Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (2.5.1936)
- Date
- 1936-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 J fi djs c h e S eh u 1 z e i t u n g Seite;3 Prüfung als staatlichen Prüfungskommissar beauftragen lassen. Die Ausbildung erfolgt durch Vorlesungen und Uebungeri; die Räume der Anstalt befindensich Berlin W 35, Lützowstraße 16. Die praktische Ausbildung (Hospitieren und Uebungsunterricht) erfolgt an den Schulen der Jüdischen Ge7 meinde zu Berlin, deren Leiter mit einzelnen Lehrkräften und in Verbindung mit den Fachdozenten der Lehrerbildungsanstalt die unterrichtliche Uebungspraxis der Studierenden beaufsichtigen. Die Verbindung zu der Praxis der jüdischen Schulen und der lebendig fortschreitenden Schularbeit wird der Anstalt dadurch erleichtert, daß der Leiter der Lehrerbildungsanstalt Dr. Fritz Bamberger zugleich pädagogischer Sachbearbeiter der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde ist. Das Dozentenkollegium setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Fritz Bamberger, Leiter: Jüdische Geschichte, Religionslehre, Philosophie. Prof. Dr. Erna Barschak: Psychologie. Dr. Mathilde Behrend: Englisch. Meta Cohn-Hendel: Zeichnen. Magnus Davidsohn: Kantorat allg. Dr. Walter Feilchenfeld: Pädagogik und Methodik. Dr. M. Goldmann: Hebräisch. Rabb. Dr. Alexander Guttmann: Hebräisch, Liturgik, talmudi- Sches und halachisch.es Schrifttum. Werner Heimbach: Werkunterricht. Ruth Lotte Hirsch: Frauenturnen. Erwin Jospe: Schulmusik. Oberreg.- und Obermed.-Rat Dr. Dr. Walter Lustig: Allg. Gesundheitslehre, Schul- und Sozialhygiene. Rabb. Dr. Ignaz Maybaum: Bibel, bibl. Geschichte, Religionslehre. N. N. (erst projektiert): Weibliche Handfertigkeiten. Schulleiter Max Reschke: Methodik der Volksschulfächer. Erich Sonn: Theorie und Geschichte der Leibesübungen, Män- . nerturnen. Salomon Sonn: Methodik naturwissensch. Fächer. Theodor Schönberger: Theorie der Musik, Klavierspiel. Stud.-Rat Dr. Bruno Strauß: Pädagogik, Jugendkunde. Lilli Oppenheim: Französisch. Die Jüdische Lehrerbildungsanstalt wird zur Zeit von 58 Studierenden besucht und zwar von 31 männlichen und 27 weiblichen; aus Berlin stammen 30, aus der Provinz 28 Studierende. Alle Studierenden besitzen das Reifezeugnis einer anerkannten Vollanstalt. Die Arbeit der Lehrerfortbildung wird vom Landesverband in Verbindung mit der Reichsvertretung der Juden jn Deutschland unter Federführung des Landesverbandes geleistet. Sie erfolgt im wesentlichen in zwei verschiedenen Formen: als dauernde Lehrerfortbildung in regelmäßigen und über längere Zeit sich erstreckenden Lehrgängen und als Fortbildung in einzelnen pädagogischen Arbeitstagungen. Die erste Form ist dort gewählt worden, \vo eine größere. Anzahl von Lehrern vorhanden ist, die in Kursen zusammengefaßt werden können. Diese Art der Lehrerfortbildung besteht zur Zeit in Berlin und Frankfurt, in Breslau wird sie in diesen Wochen organisiert; in Köln konnte der Landesverband auf eigene Arbeit verzichten, da dort die Lehrerfortbildung von der Lehrerschaft selbst in die Hand genommen worden ist. Sowohl in Berlin als in Frankfurt waren von der Lehrerfortbildung hauptsächlich und bisher zwei Aufgaben zu lösen: die Vermittlung jüdischer Kenntnisse an diejenigen Lehrer, die aus allgemeinen Schulen an jüdische übernommen wurden, und die „Umschulung" von Lehrern höherer Lehranstalten auf Volksschulmethodik. In Berlin ist im besonderen auf diesen zweiten Teil starker Wert gelegt worden, ohne daß das andere vernachlässigt worden wäre. Sind beide Zwecke in dem zunächst überaus notwendigen, aber verhältnismäßig schmalen grundlegenden Umfang erfüllt, so soll eine Weiterbildung auf dieser Grundlage und eine Weiterbildung auch im allgemein Wissensmäßigen stattfinden. In Berlin liefen im Winterhalbjahr 1934/35 12 und 1935/36 8 Kurse. Gegenstände waren: Jüdische Geschichte, Religionslehre, Das jüdische Jahr, Jüdische Gegenwartskunde, Palästinakunde, Methodik des Grundschulunterrichts, Methodik der verschiedenen Volksschulfächer (Rechnen, Naturkunde usw.), Psychologie des Volksschulkindes, das Jüdische als Konzentrationsthema im Deutschunterricht, im Geschichtsunterricht usw. Als Dozenten waren tätig: Dr. Bamberger, Prof. Dr. Erna Barschak, Prof. Dr. Cora Berliner, Professor Dr. Elbogen, Stud.