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Freie Tribüne · 1919-12-13 · 47 (13.12.1919) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
47 (13.12.1919)
Date
1919-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 Freie Tribüne Seite 3 mit großer Leidenschaft empfunden. Durch die soziale Revolution ist er von der Studierstube auf die Barrikaden getrieben worden. Er «war einer der Ernstesten und Uebertegtesten innerhalb der kommunistisichen Fraktion, beliebt bei der Arbeiterschaft als ihr treuester Freund und Verteidiger. Bei der Mobilisierung der Partei in Weißruf5fand fand er sich bald mit einer Abteilung seiner Vaterstadt am' Sammelpunkte ein. Willig litten sie Hunger und Entbehrungen, da die Approvisionierungsorganis'ationen anfangs mangelhaft waren. Ineinem der Kämpfe gegen die polnischen Banden blieb er verwundet liegen. Zwiei Genossen, die an seiner Seite kämpften, wollten clen Verwundeten aus dem Gefechtsbereich bringen. Er wehrte ab und schickte öie in den Kampf zurück. Auf offenem Fekie verschied er . . . Ein Führer Fleiner Klasse'^ im Kampfe um den Sieg . . . Gen. Umann, Schuhmacher, aktives Mitglied der B . . und K . . .- Organisation. Von frühester Jugend an gehört ,er zur Partei. In der finsteren Werkstätte studiert er die märxistisfehe und poale zionistische Literatur. Er war eines der ergebensten Mitglieder der Partei und des Verbandes der Lederarbeiter, dessen Ortsgruppe er in seiner Vaterstadt leitete. Ein sCharfer Gegner der opportunistischen Elemente in der Partei, weckt er immer wieder die Arbeiterschaft zu revolutionärem Klassenbewußtsein und zur Aktivität; ruft er sie zu energisldher Verteidigung ihrer Ihter essen. Schlicht spricht er, ohne diplomatisfdhe Sophistin, einfache Worte eines' Arbeiters^ der die) Welt auf neuen Grundlagen umbauen will*. Beständig wirft er den Intellektuellen ihne Haltlosigkeit vor und ruft sie zu bedingungsloser Solidarität mit der Arbeiterschaft. Freiwillig eilt er zu den Wäffen und fällt kämpf en d an d e r ti t a ui&cfae n Front. Eine schlichte Arbeiterseele. . . Hunderte Opfer. Von ihren entlegenen Gräbern strahlen AnclaCfhtslidh'ter in die Herfzen der jüdischen Arbeiterschaft, lassen sie weder ruhen noch rasten, rufen säe Sztrm." Kampf für den Sozialismus', fordern sie auf, s'idh reinzuwaschen im1 Blute des heiligen Kampfes, vidm1 Schmutze des verbrecherischen Kapitalismus. 'Anden Gräbern der Held en und Märtyrer der siegreichen russischen Revolution vorbei, f ührt der Weg der gek'n eicht et e n jüdischen Proletarier der g a n 'z e n Weit zur Freiheit, zur leuchte nden Sonne der neuen Mens clW'bjje i t. . . Bestrebungen des sogenannten „Proletkult" die ersten Anfänge dazu. ,'^roletkult" ist kein Verein zur Förderung der Kultur an der Arbeiterklasse. In den Ateliers, Meisterklassen und Werkstätten der Proletkultgruppen wird Arbeitern Gelegenheit geboten, nach ihrem' Willen und Sinn Kunst auszuüben. Lehrer stehen nur insoweit zur Verfügung, wie deren #at gewünscht iwird. Im übrigen sind die Arbeitenden sieh selbst überlassen. Also eine Art von Dilettantismus? Was liegt am Namen! Diese Schaffenden nehmen es mit ihrer Sache ernster als die Dilettanten, denn nach einem' vollen Arbeitstag finden sie noch Zdt, in ihren „Proletkult" zu gehen und da zu arbeiten. Ich sah den Moskauer zentralen Proletkult. Er ist in der ehemaligen berühmten Mosorowschen Villa in der Vosdwischenke untergebracht. Ein geschmacklos-plumper Bau in einein niauriscli-byzantinisch^nioskowitischen Mische stil. Früher wohnte hier ein Grandseigneur und gab Gesellschaften. Jetzt sind die Seidentapeten und die Bilder in den Goldrahmen mit Leinwand verhängt, die feinen Möbel sind fort — es wird gearbeitet. Ich sah in der Klasse für rhythmische Gymnastik junge Proletarier und Proletarierinnen