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Freie Tribüne · 1919-12-13 · 47 (13.12.1919) · page 5

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
47 (13.12.1919)
Date
1919-12-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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MITTEILUNGEN DEB ORGANI8ATIONSBUHBAU8 BEB 3LII BEIBLATT ZUR „FREIEN TRIBÜNE" I. Jahrgang Wien, 13. Dezember 1019 Nr. 2 Die Polle Zion auf dem nllnißländiscben SonjetbongreS. Dem „Londoner jüdischen Korrespondenzbüro" wird mitgeteilt, daß das Exekutivkomitee des allru ß ländi sehen Ar b e i t er r a t e s auCh unsere allrußfändisChe Bruderpartei zum' VII. S o w j e t k o n g r e ß eingeladen hat. Nach; dieser Nachricht geschah die Einladung auf Grund der V^oMm'obilisierung unserer ganzen Partei für die Rote Armee und als Anerkennung für die zahlreichen Opfer, die für den Sieg" Sowjet-Rußland« gefallen sind. Zu sehr zersplittert sind die Reihen der jüdis(dhen 'Arbeiterschaft, zu viele Parteien existieren innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung, als daß man sich' den Luxus einer neuen Partei erlaubein klönnte. Darum streben wir, die linken Poale Zion, die Einigkeit in festgeschloissenen Organisationen an, die für unsere Ideale kälmfpfen und sie verwirklichen sollen. Wir wollen nicht eine kleine Sekte glaubensjtreuer Fanatiker, sondern eine starke, revolutionäre Massenpartei, die Avantgarde der jüdischen Arbeiterschaft sein. Dabei betonen wir aber immer wieder, daß die Organisation kein Zeitvertreib und eine Partei kein Selbstzweck sein darf. Eine Partei hat nur dann Existenzberechtigung, wenn sie von einheitlichen politischen Losungen ausgeht und ihren Organisationen denselben ideell'-politis'dh'en Ausdruck1 aufprägt. Deshalb erachten wir es. für unmöglich, daß „proletarische Zionismen", kämpfende Hebraisten (Achdut Awoda), Anhänger des> zionistischen Kongresses, der Wilson'sdien „Projekte" und der Völkerbunds-Farce, wie unsere amerikanischen Genossen, innerhalb derselben Partei, ja in derselben Landesorganisation mit revolutionären Käm'pfern für die Arbeiterdiktatur und Anhängern der III,. Internationare, wie in Rußland, verbleiben. Hier 'kann audh die Krönung des1 Werkes, durdh ein .Verbandsbüro, das sich1 nicht zwischen rechts und links entscheiden kann und von einer Seite auf die andere schwankt, dajS' in der II. Internationale sitzt und heimliChl mit der dritten 'kokettiert, das zwischen der Diktatur des Proletariats, in einem! sozialistischen Palästina und den zionistischen Kongressen mit ihren Aktionskomitees nicht wählen kann, keine iRejuledur schaffen. Es! ist klar, daß dieser Zustand, in den die Opportunislten, denen es! in entscheidenden Momenten an Entschlossenheit mangelt, unsere Bewegung gebracht haben, Zersetzung und Zersplitterung zur Folge haben mtiß. Wir, die lin'ken Poale Zion, wollen unsere Bewegung durdh den Ruf nach Zusammenschluß der ^Reihen der revolutionären Poale Zion, die fest auf dem Boden des! sozialistischen {Klassenkampfes! stehen, aus1 der Sackgasse führen, in die sie die „Reichte" gerade in dieser revolutionären Epoche gebracht hat. .Wir, die „Linken", wollen innerhalb der Landesorgänisätionen für ihre Revolutionierung kämpfen. In der Epoche der großen sozialen Umwälzungen, in der die Arbeiterschaft in der ganzen Welt endgültig zur Macht gelangt, müssen die Poale Zion als Partei des' jüdischen Proletariats' die Avantgarde der Revolution sein. UnentisChlosjs'enes,! SChlwanken stoischen der opportunistischen II. und der revolutionären III. Internationale wird jetzt zum1 Verbredhen. RasCh, kätasitrophenhaft, schreitet die Weltrevolution fort und diejenigen unter unSi, die sliCh nach den Balfour'sichen Deklarationen der herrschenden Bourgeoisie orientieren, werden einst als Verbrecher gegen die revolutionären Traditionen der Poale Zion-Bewegung dastehen. Genosis'en! Zugleich mit der Aufforderung zu energischer Agitation für den kommunistischen Poale Zionismus! und den Ansöhluß an die III. Internationale, riChten wir die Mahnung ^an Euch, gesunde Selbstkritik zu üben, alle