascher erklärt, weil sie durch das umgebende Fett verschlossen wären; aber schon J. Karo schreibt, er habe gehört, daß es sich um Mündungen kleiner Arterien handle, wozu Sabbatai* Koben2 3 überlegen bemerkt, e r habe es gesehen. Es geschah am Ende des XVII. Jahrhunderts, daß die Katze aufmerksam das Ausnehmen einer Henne verfolgte, und am Ende fehlte das Herz. Man brachte die ,,Frage“ zu dem berühmten Ghacham Zewi®, der sie natürlich für kascher erklärte, selbst wenn zwei ehrenfeste verläßliche Zeugen behaupteten, sie hätten genau zugesehen; denn da man von zwei einander widersprechenden Wundern stets das kleinere wählt, so wird man auch hier viel eher das Wunder annehmen, daß ausnahmsweise.einmal zwei ehrenwerte Männer gelogen haben, als daß eine wohlgenährte muntere Henne kein Herz besessen hätte. Gegen diese nüchterne Entscheidung aber hatte der nicht minder berühmte J. Eibeschütz so schwere halachische Bedenken, daß er schließlich an der Universität in Halle anfragen ließ, deren Antwort in seinem Werke Pie thi XL. 5 wörtlich gebracht wird. 1 Das ist meine Erklärung. Leberader hieß bei den Griechen der Aderkomplex der rechten Seite; s. Hippokrates übers, v. R.Fuchs II, S. 169, Anm.; überdies hätte man ja unmöglich die so auffällige Lungenschlagader zu Gunsten der unteren Hohlvene völlig ignorieren können! 2 j. d, 34, Ende. 3 Resp. 74, 76, 77; 6 Folioseiten!

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