dem Rhythmus ihrer inneren Stimme nachgehen. Wie rührend war der Fleiß dieser Fleißigen. In der Abteilung für Malerei sah ich Werke eines Bauern, der erst seit H Tagen im Proletkult arbeitet. Daneben verblüffte mich die Plastik eines Soldaten, .der noch nie „Kunst sah", wie er sich ausdrückte. Die Arbeiten waren iunbeholfen und doch stärkte in ihnen eine Monumentalität besonderer Art; es war nicht Plumpheit, es war das Vollbewußtsein der eigenen Kraft, das diese Werke schuf. Und in der Abteilung für Literatur höf^e ich neben manchen lächerlichen Gedichten jüber „'Lieb und Leid" auch einen wirklichen proletarischen Dichter. Er war noch namenlos. Sein Gedicht ,sprach von dem Tod einer Soldatin, y^iie er, Soldat, in seiner Nähe hatte sterben sehen. Er sprach von seiner ,.Schwester", kein Wort der „Liebe". In den schlichten Worten lag mehr „soziale Kunst" als in der gesamten Kunst unserer verscheidenden Epoche. Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die Leipziger Tagung der U. S. P. D. bedeutet einen wesentlichen Schritt nach links. Bedeutsam ist vor allem der dicke Strich, den der Parteitag zwischen sich und der reformistischen, sozialpatriotischen zweiten Internationale ge^ zogen hat. Es war wohl eine innere Krankheitserscheinung, eine dauernde Lahmlegung jeder konsequenkrevolutionären Politik vom internationalen Gesichtspunkt, daß die Partei nach ihrer Märztagung zwar in ihr Aktionsprogramm die Dik tatur des Proletariats und das Rätesystem aufgenommen hatte, aber nicht den Mit fand„v den Amsterdamer und Luzerner Wiederbelebungsversuchen der II, I ntcrnationale mit ihrer grundsätzlich demokrati* sehen Einstellung fernzubleiben. Das spaltete geistig die Führer der Unabhängigen. Die einen neigten zu den Kommunisten und führten auf eigene Faust Verhandlungen, die anderen zu den Rechtssozialisten und liebäugelten mit dem Einigungsgedanken. Man hat daher erwartet, daß sieh der Idecnstrett so weit zuspitzen werde, daß sich die Partei spalten und die Teile sich der KL P. D.f beziehungsweise den Mchrheitssozialisten an* schließen Werden. Damit wäre die reinliche Scheidung zwi* seilen dem reformistischen und revolutionären Teil der deutschen Arbeiterschaft durchgeführt gewesen. Es kam anders. Dre überwältigende Mehrheit lehnte schon im Aktions» Programm alle reformistischen Anwandlungen ab. Sie raffte sich zu einer entschlossenen Absage an die II. Internationale auf. Zur dritten sich entschieden zu bekennen, fehlte ihr allerdings (wieder der Mut. In der beschlossenen Resolution •. ,/Der Parteitag erklärt als eine der wichtigsten Auf* gaben der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Zusammenfassung' des gesamten re* volutionären Proletariats in einer tatkräftigen revolutio* nären sozialistischen Internationale. Erste Voraussetzung einer aktionsfähigen Interna* tionale ist die rücksichtslose Führung des proletarischen Klassenkampfes unter Ablehnung jeder Politik, die k> diglich Reformen innerhalb des kapitalistischen Klas? senstaates erstrebft. Der Parteitag beschließt daher die Absage an die zweite Internationale, womit für die U. S. P. D. jede'Be* teih^ung ah der für Genf geplanten Konferenz ausgeschlössen Iwird.; 1 1 i \ k' Die U. S. P. D. ist mit der dritten Interna^ion^ darin einverstanden durch die Diktatur des Proleto riats auf Grund des Rätesystems den Sozialismus zu verwirklichen. Es muß eine aktionsfähige proletarische Internationale geschaffen werden durch Zusammenschluß unserer Partei mit der dritten IntenMionale und den so^ zialrevotutionären Piarteien der anderen Üänder. Deshalb beauftragt der Parteitag das Zentralkomitee, auf Grund des Aktionsprogrammes der Partei mit allen diesen Parteien in Verbindung zu treten um diesen Zusammenschlüß herbeizuführen und so mit der dritten Internationale