kleinbürgerlichen, niChttrevolutionären Elemente, die sich in unseren 'Reihen befinden, .abzustoßen und einen rücksichtslosen Kampf gegen jeden Opportunistmus zu führen. Wir fordern Euch auf, die Reihen des revolutionären Poale Zionismus* zu stärken, einen einheitlichen Ideen-Typus der revolutionären Poale Zion zu schaffen. Wir rufen Euch zur Einigkeit, zur Einmütigkeit der Idee, zur Einheitlichkeit revolutionärer Tat. Wir, die linken Poale Zion, müisien den Vortrupp stellen, die „Zaudernden" werden schon nachktornunen. Die puBIändlsGhen Poale Zion und dos VepbandsbiiFo. Das Verbandsbüro hat sich an einen Teilnehmer der Minsker Konferenz, die den Austritt der rußländischen Partei aus dem Verbandsbüro beschlossen hat, mit der Bitte um genaue Information und Aufklärung gewandt. Wir hatten nun Gelegenheit, die seitens des Ver- 5;. bandsbüros formulierten Fragen einem anderen Teilnehmer der Minsker Konferenz, und zwar einem Mitglied des Präsidiums, vorzulegen und erhielten die im Nachstehenden 5 formulierte Antwort. (D. R.) I. Allgemeiner üeberbllck. Es fislt ein Irrtum1, wenn das .Verbandsbüro glaubt, den Austritt der rußländisChen Partei aus dem1 Verbandsbüro „ge wiasen, im Zusam1 menhange mit einzelnen aus der Ferne nicht ganz verstandHlcWen Schritten des; Verbandsbürosi entstandenen, Legenden über angebliche konterrevolutionäre Oesinnung des Verbandsblüros" 'zuschreiben zu können: Schjon die Zusammensetzung und dasi Stimmenverhältnis der Konferenz zeigen die tiefe innere Wandhing, 'die die rußjländisChe Partei zu jener Zeit durChgemacht hat. Nicht Von durch1 falsche Legenden erzeugten Stimmungen war die Minsker Konferenz beherrsChtti, s|ondern von der übermächtigen Tatsache der fortschreitenden Wertrevolution und der daraus! zu ziehenden Folgerungen. IDie Delegierten der Konferenz gruppierten sich in Izwei Fraktionen: « t . (Die komm u nist isICh'e, die sich zur Aufgabe stellte, die bis) dahin schwankenden Internationalisten zu einer einheitlichen, ent; sichieden revolutionären Taktik zu zwingen und dadurch den verderblichen Einfluß; der Menschewiki aus der Parfeipolitik zu verdrängen,.!Die „p a r t e i i sch e" Fraktion^, von den „Rechten* ' durdh die .falsChe Parole: „die Kommunisten wollen die Partei spalten/' geschaffen, sChartie alle jene Elemente um siCW, die die P a r t ei i o r g a n i sl atiion an und für sieih1 höher sitellen, als deren I nlh!a11 — die ko nkret en Form'en des Kl'asis!e nklajm'pf esi. Diese parteiische Fraktion bestand größtenteils aus „Internationalistten", einer Anzahl1 schwankender, unentschiedener „Bol'sichewiki" und einer verschwindenden Minderheit von „M'ensChewiki". Sie hatte somit keine einheitliche, politisidh'e Physiognomie. Ihre Resolutionen zeigten nur sehr geringe Abweidh'ungen von denjenigen der komlmünisitisChen Fraktion. Letztere faßte dies .alte eine 'zeitweilige Orientierung unserer Opportunisten naCh „ilinks" auf.;!Die Entstehung der parteiischen Fraktion jgab Anlaß zu mehrfachen kleinlichen Reibungen. Öiesle: Fraktion wollte sChbn durch' die Bezeichnung „parteiische" däs! Monopol1 für die Erhaltung der Parteieinheit für sich allein in Anbruch! nehmen und rief dadurch1 lebhaften Protesjt isieitensi der kommunistischen Fraktion, die audh ihrerseits die Partei erhalten, sie jedoCh mit neuem Kampfes;- und üeistesiinhalt füllen wollte, hervor. Der Schwerpunkt der Gegensätze war dadurCh auf ein Nebengeleise verschoben worden und der große erbitterte Kampf ging um die Frage der Namensänderung der Partei. Die kommunistische Fraktion erstrebte die Namensänderung auf „Jüdische kommunistisi'che Partei Po ale Zion", weil sie dadurch den Opportunisten einfür allem'al1 den Rückweg abs'dbneiden wollte. Die „parteiische" Fraktion zählte 40, die kommunistische — 42 Delegierte., Die Abstimmung ergab eine Majorität für die kommunistische Anschauung, für den Anschluß, an die dritte Internationale. Die Konferenz forderte die Parteigenossen auf, in die rote Ar meet einzjutreten und mit den Waffen in der Hand die S o w j e t - R e p u b T i k z u v e r t e idigen. Die seitens! der „parteiischen" Fraktion