Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 47 (13.12.1919)
- Date
- 1919-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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St-* 4 Freie Tribüne Nr. 47 Und noch auf eine Kleinigkeit %vollen wir euch so früh* 2eitig entpuppten Och ranabeiden aufmerksam ma- «Ifen: ihr beruft euch auf euren Shylock^Köntrakt mit der englischen Regierung; was werdet ihr an dem Tag machen, an dem' diese ^Mändatarin des Völkerbundes" vpn der eng* Höchen Arbeiterschaft fortgejagt und an ihre Stelle eine Regierung der Arbeiter eingesetzt wird? Werdet ihr dieser Rc* gierung auch etwa die f;poaIezionistis&he und revolutionäre a^afoische Gefahr" denunzieren? » _ Öder . . ihr werdet die Poale Zion um Schutz bitten und euch darauf berufen, daß ihr ja eine ,sVolkspartei", eine ..Freiheitsbewegung" seid? Unserem Verbandsbüro 'aber und allen Bruderparteien empfehlen wir besonders diese zionistische Heldentat, Und fragen sie kurz und bündig: glauben sie noch im* Wer, daß die jüdische Arbeiterbewegung Poafe Zion ein organisatorischer Teil der zionistischen Partei bleiben kann? Ja oder nein? Schattenrisse. Momentaufnahmen aas der russischen Revolution.*) V. „Sobotniki". Einst verstand man unter diesem Namen eine altchristliche Sekte, der der Samstag Ruhetag war. Einen ganz anderen Sinn hat der Begriff heute bekommen. Dieser schrecklichste aller Kriege, den die Imperialisten der herrschenden Völker inszeniert haben, hat die Wirt« schaff der ganzen Welt vernichtet. Die produktivsten Schieb* ten aller Völker sind für die egoistischen Interessen der Kapitalistenklasse auf den Schlachtfeldern niedergemetzelt worden. i Unter der Maske hoher Prinzipien ^Demokratie", ,,FreL= Weit der Völker" ^Vernichtung des Militarismus" hat man von der Arbeiterschaft Opfer und als schwierwiegendstes) den Verzicht auf ihre Klasseninteressen gefordert, wiährend* dessen die patriotische Bourgeoisie durch maßlose Ausbeu* tungi und Preistreiberei jede Möglichkeit normaler Wirtschaft untergrub. Eine ruinierte Wirtschaft, vollständig bankerotte Finanzen und eine unverschämt korrupte Administration hat die russische* Revolution vom zaristischen Regime über« nosmmen. , * i Eine noch schlechtere und schwierigere Lage, eine noch1 skfrlimtnere Anarchie hat die Oktoberrevolution von der Kerenski»Koalition geerbt. Die für Freiheit^ Zivilisation und Humanität, gegen Völ* kerbednücfrung und Militarismus kämpfende Entente will den Intertsseni der ^befreienden" Bourgeoisie zuliebe, die freie Aibeiterrepuiblik ersticken und durch ihre Blockade Millionen Menschen verhungern lassen. Sie eröffnet nicht nur dje Blockade von. außen, durch Bestechung militärischer Abenteurer schafft sie täglich neue Fronten, sie bezahlt Spione und agents provocateur, welche Brücken und Balisen in die Uift sprengen, Magazine und Betriebe zerstören, umi so den Wiederaufbau Rußlands zu verhindern. In .ihremi Bestreben, die Eroberungen der großen rus&ischen Revolution zu vernichten^ erscheinen ihr Raub und Mord durchaus nicht ate verwerfliche Mittel. Noch |iber \wird die internationale Arbeiterschaft von diesen bösen Geistern beherrscht! Trotz alledem hat die russische Arbeiterschaft mit der* selben Energie, die sie ihren militärischen Formationen zu* wendet, die Anarchie in der Volkswirtschaft zu beseitigen^ gestrebt und Ordnung und Planmäßigkeit in die gesamte industrielle und landwirtschaftliche Produktion gebracht. Viele Mittel zur Hebung) der Produktivität der unterernährten Arbeiterschaft sind erprobt worden. Auf Vorschlag Üenin's hat 'die kommunistische Partei ihre Mitglieder zu 3 stündiger