eine aktionsfähige, geschlossene, proletarische Internationale zu ermöglichen, die in dem Befrei* uugskampfe der Arbeiterklasse aus den Fesseln des internationalen Kapitalismus eine entscheidende Wende für die Weltrevolution sein wird." ist noch immer viel Raum für Verschleppungstaktik gdas* sen Worden; dies trotz des Zusatzantrages: ^Sollten die Parteien der anderen Länder nicht gewillt sein, mit uns in die Moskauer Internationale einzutreten, so ist der Anschluß von der deutschen U. S. P. allein vorzunehmen." Kein Wunder also,, .daß die Führer der Rechten in der Partei bleiben konnten und auf der Grundlage dieser Re= Solution mitarbeiten werden. Die Wirkung der Tagung auf die internationale Arbeiter* bewegung wird darin bestehen, daß der II. Internationale der Gnadenstoß, gegeben wird. Nunmehr werden alle Wie* derbelebungsversuche versagen. Die deutsche Arbeiterbewegung wird jedoch erst dann ganz in den revolutionären Strom der Hl. Internationale einmünden ^wenn sie sich ganz befreien wird« von allen Bleigewichten der reformistischen Vergangenheit. der kommunistischen Partei Deutschösterreichs. Die III. Reichskonferenz der K. P. D.*Oe. tagte im Zeichen der Ralliierung ihrer Reihen, der Revision der Taktik und der Reorganisation. Die hochgehenden Wellen revolutionärer Bewegung, die im November 101S die mitteleuropäischen Länder ergriff, hat auch einen Teil des deutsch* österreichischen' Proletariates von der sozialdemokratischen Partei fortgerissen und als Avantgarde der revolutionären Erschütterungen in den politischen Kampf geworfen. Die Räder drehten sich zu schnell, als daß die Kotspritzer hätten vermieden werden können. Fehler mußten gemacht werden. Es war auch weder Zeit noch Muße, um eine kampffähige und geschlossene Orgauisationsforirf zu finden. Nun, in der zeitweiligen Ebbe des revolutionären Wellen* ganges war es Aufgabe der Reiehskonferenz, nicht nur Klarheit in den Aufbau der Partei zu bringen^ sondern auch einheitliche, taktische Richtlinien aufzustellen und die Wirrungen im jungen Parteiorgauismus zu überwinden. Das geistvolle, politisch überaus kluge, von klarer Erkenntnis der Lage des internationalen und des öster* reichischen Proletariates getragene Begrüßungsschreiben von Karl Radek hat diesen Aufgaben der Reiehskonferenz vollauf Rechnung getragen. Auf die Fragje: ,,Was habe« die deutschösterreichischen Kommunisten 2u tun?" gjbt er die klare, eindeutige Antwort: „Sie können die proletarische Revolution nicht machen, die Räterepublik nicht durch „Aus* rufung" aufrichten: Die Revolution kann nur die Arbeiterklasse selbst machen." Rade k weist darauf hilf, daß „die katastrophale Lage, in Mitteleuropa die ernstesten Möglichkeiten berge". Darauf beantwortet er auch die brennende Frage«, wie sich die K. |P. D.*Oe. für diese Möglichkeit vorbereiten solle: „Sie ist Gegnerin des Putschismus, des Versuches, an der Spitze einer kleinen Minderheit die Revolution zu machen. Hat sie untätig zu warten', bis die Mehrheit der Arbeiter ihr den Marschallstab überreicht? Nein, z w i s c h e n dem Putschismus und dem Warten auf die Revo l u t i o n liegt der Kampf u m die Gehirne und Herzen der Massen. Es gilt Tag und Nacht m arbeiten, die kommunistische Agitation zw ver* zehnfachen, die kommunistische Agitation in die tetzte Fabrik zu tragen." Diesen Auffassungen ^gaben auch die Richtlinien zur Taktik des Parteivorstandes und die Stellungnahlme zur Gewerkschaftsfrage Ausdruck, .die die Majorität erhalten haben. Wir syollen hoffen, daß auf diesem Boden »die Organisationsform zur Revplutionierung des gesamten deutsdiösterrcichischen Proletariates und zur einheitlichen Zusammenfassung desselben für den entscheidenden Kampf geschaffen fwird. Die Zionisten als Torwächter des Das Wiener Palästinaamt in ein — Polizeiamt