-Ass. Gärtner, Rabb. Dr. Alexander Guttmann, Rabb. Dr. Lewkowitz, Rabb. Dr. Maybaum, Schulleiter Reschke, Mittelschullehrer Sonn, Rektor Dr. Stern, Lehrer Johannes Wolff. Die Kurse waren von 53 Teilnehmern besucht. Die Aus- und Fortbildung im Hebräischen erfolgt in Uebereinstimmung mit der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde in besonderen Lehrerkursen der Hebräischen Lehranstalt der Gemeinde; diese Kurse sind zur Zeit von 108 Lehrern besucht. Die Lehrerfortbildung in Frankfurt a. M. betreut zugleich den umliegenden Bezirk Rhein-Main. Sie wird von Oberstudiendirektor Dr. Driesen geleitet. Im Berichtsjahr wurden die dortigen Kurse von durchschnittlich 100 Hörern besucht. Die Themen umfaßten: Jüdisches im Deutschunterricht, Einführung in den französischen Anfangsunterricht, in den englischen Sprachunterricht, in den Anfängsunterricht in Iwrith und seine Methodik, Unterricht in. der biblischen Geschichte in den verschiedenen möglichen Darstellungsweisen, die Quellen im Unterricht der jüdischen Geschichte im Rahmen der Weltgeschichte, Methodik des Volksschulunterrichts, die Einwirkung psychologischer Erkenntnis auf die erzieherische und unterrichtliche Arbeit des Lehrers, das Rassenproblem in der jüdischen Schule, die jüdischen Jugendbünde, Palästinakunde, Interpretation des 1. Abschnitts der Sprüche der Väter, die jüdischen Probleme im heutigen Frankreich usw. Als Dozenten wirkten: Professor Bondi, Dr. Edinger, Dr. Hans Epstein, Dr. Höxter. Oberkantor I. B. Levy, Lehrer Lichtenstein (Offenbach), Rabbiner Dr. Neuhaus, Dr. Plaut, Lehrer Rand, Studienrat W. Rothschild, Studienrat Salomon, Dr. Seelig, Dr. Straus (Offe.nbach), Schleifer, Dr. Weil. Pädagogische Arbeitstagungen mit mehrtägiger Dauer versammelten immer einen großen Kreis von Teilnehmern der näheren und weiteren Umgebung des Tagungsortes. 'Sie fanden während der Berichtszeit in Salzbrunn, Essen, Leipzig und Bonn statt. Alle Tagungen waren stark besucht. Einem großen Teil der Teilnehmer wurde ihre Beteiligung .durch Reise- und Verpflegungszuschüsse ermöglicht. Die Tagungen selbst standen im allgemeinen im Zeichen eines Themas. So erarbeitete die Essener Tagung Fragen der Einfügung des Jüdischen in den allgemeinen Unterricht, die Bonner Tagung behandelte Aufbau und Arbeit einer zweiklassigen Volksschule. Prinzipiell wurde auch bei diesen Tagungen angestrebt, den Vortrag zurücktreten zu lassen und die Eigenarbeit der Teilnehmer in den Vordergrund zu stellen. Eine Anzahl von regelmäßig stattfindenden Zusammenkünften von Lehrern zu Bezirkskonferenzen wurde subventioniert (Pommern, Miederrhein, Eifelgegend, Kassel). Im Jahre 1933 hat der Landesverband Religionslehrerkurse eingerichtet, um solchen Lehrern, die jetzt an jüdischen Schulen tätig sind, ohne früher eine jüdische Ausbildung erfahren zu haben, diese Ausbildung in stärkerem Maße zukommen zu lassen, als es bei der Lehrerfortbildung sonst der Fall ist. In der Berichtszeit haben 5 Teilnehmer das Religionslehrerexamen abgelegt. Zur Zeit läuft ein zweijähriger Kurs, an dem 22 Lehrer teilnehmen. Die Kurse stehen unter der Leitung von Studiendirektor Dr. Gutmann, als Dozenten sind weiter tätig Dr. Bamberger, Rabb. Dr. A. Guttmann, Rabb. Dr. Lewkowitz und Dr. M. Spanier. Diese Einrichtung hat sich außerordentlich bewährt, wobei betont werden muß, daß hier vielen Lehrern die ausreichenden Grundlagen gegeben wurden, die für die jüdische Gestaltung des Unterrichts überhaupt notwendig sind.