Mehrarbeit an jedem1 Samstag aufgefordert. Um! 3 Uhr nachmittags hören Samstags die Fabriken mit ihrer Arbeit auf. Um] 4 Uhr nehmen sie die Arbeiter wieder auf, um 3 Stunden lang ohne Bezahlung für die Allge* meinheit zu arbeiten. In jeder Stadt haben diese „Sobotniki" ihre eigenen Organisationskomitees. Zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags ordnen sich die kommunistischen Arbeiter bezirksweise, um unter ihren roten Fahnen, unter revolutionären Gesängen,, die Arbeit für die Gemeinschaft aufzunehmen. Nach der Arbeit der ganzen Woche nehmen Intellektuelle,, Frauen, Kinder (die kommunistische Jugend), nehmen Arbeiter in ihrer Fabrikstracht zugleich mit zivilen und militärischen hohen Beamten und Führern der kommunistischen Partei die anstrengendste physische Arbeit auf (Löschung von Schiffsladungen, Arbeit in den Gruben u. dgt.). Vom Volks* kojrrtmissär bis zum1 letzten Mitghede der kommunistischen Partei, alle gehören sie zu den „Sobotniki". So in Moskau und Petrograd), so in Stadt und Dorf. Ueberall schließen sich Arbeiter, Bürger begeistert den kom* mjunistischen ^Sobotniki" an, die die Arbeit aus Lust und Webe verrichten und nicht aus der harten Disziplin der Not, und sie lassen den großen', schaffenden Geist der befreiten Arbeit ahnen!, der nie 'mehr durch die bankerotte Bour* geoisie dauernd besiegt werden kann, VL Gegenrevolutionäre. Sie sind verschieden, wie die Interesssäeny die sie ver* teidigen. Anfangs ist es der vom großen ,jBefrerun§js"c kriege Trunkene^ der sich an der Befreiung der unter* drückten Völker und der Vernichtung des deutschen Militarist *) Siehe >Freie Tribünec Nr. 46. mus berauscht,. Er glaubt mit seiner ganzen Seele, daß die Entente für die Befreiung der geknechteten Nationen kämpft. Zumeist ist er Sozialpatriot, der in den Bolschewiki Verräter der Befreiungsidee" der Entente sieht. Verstrickt im Lügennetze der bürgerlichen Presse, glaubt er ernstlich, die Bolschewiki ständen im Solde des deutschen Imperialismus. Er merkt nicht, daß die Miljukowi,. Rodzanko usw. in den Deutschen Bundesgenossen zum Kampfe gegen Smvjet'Rußland zu finden hoffen. So sieht der erste Gegner der Rätemacht aus. Spät erst ernüchtert ihn die alltägliche Praxis des Errtentc-Imperialis* •mus ... # Ein zweiter Typus ist der Kleinbürger, der, ökonomisch haltlos,. von jeder sozialen Veränderung erschüttert und in seiner Existenz bedroht Wird. Er ist deshalb immer ein Freund von Ruhe und Ordnung!, Er sieht ganz richtig im Bolschewismus nicht nur eine ökonomische Revolution. sondem eine grundsätzliche Umwälzung des gesamten öffent* liehen und privaten Lebens, die sein Gleichgewicht stört. Aber der Kleinbürger ist nie aktiv, weder in der ,Revolution noch in der Gegenrevolution. Während des großen Kampfes der Sowjets gegen die Anarchie für die — sozialistische — Ordnung befreundet er sich allmählich mit der Rätemacht. Aktive Konterrevolutionäre sind in erster Reihe all die ..Tschinowniki", die hohen Beamten des /.arischen Re* gimes, die jahrelang den Volksmassen auf dem Nacken saßen und sie mit Alkohol einzuschläfern versuchten. In Raub, Diebstahl und Bestechung erprobt, liaben sie alle ^Gelder, die für Kulturzwecke bestimmt waren, unterschlagen und so die Volksverdummung gepflegt. Das erwachende Volk hat sie gründlich abgeschüttelt, daher ihre Unzufriedenheit. Aktiv ist auch der Großgrundbesitzer^ dessen Besitz die Revolution den gencrationenlang geknechteten Bauern über* gab. Die neue Ordnung verlangt von ihnr wie von jedermann, Arbeit, die er nicht leisten will. Er reist von Land zu Land, bettelt die Kapitalisten aller Welt um Hilfe an