gegen die Einwanderung Jüdischer Arbeiter umgewandelt „Die zionistische Leitung und durch sie die eng* Tische Regierung sei aber auf leins aufmerksam gemacht: Diejenigen, die trotz aller gegenwärtigen und zukünftigen Verbote dennoch den Weg nach Palästina finden, sind gerade solche, die hier nichts zu verlieren haben, Arbeiter, Chalüzim. Das Einwanderungs* verbot trifft gerade jene andere Gruppe am' schwersten, die geeignet wäre, das Gegengewicht gegeni etwaige revo* lutioiiarc Bestrebungen zu bilden: die Unternehmer, ( j ' 1 1 »Jüdische Zeitung" Nr. 48 v. 5, 12. 1919. ,.Die bolschewikische Gefahr" betitelt die ^Jüdische Zeitung" einen Denunziationsartikel gegen die Poale Z.ion. Nun haben die Herren endlich Farbe bekannt. Die ist bei Gott nicht die rote iFreihejfefarbej, ia|uch nichjt die- „rosarote" F,arbe, die Herrn Stricker an den deutschen Mehrheitssozialisten seinerzeit mißfiel. Es ist die bewährte Farbe der schwärzesten Reaktion; es ist die alte Lieblingsfarbe Strickers: s ch w. a r z * g e 1 b. Schwarz wie die Monarchie, gelb ivvie das Kapital. Und wir sind der ^Jüdischen Zeitung" sehr dankbar, daß sie in einer Aufwallung ihres ^heiligen" Zornes wider alles Sozialistische ihre Jahre lang getragene Maske des ^Arbeiterfreundes" fallen ließ. Nun steht sie — die stets im Glorienscheine einer Freiheitskämpferin er« scheinen wollte — als Polizeikorrespondenz des gemeinsten Denunziantentums vor aller Welt da. „Die bolschewikische Gefahr", bellt die „Jüdische Zeitung" und kriecht auf allen Vieren Vor ihrem Herrn und Gebieter, dem englischen Kapital. Und diese Gefahr besteht nach der Meinung der edlen jüdischen Polize.UKorrespondenz darin, daß ,,D i e j e n i g e u, die trotx aller gegen* Whärtigeu und zukünftigen Verbote dennoch den Weg nach P a last in a f in d c n, g e r a d e s o l ch e sind, die hier nichts zu verlieren h a ben, A r b e i t e r, C h' a I u z i m." Wohlan denn, edle zionistische Knechte, ,,Ma*Joffes"- Sänger des englischen Imperialismus: Arbeiter tuid Chaluzim sind die bolschewikische Gefahr für euer heißgeliebtes englischpjüdisches Vaterland. . Endlich haben wir Poale Zion durch unsere zielbewußte Politik des Klassenkampfes euch soweit gebracht, daß ihr euch offen als Fein d e d e r j ü d i s C h e n Arbeiter und Ch'alti'z inr bekennt. Euere liebevolle Verwendung für die Freigabe der Einwanderung der jüdischen Ureter nehm er, ,',die geeignet wären;, das Gegen.&e;* wicht gegen etwaige revolutionäre Besitre* bungen zu bilden," .wird den breiten jüdischen arbei* tenden Massen die Erkenntnis bringent. daß Ihr Zionisten eine Partei der jüdischen Unternehmer seit, die das Streben des jüdischen Volkes zu nationaler und sozialer Freiheit für ihre gemeinen Profit? und Ausbeuterinteressen mißbrauchen. So, so Zionisten^Befreier! Wir werden von nun an euch immer zwingen, in euerer eigenen Sprache, in derjenigen des arbeiterfeindlichen Unternehmertums zu dea jüdischen Massen zu sprechen. Es wird euch nicht mehr gelingen, den durch die jüdische Bourgeoisie ausgebeuteten, von Haus und Hof vertriebenen, stets in Pogronigefahr lebeuden, arbeitenden und hungernden jüdischen Massen cinzureden, ihr wäret ihre Beschützer, Refter und Befreier, Auf allen Straßen und an allen Ecken, in allen Betrieiben^ Kontoren und Läden, überall, wo Juden arbeiten und leiden, werden wir es rufen: D ie Z i o n L sf t e n den u n zieren die Arbeiter und Chaluzii'm al,s Bolschewiken; die Zion i s t e n v e r w.e n den s i c h bei d e r c u g 1 i s c h c n R eg i e r u n g, m an solle nur die jüdischen Untern e h m e r, nie h t a her die j ü d i s c h e n A r b e i t e i nach Palästina einwandern lassen. Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehört die ■ „Freie Tribüne".

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