eingebrachten politischen Resolutionen unterschieden sich von denjenigen der kommunistischen Fraktion nur in der Form' und in manchen unbedeutenden NebensiäChlichkeiten; sie wurden eigentlich nur zu dem Zwecke eingebracht, damit die Annahme der kommunistischen Resolutionen und somit auch die Namensänderung der Partei — in JüdisChe kommunistische Partei t'oale Zion — verhindert werd*. Denn der Schwerpunkt der inneren Fraktion*^ reibungen Hag im Kampfe um die Namensänderung der Partei. II. Wie groß die Stimmenmehrheit für den Austritt aas dem Verbandsbüro war? Betreffs de:; Vcfrbandsbtiros herrschte ein€( einheitliche, verurteilende Stimmung. Mit der politischen Tätigkeit des! Verbandsbüros, wie auch mit seiner zionistischen Politik herrschte in der russischen Partei allgemeine Unzufriedenheit. Die Teilnahme des .Verbandsbüros und einzelner Landesparteien an zionistischen Beratungen und Kommissionen hatte in der rußländisChen Partei den Eindruck' erweckt, als Mären die genannten Organisationen nur eine proletarische Beilage d e r b ü r g e r 1' i <clW e n zionistischen O rj* a n islation. Die allgemeine Orientierung des Verbandsbürosi auf die Entente, das berüchtigte Telegramm an Wilsion, den Apostel der Konterrevolution, sowie die Teilnahme P. Z.-Delegierter an der Friedenskonferenz zu Paris, wurden als Verbrechen gegen die Tradition und Taktik desi revolutionären Poale Zionismus! gewertet. Der leidhtsjinnige Glaube an den Völkerbund —- Rede des1 Genossen OhäsanowitsCh in Bern — und die Teilnahme an den Beratungen der II. Internationale zusammen mit No^ke und MoraCzewski, den Henkern der revolutionären Arbeiterbewegung, hatten die Mißstimmung gegen das Verbandsbüro verschärft. (Der Austritt aus) dem .Verbandsbüro und die Schaffung eines neuen, r e V o l u t i o( n ä r e n Weltverbandes1 wurden von beiden Fraktionen eins'itim'lnfig bfcfeJciMbsisen. Die kbmltfunistis'dbe Fraktion hat zu dieser Frage keine eigene Resolution eingebracht und überließ dasl diesbezügliche Referat dem1 Vertreter der „parteiischen" Fraktion. Iii. Wie groß war die Minderheit gegen den Austritt? Eine Minorität h'at es in dieser Frage überhaupt nicht gegeben. IV. Welche führende Genossen haben sich für oder gegen das Verbleiben ausgesprochen? Kein einziger Genosjse trat für das Verbleibein ein. Das Referat für den Austritt erstattete der Führer der „parteiischen" Fraktion, Genosise Berti n r o ot - A rsik i, einer der ältesten und aktivsten Genoslsien, der vor der Revolution Parteisekretär der rußländisChen Partei war. V. Mit welchem Stimmenverhältnis wurde der Eintritt in dfe ✓ III. Internationale beschlossen? Die Resolution der kommunistischen Fraktion ist Imit 43 gegen 42 Stimmen angenommen worden. AuCh! die „parteiische" Fraktion hat in ihrer 'Resolution, wenn auch1 abweichend in der Form und nidht derart festlegend im! Inhalte, die Diktatur des Proletariats/, das Räte'syste'ml und die dritte Internationale ausdrücklich akzeptiert. Lediglich die Namensänderung wollte sie nicht zugestehen, dadurch zum! Aus|- drucke bringend, daß sie sich den Rückzug naCh rechts offen lasse. VI. WelchelRollo spielte in der Debatte über den Verband die Tätigkeit des Verbandsbüros?!Die fA k't i v i t ä t des .Verbandsbüros fand a 11gem'eine Anerkennung und Zufriedemhei t; es wurde bloß bedauert, daß die rühmenswerte Aktivität eine fälsche, opportunistische RiChtung einschlug. VII. Wurde der Austritt ans dem Verbände oder nur aus dem Verbandsbüro beschlossen? Es wurde der.Ausitritt aus dem Verbandsbüro und in Anbetracht dessen, daß die Mehrheiten vieler Landesparteien (Amerika, England und andere) mit ihrer nichtproletarisichen, zionistischen Politik das Verbandsbüro unterstützen, beschlossen: ein neues Verbandst üro de)s revolution är en Weltverbandes zu schaffen, der die linken Flügel aller Landesparteien umfassen soll. Es wurden überdies zwei Vertreter ins Ausland delegiert, um1 die Bruderparteien über unsere Stellung zuto Verbandsbüro aufzuklären und das neue Verbandsbüro ins' Leben zu rufen.

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