und verkauft sein Vaterland, in dessen Namen er während des Krieges abertausende Arbeiter und Bauern für seine egoistischen Interessen abschlachten ließ. Wie jedem ,,guten" Händler ist ihm die Qualität des Käufers gleichgültig, sei es England oder Deutschland,: Frankreich oder Polen, sie sind ihm jetzt alle lieb. Ihn bewegen keine nationalen Motive, nur soziale Tendenzen wirken auf Um . . Aktiv sind auch die Offiziere des alten Systems, die im Soldaten nur ihren persönlichen Sklaven sehen. Auch die früheren Gendarmen und Polizeibeamten, die tausende Mitbürger grausam im Kerker verkommen ließen, sind unzufrieden, da die Revolution ihnen ihre Privilegien genommen hat, Die Zarengenerale sind in den Dienst des Ententekapitals übergegangen und schaffen mit dem Gelde des Weltkapitals immer neue Armeen gegen die Rätemacht. Aber die kolossalen Mittel', die für Munition und Ausrüstung kommen, Werden für persönliche Zwecke verwendet und die Hilfs* mittel ^Schiebern" überlassen. Die Armee bleibt ohne Aus* rüstung. ohne Munition und Verpflegung]. Die Offiziere treiben ihre alkoholisierten Soldaten' zu Offensiven und glauben, die Volksseele im Alkohol ertränken zu können. ' Geld ist diesen Lakaienseelen oberstes Prinzip, oft werden die Gefangenen für Lösegeld freigelassen, oft werden unschuldige Bürger zu Erpressungszwecken festgenommen, noch' öfter auf freier Straße niedergemacht. Ihre Grausamkeit spottet jeder Vorstellung. Sie sind gute Strategen, aber ideenlos. Ohne jeden Erfolg im Kampfe gegen die große Idee der kommunistischen Revolution wer* den sie immer Weiter gejagt von der roten Armee, die für das hohe Ideal der sozialen Revolution kämpft. Aus den Arbeiterräten. Die Wahl ist abgeschlossen. Das jüdische Proletariat ist in den Arbeiterräten durch ejtwa 60 (mit den Kooptiet rungen) Mitglieder der poalezionistischen und 18 der bundistischen Fraktion vertreiten. Zu den Konstituierungen,, die jetzt vor sich gehen, wäre vorläufig mitzuteilen), daß im BM^R. Neubau ein Mitglied unserer Fraktion1, der auch eine programmatische Erklärung abgegeben hatÄ gewählt wurde. Döbling. Am 6. dj. M. fand die erste Vollversammlung des neugewählten Arbeiterrates' statt. Der Bericht über die durchgeführten Wahlen ergab, daß bisher 151 Arbeiterräte von 7640 UrWählern gewählt wurden. Davon entfallen auf die Sozialdemokraten 131, auf die Kommunisten 12 und auf Poale Zion 8 Mandate. Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend. Der A.-R. hat beschlossen, 30 AAR. zu kooptieren, wovon 2 Mandate von den Poale Zion angesprochen wurden. Unsere Fraktion in Döbling zählt also 10 Genossen. Nach der Entgegennahme des Berichtes schritt man zur Wahl der Mandatsprüfungs- und Wahtkommission. In diesen Kommis* sionen ist auch unsere Fraktion vertreten. Ueber die politische Lage des Proletariats sprachen zwei Sozialdemokraten, die auf die überaus schwierige Lage des Proletariats und des Arbeiterrates in Deutschösterreich hinwiesen. Drückende Not, drohende Reaktion erfordern dringend den Zusammenschluß aller Proletarier, wenn schon nicht zum Kampf um neue Errungenschaften, so doch zur Verteidigung des Bestehenden. Der Arbeiterrat ist die geeignetste Korporation zur Führung des Abwehrkampfes im entscheidenden Moment, denn er stehe über den Parteien und gehöre dem ganzen Proletariat. Darauf erwiderte der Sprecher der Poare-Zion, Gen. Steinig, und unterstrich besonders die Worte, daß die jüdische Arbeiterpar&i Poale Z*on und das jüdische Proletariat immer geschlossen mit den deutschen «Proletariern gegen den gemeinsamen Feind, gtgeo die Reaktion, kämpfen werden. Eine ähnliche Erklärung gab auch der Sprecher der Kommunisten ab. Im Gefü&J der Einigung als guten Zeichens für die beginnende Arbeit schloß die erste Sitzung des Arbeiterrates. Eingelaufene Bücher. (Besprechung vorbehalten) Die Kommunistische Internationale, Organ des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale. Die Judenfrage der Gegenwart» Dokumentensammlung, herausgegeben von Leon Chasenowitsch und Leo Moizkin, Stockholm. Probleme des Judentums von Raphael Seligmann. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Kritik des Zionismus von Heinrich Margulies, R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Die theoretischen Grundlagen des Zionismus. G. Holdheim und Walter Preuss, Weltverlag, Berlin. Die Weltbücher, eine jüdische Schriftenfolge 1/2. Moses Mendelssohn: Jerusalem; 3. Me nasse ben Israel: Rettung der Juden; 4/5. Samson Raphael Hirsch: Neunzehn Briefe über Judentum; 6. Fritz Mordechai Kaufmann: Vier Essais über ostjüdische Dichtung und Kultur. Weltverlag, Berlin. Briefe aus Palästina von A. D. Oordon. Weltverlag, Berlin. Was will das O.-h. d&r linken P. Z? Samstag, 13. Dez., 6 Uhr II. Blumauergasse 1 Kohn Bez.-Org. IL Sonntag, 14. Dez., 4 Uhr Mitglieder- XX. Wallensteinstraße 62 versamtn- Bez.-Org. XX. Jung Anschließend: Gemütliche Unterhalten^ Montag, 15. Dez., 6 Uhr CafeWien,I.Franzensring Bez.-Org. I. Nagler Mittwoch, I7.Dez., 6 Uhr Serpow II. Blumauergasse 1 Nagler Arbeiterrats-Fraktion Donnerstage 8.Dez.ti Uhr XX, Wallensteinstraße 62 Bez.-Org. XX. Serpow Was will das O.-B. der linken P. Z.? Aktionsprogramm Was will das O.-B. der linken P. Z.? Sonntag, 21. Dez., 4 Uhr II. Blumauergasse 1 Bez.-Org. I. Prof. H. Ehrlich Jüdische Volksmusik Konsumgenossenschaft für jüdische Arbeiter und Angestellte in Wien, II., Taborstraße 44 (Eingang Blumaocrgasse) Fernsprecher Nr. 44.189. Dem Wunsche unser Mitglieder Rechnung tragend,, setzen wir die Verkaufezeit in unserer Konsumgenossenschaft folgendermaßen fest: von 8 bis lfu\ Uhr und 7»3 bis Ya5 TJhjv Um genaue Einhaltung der vorgeschriebenen Verkaufszeit und der für die einzelnen Mitglieder festgesetzten Einkaufstage wird im Interesse der Mitglieder ersucht. Die Mitglieder werden ferner ersucht, die noci» ausstehenden Anteilsraten einzuzahlen, damit im Bezüge 3er Waren keine Unterbrechung eintrete. Jüdische Arbeiterküche, II. Blumauergasse l. Die Wochenbezugsscheine für die laufende Woche werden folgendermaßen ausgegeben: am Freitag, von Nr. . 1—300 , Samstag, „ „ 103—600 „ Sonntag, „ „ 601—1000 Die Wochenbezugsscheine, die an den betreffenden t Tagen nicht abgeholt werden, können für die entsprechende Woche nicht mehr bezogen v/erden, Verein „Freie Jüdische Volksbühne*. Der Verein „Freie jüdische Volksbühne" gibt htii Motu&t* Dezember im Bürgertheater 3 NachniHtagsvorstell«ngieÄ s Samstag, den 13. d. Moriates zum dritten Male „Gott det Rache", Drairta in 3 Akuten yon Schalom Asch. — SafcnBtag,. den 20. und 27. d. M. zum' ersten Male „Der Dorfe^jg;'', Dramla iii 4 Akten Von TLeorr. ÜCobrin. Genossen Arbeitenräte 1 Mittwoch, den 17. d. M., 6 Uhr abends, findet im Saal des Arbeiterbildungsvereins, II. Blumauergasse 1, «ine VolWersantmlnng der ArbeiUrratj-FraUtion zur Beratung des Aktionsprogrammes statt. Referenten s ISTctglev» Serpow. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen dringendePflichtt Gingesendet. Josef Heber aus Lemberg gratuliert dem Gei. itosee Hitnik zu seinem neugeborenen Kinde und spendet 5IP. F, Sammelt Abonnenten für £ner Blatt! STÄ W^ü Berjrasgtber «nd verantwortlfcher Redaktewr Arnold Deutsch " „Central«, Drook- «ad Yeriagsanrtalt (vorm. J. Hoyar), Wien, IX., IawfateMteintt»i» S.